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Die Kommissarin gab nicht auf

05.03.2009 | 19:51 Uhr

VERBRECHEN. Nach über acht Jahren ist der Mordfall im Zooviertel aufgeklärt, der damals Verdächtige wieder in Haft. Ermittlerin Nicola Coenen ließ das Beweismaterial mit modernsten Methoden erneut auf DNA-Spuren untersuchen. Mit Erfolg: 16 Treffer.

Nicola Coenen fand keine Ruhe. Immer wieder fiel ihr Blick auf die prallen Ordner zum ungeklärten Mordfall Yuri Röhrig. Die heutige Hauptkommissarin war vor über acht Jahren die Aktenführerin in der Mordkommission, sie hatte wie andere Ermittler den Mann unter Verdacht, der damals wieder freigelassen werden musste, weil die Beweislast nicht reichte. Die ganzen Jahre über suchte sie nach Indizien, diskutierte mit Kollegen über den Mord an der 87-jährigen Millionärswitwe, las zuletzt nochmal akribisch alle 1500 Seiten durch: Protokolle, Vernehmungen - Zeile für Zeile, Wort für Wort.

"Von der Hand in den Mund"

Sie überzeugte dann Staatsanwalt Ralf Herrenbrück, ein neues Beweisverfahren einzuleiten. Mit Erfolg. Der verdächtige Marco K. (37) ist jetzt wieder in Haft.

Der Handwerker war "Mädchen für alles" für die Millionärin im Zooviertel, verlegte zuletzt Parkett in ihrer Wohnung an der Graf-Recke-Straße. Ein Gelegenheitsarbeiter, der, so Herrenbrück, "von der Hand in den Mund" lebte, seine Miete nicht mehr zahlen konnte.

Oktober 2000 wurde die Seniorin in ihrer Wohnung erdrosselt. Mit einem Elektrokabel, an dem DNA-Spuren von ihm sichergestellt wurden. Er kam in U-Haft, stritt alles ab. Woher er die zwölf druckfrischen 100-Mark-Scheine hatte, die er seinem Vermieter gab, konnte er laut Herrenbrück "nicht plausibel" erklären. Die Polizei glaubte, dass dieses Geld aus dem Rattan-Schrank des Opfers stammte. Und Marco K. wusste, dass die Frau dort Geld aufbewahrte.

Verdächtiger rechnete mit der Festnahme Trotzdem musste er auf freien Fuß gesetzt werden. Seine Abdrücke am Kabel seien kein Beweis, beharrte damals der Verteidiger. Sein Mandant habe es für Hausarbeiten benutzt. Einmal rief der Beschuldigte die Kommissarin an, kündigte ein Geständnis an, weil er den "Druck nicht mehr aushalte". Und schwieg doch.

Vor wenigen Monaten die Wende: Nicola Coenen kontaktierte das LKA, das inzwischen eine deutlich verbeserte DNA-Technik anwendet, darunter das sogenannte "Dys-Verfahren", das Erkennen männlicher Y-Chromosomen auf Beweismitteln.

Ein neuer Versuch. Die Asservate kamen ins Labor. Dort fand man an 16 Stellen DNA-Material des Mannes: an der Strickjacke des Opfers, die die Frau zuletzt getragen hatte, am Halstuch, an ihrer Brille, an Fingernägeln und an der Schere, mit der der Schrank aufgebrochen war. Als die Polizei am Dienstag den 37-Jährigen in seiner Kölner Wohnung verhaftete, zeigte er sich nicht überrascht. Er habe von den neuen DNA-Methoden gehört. Immer, wenn er Blaulicht vor seinem Haus sah, glaubte er, dass sie ihn holen werden. Mehr sagte er nicht. Kommissarin Coenen wird jetzt die Akte abgeben. "Ich fühle mich unheimlich erleichtert."

Michael Mücke

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