Ein neues Viertel für Besserverdiener
12.10.2009 | 10:35 Uhr 2009-10-12T10:35:00+0200
Düsseldorf. Im Stadtteil Derendorf entsteht noch ein neues Viertel - diesmal ganz in Weiß. 800 Wohnungen sind auf dem ehemaligen Gelände des Güterbahnhofs geplant. 2015 soll alles fertig sein. Zielgruppe: Besserverdiener.
Ein Blick durch die Fenster im Quartis Les Halles: Der junge Mann sitzt vor dem Fernseher und beobachtet das Geschehen auf dem Moskauer Kunstgrün. Seine Nachbarin zwei Häuser weiter kämmt sich gerade die blonden Haare. Die Familie aus dem roten Gebäude gegenüber sitzt am Tisch und isst Abendbrot, während die Bewohner nebenan noch nicht die Umzugskartons ausgepackt haben. Ein Jubelschrei hallt durch den Häuserblock: 35. Minute, Miroslav Klose trifft zum 0:1 gegen Russland. Es ist Samstagabend im Quartis Les Halle an der Schinkelstraße. Die letzten Wohnungen sind vor einer Woche bezogen worden, schon steht wieder großes bevor.
Baustart im Frühjahr
In direkter Nachbarschaft, zwischen Franklinbrücke und Jülicher Straße, wird ein neues Stadtviertel mit dem klangvollen Namen „le flair” entstehen. Gebaut wird ab kommenden Frühjahr. Am Samstag wurde das Projekt, ein Joint Venture von Hochtief und Interboden, letztere realisierten bereits das Quartis Les Halles, vorgestellt. Beide Wohnprojekte sind Teil des Quartier Central.
800 neue Wohneinheiten entstehen bis voraussichtlich 2015 auf dem 60.000 Quadratmeter großen Areal. „Äußerlich wird sich das neue Viertel vom Quartis Les Halles unterscheiden”, erklärt Reiner Götzen, Inhaber von Interboden und Geschäftsführer der Firma „le flair”. „Bei den jetzigen Bauten ist jede Fassade individuell gestaltet. Sie sind bunt, nehmen die quirlige Szene, die in der Umgebung in den letzten Jahren gewachsen ist, auf.” Fürs Blumengießen ist gesorgt
Dienstleistung gibt's am "Service Point"
Bei dem neuen Projekt werde es eine klare Häuserzeile geben. „Es wird ein weißes Viertel, mit klassischer Moderne und moderner Klassik”, wirbt Götzen. Über das Gesamtinvestitionsvolumen möchte er aber nichts sagen.
Zur Präsentation des Film über das neue Viertel waren am Samstagabend auch die Bewohner des Quartis Les Halles eingeladen. In den bunten Häusern leben rund 1000 Menschen in 430 Wohneinheiten. Die Hälfte der Wohnungen wurde verkauft, die andere vermietet.
„Schön lebt es sich hier”, erzählte eine Anwohnerin. Vor einer Woche ist sie erst eingezogen. Auch wenn es nicht ganz billig sei: Zehn Euro Kaltmiete zahle sie pro Quadratmeter. Ihr Nachbarn einige Häuser weiter zahlt elf Euro, verrät er: „Dafür ist die Lage optimal und es gibt einen Servicepoint. Die Mitarbeiter nehmen Pakete an, organisieren den Bügelservice oder lüften, wenn man im Urlaub ist.” Zirka 25 Cent pro Quadratmeter zahle er für den Servicepoint, die Dienste würden dann extra berechnet. Solchen Service soll es auch im „le flair” geben. Ebenso wie die Besucherappartements, die man für 55 Euro die Nacht mieten kann.
Gärten im Innenhof
Zielgruppe für das neue Viertel sind Besserverdiener, Familien mit Kindern und ältere Leute, die kaufen oder mieten wollen. Zur Auswahl stehen luxuriöse Penthouse-Unterkünfte, großzügig geschnittene Drei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen in den vier- bis sechsgeschossigen Gebäuden oder im Innenbereich zwei- bis dreigeschossige Häuser mit Dachterrasse und Garten. Insgesamt entstehen in den nächsten zwei bis sieben Jahren 80 000 Quadratmeter Wohnfläche.
Alle Gebäude haben weiße, mondäne Fassaden, gestaltet von sechs Architekten aus Düsseldorf, Köln, Franfurt am Main, Berlin und Ratingen. Entsprechend geschmackvoll soll auch das Außengelände des neuen Viertel gestaltet werden. Es entstehen Wohnhöfe mit Brunnenanlage, eine Allee mit Radweg.
Der bisherige Grünstreifen am Quartis Les Halles wird aufgegriffen und zu einem 1,5 Kilometer langen Park, benannt nach dem französischen Komponisten Maurice Ravel, verbreitert. In der Mitte der größten neuen Grünanlage Düsseldorfs soll eine Kindertagesstätte liegen.
Parklandschaft und ein grüner Wall
Zur S-Bahntrasse hin wird die Parkfläche auf vier bis fünf Meter Höhe ansteigen. So soll ein natürlicher Lärmschutz entstehen - vor den Zügen und vor der geplanten Marc-Chagall-Straße, die an den Gleisen entlang führt.
Am Ende werden hier 3000 Menschen wohnen und zudem mehrere hundert Arbeitsplätze im Dienstleistungs- und Verwaltungsbereich zwischen Quartis Les Halle und der Marc-Chagall-Straße entstehen.
14:45
Es kommt auf eine gesunde Durchmischung an!
Leute mit hohem Einkommen garantieren hohe Steuereinnahmen und Umsätze in der Innenstadt, diese Klientel in die Stadt zu holen und ihnen attraktive Angebote zu machen ist also durchaus rational und gut begründet für eine langfristig nachhaltige Stadtentwicklung.
Das Problem ist, dass die Klientel der Geringverdiener - und das werden immer mehr (darunter auch viele gut Ausgebildete, sogar Ingenieure, Chemiker usw.) - kaum Angebote gemacht werden. weder ein Sozialticket für die Rheinbahn, noch günstiger Wohnraum. Die Soziologen nennen soetwas wohl Gentrifizierung, habe ich mal gelesen.
Es droht daher der Zerfall der Stadt in ein Wohlhabendengebiet und ein paar Ghettos in Garath-Süd usw. - das erinnert an New York City.
Kurz gesagt: es ist vollkommen richtig, die Stadt für Großverdiener attraktiv zu machen, aber bitte vergesst die restlichen 80 % der Bevölkerung nicht!
22:39
Anfang des Jahres habe ich für die junge Familie meiner Enkeltochter in Düsseldorf eine Wohnung gesucht. Auf Anhieb fanden wir eine schöne Wohnung zum etwas hohen Preis von 7,20€/m².
Ein Blick in die Wohngeldtabelle zeigte, das die Miete tragbar ist , auch wenn der Vater noch arbeitslos ist. Was soll eigendlich das ganze Gerede, von wegen sozial schwache gingen hier bei uns unter?
16:00
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13:19
@4
Stimme ich zu.
Aber leider ist es so: Geld regiert die Welt.
11:58
@#4
100% Zustimmung
Bezeichnend für unsere Gesellschaft die Bezeichnung Sozial Schwach ausschließlich mit dem Besitz von Geld gleich zusetzten.
Sozial Schwach ist ohne Rücksicht auf seine Mitmenschen den Kuchen untersich auf zu teilen obwohl für alle eine ausreichende Portion vorhanden ist.
09:18
@Wolla: Was tut sich denn da - und was? Im Angebot auf dem Wohnungsmarkt hat sich das noch nicht gezeigt. Ich wohne beispielsweise in Bilk. Wenn hier neu gebaut oder auch ein Altbau saniert wird, dann peilt man nur Hochpreisiges an. Oder sollen die, die sich die städtischen Wohnlagen nicht mehr leisten können - ich rede da gar nicht von den sogenannten sozial Schwachen, gefälligst ins Umland verschwinden? Es tut mir leid, da tut sich gar nichts, weil niemand Interesse daran hat.
09:13
Was heißt sozial Schwache? Ich habe ein regelmäßiges Einkommen und bin dennoch nicht in der Lage, eine Eigentumswohnung für - sagen wir mal - 250.000 Euro zu kaufen oder für 900 Euro Kaltmiete zu mieten. Bin ich sozial schwach? Welche Familien haben denn überhaupt ein Nettoeinkommen von fast 3000 Euro? Wir pendeln uns in Düsseldorf mittlerweile nur im oberen Peissegment ein und vergessen diejenigen, die in unserer Stadt die Mehrheit bilden und ab und an auch eine neue Wohnung benötigen. Hier die Kritiker dieser Entwicklung aufzufordern nach Nordkorea zu gehen, ist - mit Verlaub - als bescheuerrt zu bezeichnen und zeigt, wie weit sich manche Zeitgenossen aufgrund offensichtlich vorherrschender Überbezahlung von der Realität verabschiedet haben.
09:05
Düsseldorf hat neben Köln den grössten Zuzug bei den Großstädten in NRW. Aufgrund der Jobstruktur der Stadt sind natürlich Wohnungen für Besserverdienende gefragt.
Was aber nicht heissen soll, daß nicht auch Wohnraum für sozial schwächere geschaffen werden muss. Aber da tut sich ja auch was.
23:16
Dann geh nach Nord Korea, dass findet Ihr Kommunisten doch so gut !
18:50
Und was wird mal wieder was für sozial Schwache gebaut? 10 Euro pro Quadratmeter zahlt die ARGE nicht und im Hofgarten zelten darf man auch nicht.