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Ein Zentrum für die Kunst an der Poststraße

12.02.2010 | 12:51 Uhr
Ein Zentrum für die Kunst an der Poststraße

Düsseldorf. Die Kunstszene in der Karlstadt verändert sich. Trotz Krise ziehen Galerien um, neue kommen hinzu. Die alteingesessene Galerie Vömel setzt sich kleiner, wechselt innerhalb des Hauses und überlässt ihre Räume an der Orangeriestraße dem Auktionshaus „Villa Griesebach”.

Das Hinterhaus der Poststraße 3 mausert sich allmählich zu einem Kunstzentrum. Im 19. Jahrhundert gehörte der rotweiße Gebäudekomplex mit den vier Etagen der Privatpost der Fürsten Thurn und Taxis, mutierte dann zu einem Industriebau und, nach dem Zweiten Weltkrieg, für kurze Zeit zum Atelierhaus - angemietet von der Stadt.

Wenn dort auch Simonis, Händler für afrikanische Kunst, schon seit mehr als 20 Jahren Masken und Skulpturen anbietet, so gerät die zentral gelegene Immobilie erst jetzt zum Kunstzentrum. Rupert Pfab (früher Orangeriestraße) eröffnet am 20. Februar seine Räume auf der dritten Etage, die TZR-Galerie folgt im März. Schon vor einigen Jahren ließ sich hier das Galeristenpaar Alexander Sies und Nina Höke nieder - in den weißen Räumen mit dem Riesen-Schaufenster, die zuvor Kollege Hubertus Schoeller zur Anlaufstelle Nummer Eins für Zerokunst gemacht hatte.

Zeitgenössische Werke auf der zweiten Etage

Auf der zweiten Etage verkauft seit 1989 Clara Sels (Foto oben) zeitgenössische Gemälde, Skulpturen und Fotographie. Die gebürtige Düsseldorferin erinnert sich: „Am 9. November 1989, dem Tag des Mauerfalls, habe ich meine erste Ausstellung eröffnet.” Seinerzeit mit Objekten von Ernst Neizvestnj - einem russischen Avantgardisten, der damals wie viele seiner Landsleute aus der Sowjetunion floh und sich über Paris in die USA absetzte. Die Objekte gehören heute genauso zum festen Sels-Programm wie die des russischen Fotokünstlers Andrej Krementschuk und Exponate von Jan Fabre. Seine Käfer-Bilder stellte die Galeristin als erste Kunsthändlerin in Deutschland aus. Mittlerweile ist Jan Fabre allerdings eher durch seine aufwendigen Theater- und Bühnen-Installationen und Inszenierungen bekannt - etwa bei den Salzburger Festpielen und der Ruhrtriennale. Sels vertritt auch Ilya und Emilia Kabakov, deren „Palace of Projects” (ein runder Kubus aus hellem Stoff) im Salzlager der Essener Zeche Zollverein thront.

Ein Gespür für Qualität, Zeitlosigkeit und sinnliche Ausdruckskaft von Kunst beweisen Clara Sels und ihr Kurator Christoph Kohl auch bei der Auswahl junger Akademie-Künstler. So bei Ira Vinokirova aus der früheren Foto-Klasse von Thomas Ruff und Isabel Kirschner, früher Doig-Meisterschülerin, die kürzlich mit Gemälden und Videos den großzügig geschnittenen Präsentationsraum belebte.

„Der Run auf immer jüngere Kunst ist vorbei”

Doch: „Der Run auf immer jüngere Kunst ist vorüber. Sammler besinnen sich vor allem jetzt in der Wirtschaftskrise wieder auf technisch ausgereifte Werke”, beobachtet Sels. Dazu zählen die leuchtenden Acryl-Bilder von Irene Schlösser, die noch bis Mitte März ihre Wände zieren. Sie kosten je nach Größe zwischen 5 000 und 6 000 Euro.

Bis zu 1,60 Meter messen die lichtdurchfluteten Farbstudien, die mal in kräftigen Grün-, Rot- oder Blautönen, mal in pastelligen Schattierungen daher kommen. Die Malerin ist in Neuss geboren, legte ihr Examen an der Kölner Werkkunstschule ab und arbeitet heute in einem Atelier am Bodensee. Vor zehn Jahren noch malte sie streng, abstrakt und meist in dunklen Tönen. Heute sprießen munter poppige Farben, die sie schnell, großzügig und mit Schwung auf die Leinwand aufträgt. Ebenso mit leichter Hand, aber zielsicher, malt sie Umrisse von Figuren, tierähnlichen Wesen oder Fantasie-Objekten in die Farbfläche hinein. Eine junge, spontane Künstlerin - denkt man. Doch Irene Schlösser feierte gerade ihren 85. Geburtstag.

Bis 12. März, Poststraße 3, Informationen 0211/32 80 20, www.galerie-claramariasels.de

Michael-Georg Müller

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