Gutachter im Giftprozess kommt Anfang Juli
06.06.2012 | 18:12 Uhr 2012-06-06T18:12:00+0200
Dortmund. Bis zum 4. Juli werden im bundesweit größtem Umweltskandal noch Urkunden verlesen – dann wird es im Envio-Prozess spannend: Am 4. Juli will das Gericht das Gutachten des Arbeitsmediziners hören. Thema: Mögliche Zusammenhänge von Arbeitsbedingungen bei Envio und erhöhten PCB-Werten der Beschäftigten.
Lesen bis der Gutachter kommt: Bis zum 4. Juli stehen in einem der bundesweit größten Umweltskandale der letzten Jahre noch das trockene Verlesen von Betriebsgenehmigungen und das Erörtern von Zeichnungen an – und dann wird es im Envio-Verfahren im Landgericht spannend.
Am vierten Juli, auf dieses Datum einigten sich gestern die elf erschienenen Anwälte , wird das Gutachten des Arbeitsmediziners Prof. Albert Rettenmeier erwartet. Der Direktor des Instituts für Hygiene und Arbeitsmedizin der Universität Essen-Duisburg hat im Auftrag der Staatsanwaltschaft einen möglichen Kausalzusammenhang zwischen den Arbeitsbedingungen bei Envio und den hohen PCB-Werten bei vielen Beschäftigen untersucht.
Vorwurf: Arbeiter nur ungenügend geschützt
Körperverletzung in 51 Fällen sowie schwere Umweltverstöße wirft die Anklage dem ehemaligen Chef der Envio Recycling GmbH Dr. Dirk Neupert und drei weiteren früheren Mitarbeitern vor. Aus reiner Profitgier und Gewinnmaximierung haben sie demnach in der inzwischen stillgelegten Firma am Hafen von 2006 bis 2010 ahnungslose Beschäftigte zum Teil ungeschützt zur Arbeit an Transformatoren geschickt, die mit dem hochgiftigen Kühlmittel PCB verseucht waren. Damit hätten die vier Angeklagten die Gesundheit ihrer Beschäftigten vorsätzlich gefährdet, so der Vorwurf.
Auswirkungen von giftigen Stoffen auf die Gesundheit
Wie sich giftige Partikel, Metalle oder auch Gase in der Umwelt und insbesondere am Arbeitsplatz auf die Gesundheit von Menschen auswirken, gehört zu den Schwerpunkten des Arbeits,- und Umweltmediziners. Ob der Experte „noch weitere Ermittlungsansätze sieht“, werde sich dann herausstellen, erklärte der Vorsitzende Richter Thomas Kelm.
13:31
Ähm, liebe Frau Melliwa, der WDR hat gestern in diesem Zusammenhang eine etwas andere News verbreitet.
Danach hat Prof. Rettenmeier in seinem Erstgutachten im Rahmen der staatsanwaltlichen Ermittlungen lt. dem Gericht eben *keinen* Kausalzusammenhang zwischen den konkreten Funden und den konkreten Gesundheits-Zuständen der Betroffenen hergestellt, sondern eher allgemein auf die Zusammenhänge zwischen PCB- und PER-Kontaminationen und Gesundheitsschäden abgezielt.
Laut Erstgutachten ist keiner der Betroffenen von Rettenmeier persönlich angesprochen und untersucht worden. Dies erscheint dem Gericht als zu unkonkret für den Prozess und deshalb muss Rettenmeier nun ein zweites Gutachten erstellen.
Auch wenn dadurch nichts "verloren" ist, würde ich das mal als warnende Klatsche für die Staatsanwälte auffassen, ihren Job ordentlich zu machen.