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Die Fans der Toten Hosen verwandelten Tonhalle in ein Fußballstadion

24.06.2012 | 18:14 Uhr
Trotz Erkältung versagte seine Stimme nicht: Campino in der Tonhalle faszinierte die Besucher. Das Sonderkonzert "ohne Strom" der Toten Hosen war binnen kurzer Zeit ausverkauft.Foto: Uwe Schaffmeister

Düsseldorf.   Beim Unplugged-Konzert der Toten Hosen verwandelten die sangesfreudigen Fans den Konzertsaal in ein Fußballstadion. Anzug- und Fan-Shirt-Träger schwenkten Fortuna-Fahnen, der Union Jack hing von der Balustrade. Als sich die Band mit „You´ll Never Walk Alone“ verabschiedete, wogte der Gesang der Fans noch minutenlang durch die Halle.

Grund zum Feiern gab es im Hosen-Camp zuletzt reichlich, kürzlich das 30-jährige Bandjubiläum, am Freitag Campinos 50. Geburtstag. Ja und dann natürlich noch den Fortuna-Aufstieg, der ja auch erst seit kurzem endgültig geworden ist . Grund genug für die Fans, die ausverkaufte Tonhalle in ein Fußballstadion zu verwandeln. Anzug- und Fan-Shirt-Träger schwenkten Fahnen, der Union Jack hing von der Balustrade. Schließlich ist Campino ausgewiesener Fan des FC Liverpool. Der überaus fitte Sänger jagte den Zuschauern zunächst einen gehörigen Schrecken ein.

Schwer erkältet habe er sich am Vorabend beim Konzert in Wien, er wisse nicht, ob die Stimme halten würde. Aber die Stimme hielt, nicht zuletzt wegen einer „Wundermedizin“, die Uerige-Baas Michael Schnitzler geliefert hatte. Auch der saß, sangesfreudig, im Publikum, so wie Fortuna-Boss Peter Frymuth und einige Spieler. Ehrengast des Abends war allerdings Campinos frühere Grundschullehrerin Frau Falckenthal. Ein „Befriedigend“ habe er von ihr damals in Musik bekommen, nun, für Punkrock hat das allemal gereicht.

Ohne Atempause

Am Abend präsentieren sich die Hosen allerdings akustisch und da muss man schon aufpassen, dass alles passt. Zur Verstärkung haben sie sich Esther Kim am Flügel und Raphael Zweifel am Cello mitgebracht, die einigen Songs eine elegische Grundstimmung verpassen, die ihnen gut tut. Oft jedoch dröhnen die „Ole-Ole-Olas“ durch die Halle, sei es weil die Band mal wieder einen ihrer Hits spielt, sei es, weil die Fans einfach selber singen wollen. Ohne Atempause geht es durch das umfangreiche Repertoire, von der „Opel- Gang“ bis hin zu „Tage wie diese“, dem letzten und bislang größten Hit der Band. Bei der es ja immer wieder überrascht, dass sie immer wieder aufsteht, wenn sie am Boden ist. Und mit „Zu alt für Popmusik“ geht sie das zentrale Problem für Rocker über 50 an. „Früher fehlte dem Lied ja die richtige Tiefe. Aber jetzt haut es voll rein.“

Die Toten Hosen in der Tonhalle

Und um noch mal auf die Musiknote zu kommen: bei der (gewöhnungsbedürftigen) Jazz Bar-Lounge-Version vom eisgekühlten Bommerlunder griff der Sänger gar zur Trompete, die er in jungen Jahren lernen musste. Um die Wahrheit zu sagen – ein Könner wie Maurice André wäre er wohl nicht geworden. Den hat er in den Siebzigern zusammen mit seiner Mutter gesehen, in der Tonhalle, „in einem Mantel, der mir heute noch passt.“

Freundschaft und Fußball

Nachdem er den Trompetenunterricht aufgegeben hatte, zog es den jungen Mann dann auch bald in die „Subkultur“, in die Punkszene. Die ballte sich ab 1977 im Ratinger Hof zusammen, nachdem Carmen Knoebel dort einen Treffpunkt der Szene etabliert hatte. „Wir waren alle sehr verschieden, aber wir hatten etwas gemeinsam.“ Die berühmteste Düsseldorfer Band Kraftwerk stand immer abseits der Szenen. Campinos Rat, sollte man einen der scheuen Herren treffen. „Am besten übers Fahrradfahren unterhalten.“ Das Cover von „Das Model“ will jedoch nicht so recht funktionieren, zu groß ist der Kontrast zwischen dem bewusst naiven Text und Campinos heiserem Gesang, der ja nie auf Distanz bedacht ist. Gut dagegen eine wilde Version von Falcos „Amadeus“, dem Wiener, der durch so manchen „Schneesturm“ gegangen ist.

Aber oft geht es doch um die beiden Kernpunkte: Freundschaft und Fußball. „Eigentlich ist das hier Fortunas nachgeholte Aufstiegsfeier.“ So hörte sich das zumindest auf den „Rängen“ an. Als sich die Hosen um kurz nach halb elf mit „You´ll Never Walk Alone“, der Hymne des FC Liverpool, verabschiedeten, da wogte der Gesang der Fans noch minutenlang durch die Halle.

Campino wird 50 Jahre

Thomas Hag



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