Das Wir wird groß geschrieben
12.12.2010 | 15:02 Uhr 2010-12-12T15:02:00+0100Düsseldorf. Zum elften Mal hat die SPD ihren Preis für Bürger-Engagement an Ehrenamtliche verliehen, die sich für andere einsetzen.
Ehrenamtliche machen „unsere Stadt um einiges liebenswerter“, sagt Karin Kortmann, Vorsitzende der SPD Düsseldorf: „Diese Personen schreiben das Wir groß und das Ich klein. Sie nehmen Veränderungen in der Gesellschaft schneller war, als eine Behörde Formulare druckt.“ Die Sozialdemokraten vergaben am Samstag in der Jazz-Schmiede zum elften Mal den Preis für Bürger-Engagement. In vier Kategorien wurden von der Seniorin bis hin zur Kindertagesstätte Menschen geehrt, die sich besonders für andere einsetzen - ehrenamtlich und unentgeltlich.
Eine von ihnen ist Luise Carson. Die 73-Jährige lebt seit fast einem halben Jahrhundert in Flingern. „Alles, was wir auf der Welt sehen, ist das Werk von Frauen“, zitiert Laudator Volker Neupert von „Respekt und Mut“ Staatsgründer Atatürk. Carson sei eine Frau, die gerne Wahrheiten ausspricht. Sie besorgte völlig unkompliziert einer Alleinerziehenden aus Ghana Möbel und Kleidung, schreibt für einen Gehörlosen den Gottesdienst simultan mit, engagiert sich in der Bürgerinitiative Flingern Süd, bedankt sich bei Straßenkehrern und ihre Apfelwähe hat einen legendären Ruf.
„Ich habe immer das Gefühl, ich habe zu wenig getan“, sagt Carson. Neupert lobt, dass „ein Flingeraner Urgestein von der alten Tante SPD“ den Preis für Menschen, die sich beispielhaft für das Gemeinwohl engagieren, bekommt.
Mit der Bäckerei Hinkel zeichnete die SPD am Samstag zum ersten Mal ein mittelständisches Unternehmen aus, das beispielhaft bürgerschaftliches Engagement unterstützt. Zuvor hatten Firmen wie Henkel, Victoria und Metro die kleine Radschläger-Statue von Bildhauer Ekkehard Arens erhalten.
„Die Bäckerei Hinkel gehört zu Düsseldorf wie der Schlossturm und das Alt“, so Kortmann und skizziert Josef Hinkel in dreierlei Hinsicht: „Der Bäckermeister“, der Schüler in seine Backstube einlädt, der das Handwerk stärkt. „Der Karnevalsprinz“, der die „Herzen der Düsseldorfer erobert hat“, der sich um das Brauchtum und seinen Nachwuchs sorgt. Und „der Gemeinnützige“, der Laugenherzen für die Aidshilfe backt, der das Restaurant „Grenzenlos e.V.“ täglich kostenfrei beliefert. Hinkel sei ein Beispiel dafür, „dass sich Unternehmertum und Gemeinnützigkeit nicht ausschließen“, so Kortmann.
Gemeinsames Fastenbrechen, internationale Gerichte kochen, Besuche in der Moschee, Synagoge oder im Kölner Dom: Eine Reise durch die Kulturen machten die Jungen und Mädchen der Kindertagesstätte Wackelzahn in Lierenfeld. Organisiert von den Eltern, die den „Kultur Club Wackelzahn“ gründeten. Hier lernen die Kleinen unterschiedliche Kulturen kennen, wachsen vorurteilsfrei auf. Und 35 Väter basteln zusammen internationale Laternen. Dafür wurde der Club mit dem Preis für Projekte, die das freiwillige Engagement von Migranten fördern ausgezeichnet.</p><p>Die Mitglieder von Antistigma Düsseldorf machen ein Thema öffentlich, dass oft tabuisiert wird: psychische Probleme. Seit 2003 gibt es die Initiative. Sie gehen in Schulen, helfen Jugendlichen mit seelischen Problemen und setzen sich für einen unverkrampften Umgang mit psychischen Erkrankungen ein. Dafür erhielt die Organisation den Preis für Initiativen, die „zentrale gesellschaftspolitische Zukunftsfragen in das öffentliche Bewusstsein rücken“.
„Die Zahl der Leute, die sich selbst umbringen und sehr jung sind, wächst“, mahnt Laudator Walter Scheffler von „Grenzenlos e.V.“. Gerade letzte Woche habe er mit einer Studentin gesprochen, deren guter Freund den Freitod wählte. Antistigma ermögliche es, durch das Schulprogramm, dass Jugendliche durch die Begegnung mit Betroffenen Ängste und Vorurteile abbauen.
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