Das aktuelle Wetter Düsseldorf 12°C
Düsseldorf

Auslandseinsätze sind wie ein Virus

05.02.2009 | 19:40 Uhr

BUNDESWEHR. Wehrbereichsverwaltung West ehrte zivile Mitarbeiter als Dienstleister der Truppe an den Krisenherden der Welt.

Heldengeschichten sollen andere erzählen. Auch staatstragende Sätze wie die sattsam bekannten Demokratie-Bekenntnisse aus Politikermund kommen weder Birger Ulke noch Simone B. über die Lippen, als sie gestern für ihre Auslandseinsätze von ihren Vorgesetzten geehrt werden. Der Befund der zwei Mitarbeiter der Wehrbereichsverwaltung West über ihre zivilen Einsätze an den Krisenherden der Welt klingt eher bescheiden, wohltuend nüchtern. "Es ist der Versuch, im kleinen Rahmen die Menschen, die Hilfe brauchen, zu unterstützen. Es ist auch der Reiz des Fremden und die Neugier, weshalb ich mich für die Einsätze im Kosovo und in Afghanistan gemeldet habe", sagte die freundliche 46-jährige Düsseldorferin, die aus gutem Grund ihren Nachnamen nicht in der Zeitung lesen will: "Es gibt ja Menschen, die die Einsätze der Bundeswehr in Afghanistan zum Beispiel vehement ablehnen. Um uns und unsere Angehörigen zu schützen, möchten wir anonym bleiben", erklärt Simone B. die Gepflogenheiten der Bundeswehr, wenn der Auslandseinsatz erst wenige Monate zurückliegt, der nächste aber in greifbare Nähe rückt.

Wie eine große Familie

Auch ihr Kollege Birger Ulke, der als Teamleiter zuständig ist für die Auslandseinsätze, selbst aber erst wieder 2011 an einen der Brennpunkte fahren wird, will den eigenen Beitrag zur Sicherung des Friedens nicht dramatisieren. Doch neben der Überzeugung von seiner Mission, die auch ihn ins Kosovo und nach Afghanistan führte, bewegt ihn ein sehr emotionaler Grund: "Solch ein Auslandseinsatz befällt einen wie ein Virus. Die Kameradschaft ist großartig. Jeder hilft jedem. Man fühlt sich wie in einer großen Familie. Man unterstützt sich gegenseitig. Man hat viel Spaß, zögert aber nicht seinen Dienst zu tun über den obligatorischen Zwöf-Stunden-Tag hinaus", sagt Ulke und nennt überdies die sachlichen Gründe, die ihn an den Einsatz der Bundeswehr glauben lassen: "Wir können ja durchaus Erfolge vorweisen. Wir bauen Schulen auf. Die jungen Menschen sind sehr wissbegierig und lernwillig. Wir verteilen Aufträge, wir vergeben Jobs. Wir bringen Geld in die örtliche Wirtschaft und tragen dazu bei, dass sich ein gewisser Wohlstand aufbaut", ist der 49-Jährige überzeugt und vermisst mehr informative Berichte über das Land. "Die Medien sind vor allem immer dann da, wenn etwas passiert", findet er.

Dienstleister für die Truppe

So wie an ihrem Arbeitsplatz bei der Wehrbereichsverwaltung West sind Birger Ulke und Simone B. auch bei den Auslandseinsätzen als Dienstleister für die Truppe tätig - nicht ohne aber zuvor eine vierwöchige Ausbildung als Soldaten zu machen. Ohne Menschen wie sie gäbe es vor Ort keine Betten, keine Schreibtische, keine Verpflegung. Sie regeln die Beschaffung von Brennstoff und Sprit. Sie unterhalten im Lager einen Basar, auf dem die Einheimischen ihre Waren verkaufen, wie im Camp Mamal in Masar-i-Sharif, wo Simone B. letztes Jahr war. Vier Monate lang sah sie nicht mehr vom Land als den zwei Kilometer langen und ein Kilometer breiten Mikrokosmos, in dem rund 3000 Menschen leben: "Was draußen um uns herum geschah, das bekamen wir nicht mit. Von Anschlägen haben wir nur gehört. Sie haben uns allerdings immer sehr berührt, auch wenn wir die Menschen gar nicht kannten."

Ulkes Einsatzgebiet war auch die Stadt Kundus. Er musste zum Beispiel zur Stelle sein, wenn ein Bundeswehrfahrzeug mit einem afghanischen Auto kollidierte.

Die Höflichkeit ist überwältigend

"Dann nahmen wir den Schaden auf. Dabei konnte es einem schon mal mulmig werden", gibt Ulke zu. Doch es war nicht die Angst vor einem Anschlag, die als bestimmendes Gefühl überwog: "Natürlich ist das Risiko da", befindet Ulke nüchtern. "Aber die Höflichkeit und Gastfreundschaft der Afghanen ist großartig. Und das Wissen darum, das sie uns Deutsche sehr gern mögen."

BIRGIT KLAUSMANN



Kommentare
Aus dem Ressort
Jetzt gibt Geisel im Düsseldorfer Rathaus den Takt vor
Machtwechsel
Der erste Arbeitstag des neuen Oberbürgermeisters Thomas Geisel: Für den früheren Eon-Manager hat die Baumkampagne oberste Priorität, doch er setzt auch die kleinen, wichtigen Signale. Etwa in Sachen Schauspielhaus oder bei der Belegeung von Logenplätzen im Stadion.
Ermittlungen in Achenbach-Affäre auf Ex-Partner ausgeweitet
Kunsthandel
Der Skandal um den Kunstberater Helge Achenbach zieht weitere Kreise. Die Staatsanwaltschaft hat einen weiteren Verdächtigen im Visier, einen früheren Geschäftspartner der inzwischen aufgelösten "Berenberg Art Advice". Beide sollen betuchte Geldanleger beim Kauf von Kunst betrogen haben.
Farbenspiel im Blätterwald
Kunst
Die Installation der Künstlerin Katharina Hinsberg soll im Labor des K20, Grabbeplatz 5, ab morgen und noch bis 11. Januar 2015 nicht nur zum Anschauen sondern auch zum Mitgestalten einladen.
Supermarkt-Mitarbeiter stellt Ladendieb in Düsseldorf
Polizei
Auf frischer Tat ertappt: Ein 31-jähriger Mitarbeiter eines Supermarktes an der Ackerstraße in Düsseldorf hat einen Ladendieb gestellt. Er hatte ihn laut Polizei dabei überrascht, wie er Montagabend das Büro nach Wertsachen durchsuchte und an der Flucht gehindert, bis Polizisten eintrafen.
Satudarah-Rocker steht wegen Cyber-Bankraubs vor Gericht
Satudarah
Wegen eines spektakulären "Cyber-Bankraubs" steht ein Mitglied der Rocker-Gruppe Satudarah in Düsseldorf vor Gericht. Der 33-Jährige soll 136.000 Euro erbeutet haben. Er und sein Komplize schlugen wohl unter anderem in Düsseldorf, Duisburg und Essen zu und erbeuteten 1,8 Millionen Euro.
Fotos und Videos
Rockerkrieg in NRW
Bildgalerie
Bilderchronik
Saisoneröffnung
Bildgalerie
Fortuna
NRZ Leser auf der Kirmes
Bildgalerie
Hinter den Kulissen
St. Sebastianus feiert
Bildgalerie
Schützen