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Amtsgericht

Wütender Fußgänger attackierte Radfahrer

04.06.2012 | 16:40 Uhr
Wütender Fußgänger attackierte Radfahrer

Dortmund.   Wegen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr und Körpervberletzung musste sich ein Fußgänger auf der Anklagebank verantworten: Er stand auf dem Radweg und hatte sich geärgert, weil der Radler laut klingelte und schimpfte. Gegen Zahlung von 732 Euro Schmerzensgeld wurde das Verfahren eingestellt.

Radfahrer haben Rechte, und Fußgänger natürlich auch. Dass es jedoch besser ist, rücksichtsvoll miteinander umzugehen als starrsinnig auf sein Recht zu pochen, zeigte sich gestern im Amtsgericht. Hier saß ein 31-Jähriger nicht nur wegen Körperverletzung auf der Anklagebank, sondern kurioserweise auch wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr – und das als Fußgänger.

Muskelbepackte Arme, Schultern breit wie ein Kleiderschrank und auf dem kahlköpfigen Schädel diverse Tätowierungen: Keine Frage, dieser Hüne von Mann macht Eindruck. Allerdings hatte der Radfahrer am Abend des 9. April letzten Jahres das imposante Äußere des Fußgängers erst gegen Ende der verhängnisvollen Begegnung bemerkt und dann auch gleich die Konsequenzen gezogen, doch dazu später...

Fußgänger trat mit Wucht gegen das Fahrrad

Mit Schwung sauste der Radfahrer an jenem Aprilabend über den Radweg neben dem Krückenweg in Richtung Barop. Direkt auf dem Radweg, also auf seinem Terrain, stand eine Gruppe von Leuten. Der Radler klingelte schon von Weitem energisch, eher missmutig und langsam machte die Gruppe Platz. Der Radfahrer schimpfte – und nun trat der Angeklagte in Aktion.

Er stand, einige Meter von der ersten Gruppe entfernt, ebenfalls mit einigen Freunden auf dem Radweg. Als er hörte und sah, wie der Mann mit lautem Gezeter angeradelt kam, fackelte er nicht lange: Mit Wucht trat er so fest gegen das Fahrrad, dass der Radler vom Sattel fiel.

„Mir tut das alles sehr leid“

„Mir tut das alles sehr leid, ich entschuldige mich“, verkündete der Fußgänger gestern lammfromm auf der Anklagebank des Amtsgerichtes.

Radfahrer suchte zu Fuß das Weite

Bei seinem Anblick hatte der damals zum Glück nur leichtverletzte Radfahrer verängstigt das Weite gesucht, der Fußgänger indes wütete weiter: Er schnappte sich das Fahrrad und warf es im hohen Bogen über den Zaun der Kleingartenanlage „Frisch gewagt“.

Amtsrichter Dr. Reiner Kollenberg hatte darauf verzichtet, den im fernen Cottbus wohnenden Radfahrer als Zeugen zu laden, dafür wurde mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft folgende Lösung gefunden: Der bisher unbescholtene Angeklagte zahlt 732 Euro Schmerzensgeld, im Gegenzug stellte Amtsrichter Dr. Kollenberg das Strafverfahren ein. Damit wurde auch ein weiteres Zivilverfahren vermieden und der Radler muss nicht noch einmal nach Dortmund kommen.

Kethrin Melliwa



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