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Grün ist die Hoffnung

01.10.2007 | 22:00 Uhr
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EHRENAMT. Gertraude Schaper hat ein offenes Ohr für Patienten im St. Josefs-Krankenhaus. In Gesprächen schildern sie ihr oft persönlichste Erlebnisse.

HILDEN. Wer unerwartet durch eine Krankheit aus dem stressigen Alltag gerissen wird, der hat im Krankenhaus auf einmal viel Zeit nachzudenken. Dann kommen oftmals Emotionen und Gedanken hoch, die sonst normalerweise nicht an die Oberfläche treten. "Wenn ich die Leute im Edeka ansprechen würde, hätten sie wahrscheinlich keine Lust mit mir reden zu wollen", erklärt die "Grüne Dame" Gertraude Schaper. Die 64-Jährige ist Gesprächspartnerin, Seelsorgerin und Begleitdienst für die Patienten im St. Josefs-Krankenhaus in einem - und zwar ehrenamtlich.

Wildfremde Menschen schütten ihr Herz aus

"90 Prozent meiner Arbeit besteht darin, zuzuhören", so die Hildenerin. Zweimal in der Woche besucht eine ökumenische Krankenhaushilfe jede Station im Hildener Krankenhaus. Die Damen im grünen Kittel - daher rührt ihr Spitzname - gehen in jedes Zimmer und suchen Menschen, die ein offenes Ohr benötigen. Plötzlich schütten dann auf einmal wildfremde Menschen ihr Herz aus. Meistens seien die hinterher am gesprächigsten, die zunächst etwas zurückhaltend waren. Doch nach ein paar Einstiegsfragen geht es recht schnell um Themen wie Probleme in der Familie oder schlimme Ereignisse, die weit zurückliegen, etwa Kriegs- und Fluchtgeschichten. Fast alles hat Gertraude Schaper als Grüne Dame schon gehört: "Was mir noch nicht offenbart wurde, ist eine Vergewaltigung."

Doch nicht immer geht es um die düsteren Seiten des Lebens. "Wenn drei Frauen auf einem Zimmer liegen, kann es auch mal sein, dass wir plötzlich Kochrezepte austauschen", so die Erfahrung der Ehrenamtlerin. Ein reines Männerzimmer sei hingegen auch mal gut für eine lockere Witze-Runde. Schaper weiß nie, wie lange ihr Arbeitstag dauern wird. Manchmal macht sie auch Besorgungen für Patienten oder geht mit ihnen spazieren. Auch Beschwerden hört sie oft. Schließlich wird die Hildenerin von niemandem bezahlt und kann neutral sein. Schaper empfiehlt immer Beschwerden über unfreundliche Schwestern oder Unsauberkeit schriftlich zu fixieren.

Bei schwer Erkrankten kann es sein, dass die Begleiterin vier bis fünfmal mit den gleichen Menschen ins Gespräch kommt. Doch leider sind es oftmals auch gerade diese Menschen, bei denen die Gefahr groß ist, dass sie im Krankenhaus sterben. Schaper offenbart: "Da komme ich schon mal außerhalb meiner Arbeitszeit wieder, um mich nach dem Wohl zu erkundigen." Mit dem grünen Kittel kann die 64-Jährige jedoch nicht jedes Schicksal am Ende des Rundgangs abstreifen. Nicht nur für ihre Patienten, sondern auch für sich selbst holt sie sich Ratschläge von einer Krankenhaus-Seelsorgerin.

Fünf der 20 Frauen, die auch Bücher aus der Bibliothek für die Patienten ausleihen, sind seit 25 Jahren dabei. Schaper kam durch eine Nachbarin, die Grüne Dame in Haan ist, vor sechs Jahren auf die Idee.

DANIEL NEUKIRCHEN

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