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Stadt Düsseldorf weiß seit Jahren von PFT-Belastung der Seen

06.07.2013 | 06:30 Uhr
Stadt Düsseldorf weiß seit Jahren von PFT-Belastung der Seen
Die drei Kaiserswerther Badeseen weisen durch Grundwasser, das mit der Chemikalie PFT (Perflourierte Tenside) verunreinigt ist, extrem hohe Wete auf.Foto: Kai Kitschenberg/WAZFotoPool

Düsseldorf.  Weite Teile des Grundwassers im Düsseldorfer Norden sind mit PFT verseucht. Hohe Konzentrationen des Giftes, das Krebs auslösen soll, belasten den Lambertus-See in Kaiserswerth. Die Stadt Düsseldorf weiß das seit Jahren. Viele Badegäste wissen es nicht – und gehen ahnungslos ins Wasser.

Martin Schäfer guckt nicht wie einer, der ahnt, dass ihm das Gift bis zum Hals steht. Nur sein Kopf ragt aus dem Wasser des Lambertus-Sees. Viele tauchen hier ein wie der 23-Jährige, gerade an diesem heißen Junitag. Das Thermometer zeigt 38 Grad. Giftmessungen, die dieser Zeitung vorliegen, zeigen: Der Lambertus-See ist verseucht.

Große Mengen Perfluorierter Tenside (PFT) werden seit Jahren im Wasser nachgewiesen: Stoffe, die als krebserregend gelten. Die Stadt Düsseldorf weiß das. Anwohnern hat sie – vorerst bis zum Jahr 2027 – verboten, Wasser aus privaten Gartenbrunnen zu schöpfen. Obst und Gemüse könnten durch häufiges Gießen vergiftet werden, auch Menschen, die davon essen. Doch Hunderte Badegäste schwimmen nach wie vor im PFT-See. Das Baden ist hier zwar – wie an den meisten Seen – offiziell nicht erlaubt, geduldet wird es aber offenbar von der Stadt.

Entsprechend groß ist der Betrieb. Besucher kommen in Scharen, mit Bier und Grillfleisch. Kein Tor, kein Zaun, keine Absperrung, kein Hinweisschild, keine Warnung, keine Kontrolle: Der Zugang zum Badeparadies steht jedermann offen. Am Uferrand leuchten Handtücher und Strandmatten. In Buchten planschen Opas und Omas mit Enkeln; in der Seemitte ziehen Schwimmer ihre Bahnen. Ein Abschnitt am Nordufer ist FKK-Zone.

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Die Stadt Düsseldorf kennt ihr PFT-Problem seit vielen Jahren

„Ein toller Platz. Ich bin jedes Jahr im Sommer hier, seit 1990“, sagt Markus Pitry aus Kaiserswerth. Als das Gespräch auf PFT kommt, lässt die Begeisterung schlagartig nach. „Das ist schockierend“, ruft Jens Reinhard vom Handtuch gegenüber. „Ich hab’ davon gehört, aber doch nicht hier, sondern in der Ruhr.“ Er meint den Fall, der PFT in die Öffentlichkeit gebracht hat: den Skandal von 2006. Die Giftmengen, die in Düsseldorf belegt sind, sind schlimmer. Sie liegen 100-fach höher als damals in Ruhr und Möhne.

Seit 2007 untersucht das städtische Umweltamt das Grundwasser im Düsseldorfer Norden auf PFT. Schon nach den ersten Tests ist klar: Es gibt ein größeres Giftproblem. Und es dehnt sich sehr schnell aus. Der verseuchte Bereich misst mittlerweile 8,5 Quadratkilometer. Das entspricht 1700 Fußballfeldern.

Hintergrund
Gesundheitsgefahr durch PFT

Perfluorierte Tenside (PFT) sind nicht nur wasserfest, sondern auch schmutz- und fettabweisend. Sie werden vor allem benutzt, um Oberflächen von Teppichen, Kleidung, Möbeln oder Kochgeschirr zu behandeln oder Papier zu veredeln. In Böden sind PFT vergleichsweise leicht auswaschbar. Dadurch kann die Chemikalie ins Grundwasser gelangen und in der Folge auch das Trinkwasser verunreinigen.

Die Verbindung selbst ist außerordentlich stabil und überall in der Umwelt nachweisbar. Wichtigste PFT-Vertreter sind Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) und Perfluoroctansäure (PFOA). Sie können sich in der Nahrungskette anreichern und verbleiben lange im menschlichen Organismus. "Die beiden Stoffe besitzen im Tierversuch lebertoxische, krebserregende und reproduktionstoxische Eigenschaften", warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung. Andere Experten wollen erst den Abschluss von Langzeitstudien abwarten. Deren Ergebnisse liegen noch nicht vor. (dpa)

Das Umweltamt hat den Flughafen als Hauptverursacher ausgemacht. Vier potenzielle PFT-Quellen sind geortet: ein Löschübungsbecken, eine Feuerwache, ein Tanklager und eine Unfallstelle, an der 2005 ein Flieger brannte. Demnach hätten PFT-haltige Löschschäume das Grundwasser verseucht. Für die angerichteten Schäden müsse der Airport zahlen, und zwar schnell. Das fordert Umweltminister Johannes Remmel (Grüne). Die Verhandlungen mit den Flughafen-Bossen führt das Düsseldorfer Umweltamt. Mit Bedacht, freundlich im Ton: Schließlich soll ein öffentlich-rechtlicher Sanierungsvertrag herausspringen, mit einer Selbstverpflichtung des Airports als Kern.

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Kommentare
07.07.2013
11:18
Stadt Düsseldorf weiß seit Jahren von PFT-Belastung der Seen
von fogfog | #9

ist doch Klasse-Bemate wollen mehr Geld, aber wenn es darum geht ihre Pflichten zu
erfüllen und den Bürger zu informieren dann sind sie krank oder im...
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http://www.derwesten.de/nrz/staedte/duesseldorf/das-gift-im-badesee-id8153316.html
2013-07-06 06:30
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