Deutsch lernen in Düsseldorf, die Branche boomt
26.08.2011 | 22:00 Uhr 2011-08-26T22:00:00+0200
Düsseldorf.Sergio Macip macht erst mal Pause auf dem Hof. Fast vier Stunden Unterricht im Klassenraum hat der 25-jährige Mexikaner heute schon hinter sich, seit ein paar Monaten lernt er Deutsch am Institut für Internationale Kommunikation (IIK) in Bilk. Genau wie Carla Julia aus Spanien, die in der Gaudí-Stadt Barcelona Architektur studiert hat.
Allein für die Sommerkurse im Juli und August haben sich mehr als 1000 Sprachschüler angemeldet, um wie Sergio und Carla Deutsch zu lernen. Aus über 50 Nationen aller Kontinente kommen die Lernwilligen, aus Polen, Korea, den USA, Armenien oder Simbabwe, die Branche boomt in Düsseldorf. „Ein Grund dafür ist vielleicht der Eurovision Song Contest, der die Stadt international noch ein bisschen bekannter gemacht hat“, mutmaßt Instituts-Leiterin Miriam Märtesheimer. Olav Schröer, pädagogischer Leiter des IIK, hat noch eine andere Theorie. Besonders aus Ländern wie Griechenland und Spanien, die zurzeit mit einer relativ hohen Jugendarbeitslosigkeit zu kämpfen haben, gibt es in diesem Jahr zahlreiche Anmeldungen. „In Zeiten der Wirtschaftskrise suchen viele neue Perspektiven in Deutschland“.
„Ich vermisse das Meer“
So auch Carla. Weil die Job-Angebote in Spanien gerade nicht unbedingt berauschend sind, versuchen die 25-Jährige und ihr Freund jetzt ihr Glück in Deutschland. Gefällt der sonnenverwöhnten Spanierin denn das Land, in dem es ausgerechnet in diesem Sommer kaum einen Sommer gibt? „Auf jeden Fall, Düsseldorf ist sehr schön“, sagt sie – vielleicht ein wenig pflichtschuldig – „aber das Meer vermisse ich schon“.
Viele der Sprachschüler, die meist zwischen 18 und 30 Jahre alt sind, wollen an einer hiesigen Universität studieren. Die Kurse sind entsprechend nach einem Stufenmodell aufgebaut: Absolute Anfänger können sich nach einem Acht-Wochen-Kurs für eine Gebühr von 475 Euro auf Touristen-Niveau verständigen. Weil der Unterricht ausschließlich auf Deutsch abgehalten wird, gelingt die Kommunikation hier erst einmal vor allem dank viel Mimik und Gestik – mit Händen und Füßen eben. Den höchsten Abschluss gibt es dann nach zehn Monaten Deutsch-Paukerei: Absolventen der sogenannten C2-Stufe sind in der Lage, komplexe wissenschaftliche Texte in deutscher Sprache zu verstehen und auszuwerten.
Sergio benötigt den zweithöchsten Abschluss C1, dann kann er in Duisburg seinen Master im Fach Technische Logistik machen. Wenn alles gut läuft, kann er sich vorstellen, später mal in Deutschland zu arbeiten. Schließlich ist seine Freundin waschechte Bayerin, die in Sergios Heimatstadt Puebla mal ein Praktikum beim dortigen VW-Werk gemacht hat. Doch das ist Zukunftsmusik, erst einmal musste er den großen Deutsch-Test bestehen. Sergio fühlte sich ganz gut vorbereitet, doch einig sind sich er und Carla, dass Deutsch „echt schwierig“ ist. Gerade mit der Grammatik hätten sie Probleme, finden beide, denen man das zumindest im Gespräch aber kaum anmerkt. Zum Glück bietet das Leben aber mehr als bloßes Büffeln: Carla war schon mit Freunden in der Altstadt und Sergio spielt gerne Fußball beim Polizeisportverein. Klar, dass er ein Fußballtrikot mit Deutschland-Bezug trägt: Ampelinho – Ampelmännchen – steht auf dem Rücken des Shirts in Brasilien-Farben – passend dazu ist vorne der DDR-Ampelmann zu sehen.