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Rettersyndrom bei Jungvögeln

Nur gucken, nicht anfassen!

27.05.2009 | 18:07 Uhr

„Die Leute kidnappen alles, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist...” – und füllen die Arche mit Jungvögeln.

Dabei muss der gefiederte Nachwuchs in den wenigsten Fällen gerettet werden. Appell der Tierfreunde an potentielle Vogelfänger: Nur gucken, nicht anfassen!

Das Rettersyndrom greift unerbittlich zu. Jedes Vögelchen, das auf dem Boden statt im Baum sitzt, wird seit etwa drei Wochen eingesammelt und abgegeben: Spatzen, Finken, Meisen, Drosseln, Elstern, Krähenvögel... „Ich hab' den Überblick verloren”, schüttelt Gabi Bayer von der Arche 90 den Kopf. Erst gestern seien wieder zwei Jungvögel im Pappkarton vor der Polizeiwache in Mengede ausgesetzt worden; einen ganzen Schwung wildes Federvieh haben die Arche-Mitarbeiter gestern zum Aufpäppeln in eine Wildtierstation gebracht, weil sie der geflügelten Waisen nicht mehr Herr werden. Und eigentlich auch nur für verletzte Tiere zuständig sind.

Nicht gleich flügge

„Die Jungvögel verlassen jetzt ihre Nester und machen ihre ersten Flugversuche”. Nicht jeder halb-flügge Mini-Spatz ist deshalb gleich ein „Richthofen”. „Das macht aber nichts”, klärt Bayer auf: „Sie werden auch am Boden von den Eltern weiter gefüttert”. Und haben deutlich bessere Überlebenschancen, als in menschlicher Obhut.

Ein Dauerargument der Retter, die zwar nach bestem Wissen und Gewissen handeln: „Ja, wenn da aber eine Katze...” Das, schüttelt die Tierfreundin den Kopf, „das ist dann Natur”.

Anja Schröder

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