Charmebolzen David Garrett punktet mit Können
03.05.2010 | 12:37 Uhr 2010-05-03T12:37:00+0200
Düsseldorf. Brahms’ 3. Sonate in d-Moll oder Sonaten für Violine und Klavier von Mozart locken eigentlich nur (wenige) Freunde der Kammermusik. Es sei denn, Star-Geiger David Garrett spielt sie. Auch die Düsseldorfer Tonhalle war ausverkauft, als der Popstar schwere Klassik-Lost präsentierte.
Mit seinen langen, blond gesträhnten Haaren und der lässigen Kleidung wirkt der Geiger David Garrett wie eine Mischung aus Musikstudent und Popsänger. So scheinen ihn seine Fans zu lieben. Zahlreich sind sie in der Düsseldorfer Tonhalle erschienen, der Saal war ausverkauft, ebenso die Philharmonie Essen und Stadthalle Wuppertal an den Tagen zuvor. Die Karten für David Garretts gesamte Deutschlandtournee sollen so gut wie weg sein. Dabei setzte der breitenwirksame Klassikmusiker Stücke aufs Programm, die sonst nur eine kleine Gemeinde von Freunden der Kammermusik anlocken: Sonaten für Violine und Klavier von Mozart, Beethoven und Brahms sowie die Konzertrhapsodie „Tzigane“ des französischen Frühmodernen Maurice Ravel.
Leidenschaftlich und ausdrucksvoll
Alles keine leichte Kost, aber der geigende Charmebolzen präsentiert alles ganz locker vom (Bar)Hocker, moderiert mit Mikrophon in den Händen und wünscht den Besuchern, die er kollektiv duzt, „viel Spaß“ bei Brahms’ 3. Sonate d-Moll. Doch dann wird’s ernst. Der düster verhangene 1. Satz dieses Werks kommt nicht so flockig daher, wie Garrett ihn ankündigte. Aber im Saal herrscht konzentrierte Stille. Denn der junge Geiger spielt, solide am Klavier begleitet von Julien Quentin, leidenschaftlich und ausdrucksvoll, so entsteht eine Spannung, die sich auf die Hörenden überträgt.
Nicht minder anspruchsvoll geht es weiter mit Ravel. Die Rhapsodie beginnt mit einem langen schroffen Solo ohne viel Melos. Es sind zackig abgerissene Tonfolgen, die da wie der Geige mühsam abgerungen scheinen. Ja, Garrett mutet seinem Publikum was zu, belohnt es aber durch ein virtuoses, makelloses Spiel. Wer sich ein bisschen schwer tut, die sperrige Tonsprache Ravels zu verstehen, muss nur in Garretts Gesicht sehen, denn sein stets beredtes Mienenspiel wirkt, als wolle es verraten, wo sich die Geheimnisse der Musik versteckt halten. Die rasante Schlusspassage spielt Garrett, der im Guinness-Buch den Rekord als „schnellster Geiger der Welt“ hält, geradezu überschäumend und absolut mitreißend.
Entführung in die feine Welt der Hochklassik
Mit Sonaten von Mozart (Nr. 18, G-Dur) und Beethoven („Frühling“) entführt Garrett in die feine Welt der Hochklassik. Und er musiziert ausgesprochen stilsicher, ohne zu romantisieren. Die Tongebung ist sauber und reich an zarten Farbnuancen. Selbstbewusst hat Garrett, der sich ja seit Jahren künstlerisch zwischen Klassik und Pop bewegt, einmal gesagt: „Du musst ein Weltklassegeiger sein, um eine gute Crossover-CD zu machen“. Der glänzende Klassik-Abend hat nun also gezeigt, warum ihm dies damals so gut gelang.
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i love him