Die Eltern machen Druck
15.12.2009 | 10:42 Uhr 2009-12-15T10:42:00+0100Düsseldorf. Schulpflegschaften lehnen „Nacht-und-Nebel-Beschluss” von CDU/FDP gegen Gesamtschulen ab: Kinder brauchen viele Bildungswege.
Die Eltern der Dieter-Forte- und der Heinrich-Heine-Gesamtschule sind auf Protest getrimmt. Die Schulpflegschaften, die letzte Woche tagten, wollen die Umsetzung des Schulausschuss-Beschlusses zur Verkleinerung ihrer Schule notfalls mit Klagen stoppen. Werner Kerski, Vorsitzender der GGG, eines Zusammenschlusses der Gesamtschulen in NRW, räumt dem Klageweg hohe Chancen ein: „In Bonn und in Morsbach waren Klagen zur Errichtung von Gesamtschulen in den letzten Wochen erfolgreich.”
Der juristisch neue Düsseldorfer Fall müsste bewerten, dass zwei Gesamtschulen, die sechszügig im Schulentwicklungsplan stehen, durch Mehrheitsbeschluss von CDU und FDP auf vier Züge verkleinert werden sollen, obwohl absehbar ist, dass Hunderte Eltern auf der Straße stehen werden. Kerski glaubt deswegen, dass die Bezirksregierung „vermutlich Bedenken” äußern werde. Ohne Bezirksregierung kann die Stadt die Schrumpfung, die sich gegen den Elternwillen richtet, nicht durchsetzen.
Seit dem Schulausschussbeschluss vor vier Wochen haben CDU und FDP noch nicht mit den betroffenen Schulleiterinnen in Düsseltal und Eller gesprochen. Ute Neuhaus, Vorsitzende der Schulpflegschaft der Heinrich-Heine-Schule, kritisierte den „Nacht-und-Nebel-Beschluss” ebenso wie ihr Kollege Hans-Hermann Jenschke von der Dieter-Forte-Gesamtschule.
Umstrittene Empfehlungen der Grundschulen
Jenschke sieht den Grund der „künstlichen Verknappung” in der drohenden Schließung von Hauptschulen. Nun sollten wohl immer noch mehr Schüler in diese Schulform, „die sich dort nicht angemeldet hätten”. Dies geschehe ohne Not, denn die Plätze an den Gesamtschulen „sind ja da”. Verwiesen wird auch auf die Schüler mit Migrationshintergrund, die in erheblich größerer Zahl zu Gesamtschulen als zu Gymnasien gehen. Ihnen würden Lernchancen genommen, wenn nur noch der Weg zur Hauptschule offen sei. „Da sieht man mal,” so Elternvertreterin Ute Neuhaus, „was da an Geisteshaltung dahintersteckt”.
Kerski will anstelle eines „faktischen Gesamtschul-Verbots” die unterschiedlichen Bildungswege gesichert wissen. Er hält auch nichts davon, dass Grundschullehrerinnen oftmals keine Gymnasial-Empfehlung geben. Dagegen setzt er den statistischen Wert, dass 70 Prozent der Gesamtschüler das Zentralabitur schaffen. Grundschullehrer sollten die Empfehlungen für weiterführende Schulen „lieber ganz lassen”, findet Kerski.
Auch Vertreter der Landeselternschaften betonten, der Run auf Gesamtschulen sei landesweit ungebrochen. 14 000 Schüler seien abgelehnt worden. In Düsseldorf wurden laut Statistik 562 Viertklässler aufgenommen und 241 abgelehnt - mehr als die Hälfte (420) wollten die Grundschullehrer lieber auf eine Hauptschule schicken.
Die Gesamtschule versteht sich als Einrichtung, die unterschiedliche Kinder unterschiedlich fördert und verschiedene Abschlüsse ermöglichen. Sechszügigkeit sei die Voraussetzung, um in der Mittelstufe viele Kurse und Neigungen in den Vordergrund zu stellen. Beklagt wird eine politische Benachteiligung durch zu geringe Lehrerschlüssel.
15:05
Letzte Information 14:52 CDU Düsseldorf Zieht Antrag auf Verkleinerung zweier Gesamtschulen (leider nur vorläufig) zuruck.
11:41
.... und in dieses Dilemma kommen jetzt noch die behinderten Kinder in den gemeinsamen Unterricht, auf die kaum eine Schule in Sek. I wirklich mit Personal und Konzept vorbereitet ist .... Wo soll das enden?
Ich habe da mal so einen ganz bösen Gedanken .... die Förder- und die Hauptschulen sind die
ganze Zeit „schlecht geredet“ worden. In den Medien wurde alles, was Schlagzeilen brachte, aufgebauscht und von den positiven Lernerfolgen der Kinder wurde nichts berichtet. Kann man so nicht auch eine Gesellschaft manipulieren? Steckt da vielleicht politisches Kalkül einer Fraktion oder Amt oder Behörde hinter, die seit Jahren für die „Schule für alle“ wirbt?
Elternwahlrecht ist schön und gut. Das setzt aber objektive Informationen voraus, die diese auch einsehen. Nicht jedes Kind kann das ABI machen, muss es aber auch nicht. Wir brauchen in der Gesellschaft nicht nur „Designer“, wir brauchen auch Menschen die das umsetzen und dann verkaufen. Ohne diese Menschen an der Basis, wird der Designer auch nicht reich werden.
Manche Kinder machen einen Umweg und erreichen dann doch das ABI, wenn diese lieber die 13. Klasse machen wollen: (z.B. Realschule =>Gymnasium oder Berufskolleg).
Es gibt so viele Wege im mehrgliedrigen Schulsystem. Ich weiß nicht, warum alles so schlecht geredet wird. Aber vielleicht bin ich dazu zu alt und mit diesem System eben damals klar gekommen. Aber wenn die Zahlen stimmen, dann erfüllt die Gesamtschule auch nicht die Voraussetzungen (40% Hauptschul-, 30% Realschul-, 30 % Gymnasial- Empfehlungen) um sich Gesamtschule nennen zu können, oder? Braucht das Kind einen neunen Namen?
Außerdem, man sollte der Landespolitik auch mal dankbar sein. Warum? Sie kümmerte sich endlich verstärkt um die Förder- und Hauptschüler/innen. Die Unterrichtsinhalte und die Vorbereitungen zu einer erfolgreichen beruflichen Ausbildung sind viel besser geworden. Die Zusammenarbeit mit dem Handwerk und dem Handel ist gut ausgebaut worden und steigert sich noch. Die zukünftigen Lehrherren wissen das auch und handeln schon danach! Die Wahrscheinlichkeit, lebenslange Sozialhilfeempfänger groß gezogen zu haben, ist geringer geworden!
Die einzigen, die es noch begreifen müssen, sind die Eltern. Ein guter Name muss nicht zwangsläufig auch ein gutes Konzept beinhalten! Aber genau da sollten diese sich genauer informieren und abwägen! Aber Eltern haben mit sogenannten Stigmas (in diesem Fall : die Hauptschulabschluss ist nichts wert) schon immer Probleme gehabt.
Da drängt sich mir die Frage auf: wie viel ist den der Gesamtschulabschluss wert, der gleichbedeutend mit dem Hauptschulabschluss ist?
22:56
Viele Schulen haben mehr Anmeldungen als Kapazitäten. Real-u. Gymleitungen lehnen, so erfahren Grundschuleltern, abgelehnte GesamtschulbewerberInnen ab. Zweier - Kinder für G8 zu schlecht, aber an Gesamtschulen gibts keine Plätze. Was soll das? Gute ganztagserfahrene Gesamtschulen sollen schlechte Pisaergebnisse der Schulen des 3gliedrigen Systems ausbaden und reduziert werden. Schulsuche als Roulette, Kinder als Ware, Demokratie und Elternwille Spielball v. SteinzeitpolitikerInnen. Völlig verunsicherte Kinder, Eltern/Wählerinnen. Für die Förderung, Motivation und Stärkung des kindl. Selbstwertgefühls aller Kinder und gegen Ausgrenzung und Diffamierung stehen vor allem die Gesamtschulen. Eine Realschule - in Nachbarstadt- wirbt damit, dass sie nur ca. 40 Kinder m. ausl. Hintergrund habe: Das ist rassistisch und *******. Wir möchten eine wirkliche Wahl für unsere Kinder haben und dies schließt alle Schulformen ein und bedeutet auch, an G8 zweifeln zu dürfen. Wer Landtagswahlen gewinnen will, sollte Kinder und Familien aller Schichten fördern und nicht nur eigenes Klientel bedienen.
20:14
CDU und FDP machen hier Politik gegen die Lebenschancen von Kindern. Die FDP hat in ihrem Kommunalwahlprogramm verstärkte Bildungsanstregungen und die Halbierung der Zahl der Schulabbrecher versprochen. Was CDU und FDP hier machen und zu verantworten haben, tut wirklich weh und trifft diejenigen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen.