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Freundin in Dortmund erstochen - Gericht verhängt fast zehn Jahre Haft

12.06.2012 | 16:52 Uhr
Freundin in Dortmund erstochen - Gericht verhängt fast zehn Jahre Haft
Wegen Totschlags verhängte das Schwurgericht gestern eine Gefängnisstrafe von neun Jahren und sechs Monaten.Foto: NRZ

Dortmund.   Wegen Totschlags muss ein 31-Jähriger neun Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Er hatte seine Freundin erstochen, als diese ahnungslos am Bügelbrett stand. Stunden zuvor hatte das Paar noch mit Nachbarn zusammen im Hinterhof der Wohnung in der Richardstraße in Dortmund gegrillt.

Auf ihrer Grillfete im Hinterhof der Richardstraße im September 2011, da machte das Paar auf seine Gäste noch einen harmonischen Eindruck. Stunden später war die 37-Jährige tot. Sie stand am Bügelbrett, als ihr Lebensgefährte (31) ihr mitten ins Herz stach.

Wegen Totschlags verhängte das Schwurgericht am Dienstag eine Gefängnisstrafe von neun Jahren und sechs Monaten – sechs Monate mehr, als Staatsanwältin Stefanie Rößler zuvor beantragt hatte. Kurz vor ihrem Tod, davon zeigte sich das Gericht überzeugt, hatte die 37-Jährige ihrem Freund eröffnet, dass sie sich trennen wolle.

Angeklagter schlief neben der toten Freundin ein

Was kurz nach den tödlichen Stichen in der gemeinsamen Wohnung in der westlichen Innenstadt geschah, hört sich gruselig an. „Der Angeklagte brachte es dann fertig, sich zu seinem toten Opfer ins Bett zu legen und zu schlafen“, sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Meyer.

Als ein Verwandter am nächsten Morgen in die Wohnung kam und einen Blick durch die geöffnete Schlafzimmertür warf, dachte er, die Frau schlafe an diesem Morgen eben ein wenig länger. Als eine weitere Angehörige anrief und den Angeklagte fragte, wie es denn der Freundin so gehe, antwortete der mit dem Satz: „Die ist schon kalt.“ Daraufhin kam die Polizei und nahm den Mann fest.

„Es gab keine tatauslösende Beleidigung“

So harmonisch die Beziehung erst war – die Kluft zwischen dem 31-jährigen Arbeiter und der sechs Jahre älteren Möbelverkäuferin wurde immer größer. Bekannte des Paares erzählten im Prozess, die fleißige und tatkräftige Frau, die nebenbei noch Putzen ging, habe an ihren Freund höhere Erwartungen gehabt, er habe ihren Anforderungen nicht mehr genügt.

Der einfache Arbeiter sollte mehr aus seinem Leben machen, sich zum Beispiel eine besser bezahlte Tätigkeit suchen. Doch die Version des Mannes, das Opfer habe ihn schon lange getriezt und mit ihren Vorwürfen zermürbt, treffe nicht zu, stellte der Vorsitzende Richter Meyer klar. „Es gab auch keine tatauslösende Beleidigungen oder Entwürdigungen vor anderen, davon hat uns kein Zeuge etwas gesagt.“

Das Messer gereinigt und zurück in den Messerblock gesteckt

Zwar wurde die Alkoholisierung des Angeklagten strafmildernd gewertet, eine „Affekttat“ liege jedoch nicht vor: So sei der Mann bei dem tödlichen Stich keineswegs „tiefgreifend erschüttert“ gewesen – er hat das blutige Messer nach der Tat noch abgewaschen und es wieder in den Messerblock gesteckt.

Kathrin Melliwa



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