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Wo 1909 der BVB gegründet wurde, gibt es heute Hähnchen

14.01.2013 | 18:07 Uhr
Wo 1909 der BVB gegründet wurde, gibt es heute Hähnchen
Dort, wo im Jahre 1909 Borussia Dortmund gegründet wurde, betreibt Georg Sas seit zehn Jahren die Pommes-Bude „Rot-Weiß“.Foto: Kai Kitschenberg

Essen.   Eine Reise zu den ungewöhnlichen Orten des Fußballs im Revier. Wir waren an der Gelsenkirchener Olgastraße, an der Mesut Özil einst kickte. Und in der Pommesbude „Rot-Weiß“, wo damals ein paar junge Männer den BVB gründeten.

Die Bundesliga liegt noch im Winterschlaf, der Fußball nicht. Denn auch ohne Besuch im Stadion gibt es im Revier jede Menge Orte zu entdecken, an denen Fan-Herzen höher schlagen. Eine Rundreise.

Der Affenkäfig

Es ist kalt, auf der hellen Asche des Spielfeldes haben sich Pfützen gesammelt. Stellt man sich in eins der beiden kleinen Tore, sieht man auf Fenster der Mietshäuser an der Gelsenkirchener Olgastraße. Es ist der Affenkäfig, einer der mit Eisendraht eingezäunten Fußballplätze, von Mesut Özil. Als Özil zur Schule ging, verbrachte er an dieser Stelle seine Nachmittage mit seinen Freunden. Der winzige Platz war für Özil das Fenster der zur Welt. Heute ist er Nationalspieler und einer der Stars von Real Madrid.

Der Trainingsplatz (Affenkäfig) von Mesut Özil an der Bornstraße in Gelsenkirchen Bulmke. Foto: Kai Kitschenberg/WAZFotoPool

Das Fenster zur Welt hat an diesem Wintertag irgendjemand zugeschlagen. Der Platz ist leer, niemand spielt. Über dem Eingang hängt ein Schild: „Personen über 14 Jahren ist es nicht gestattet, den Bolzplatz zu benutzen. Der Oberbürgermeister“. Ein Mann kommt vorbei, seinen Namen will er nicht nennen. „Ich wohne da drüben“, sagt er. „Den Mesut habe ich immer da spielen sehen.“ Ob es stimmt? Es ist egal, den Mythos des Affenkäfigs kann sowieso nichts mehr ankratzen.

Das Gründer-Restaurant

Georg Sas hat die Nacht durchgearbeitet, er schläft noch. Aber es dauert nicht lange, bis er auftaucht: Er ist der Chef in der Frittenbude „Pommes Rot-Weiß“. Eigentlich nichts besonderes, doch diese Pommesbude ist besonders. Sie liegt in der Dortmunder Nordstadt und war früher das Restaurant „Zum Wildschütz“. Im Wildschütz hatten sich am 19. Dezember 1909 ein paar junge Männer getroffen. Eigentlich sollten sie an dem Tag in der Dreifaltigkeitskirche beim Gottesdienst sitzen, aber sie gingen in den Wildschütz, bestellten ein Bier und gründeten Borussia Dortmund. Hubert Dewald, der Kaplan der Gemeinde, wollte die Gründung verhindern, doch die Männer warfen ihn kurzerhand aus der Gaststätte. Der BVB entwickelte sich, der Wildschütz schloss, und vor zehn Jahren sah Georg Sas den Laden.

Liebe auf den ersten Blick, er nannte seine Bude „Pommes Rot-Weiß“. Nicht gerade eine neue Idee, aber was soll’s? Western werden auch seit 50 Jahren mit Pferden gedreht und müssen deshalb nicht grundsätzlich schlecht sein. Sas sagt: „Ich war schon als Kind BVB-Fan.“ Er hängte alte Fotos vom Wildschütz an die Wände neben gelb-schwarze Trikots. Passt! Es gibt auch ein Poster von Nuri Sahin. Sas hat es nie abgenommen. Es ist wieder aktuell, man muss eben manchmal nur warten. Die Currywurst schmeckt großartig.

Das Foto zeigt die Dorotheen Kampfbahn in Dinslaken Lohberg. Foto: Kai Kitschenberg

Die Kampfbahn

Die guten Zeiten sind vorbei. Der VfB Lohberg ist aufgestiegen mit dem Bergbau und abgestiegen mit dem Bergbau in Dinslaken. Anfang der 60er Jahre, als die Steinkohle in Deutschland mitbestimmte, mischten die Jungs aus der Zechenkolonie auch auf dem Fußballplatz vorne mit. Es waren die Zeiten, als der Liter Benzin noch 50 Pfennig kostete und der Vorstopper zur Not auch mal eine Kiste Bier aus dem Strafraum köpfte.

Der VfB Lohberg machte sich einen Ruf als Pokalschreck und warf Schwarz-Weiß Essen, Hamborn 07, Bayer Leverkusen und Alemannia Aachen aus dem Wettbewerb. Erst die 3:4-Niederlage gegen Werder Bremen stoppte den VfB und verhinderte den Einzug ins Pokal-Viertelfinale. Fritz Walter, der Kapitän der WM-Mannschaft von 1954 schickte dem VfB anerkennende Glückwünsche. Der Bergbau in Dinslaken starb, und die Mannschaft verschwand schließlich in der Kreisliga A. Doch die Dorotheenkampfbahn bleibt ein Liebhaberstück. Als Kulisse tauchte sie sogar im Kinofilm „Das Wunder von Bern“ auf. Am Eingang zur Sitztribüne baumelt ein Schild: „Tribüne, ein Euro“. Die Preise sind immer noch wie früher.

Unter der Tribüne hat sich die Vereinskneipe versteckt. Sie öffnet nur noch an Spieltagen und Donnerstag, Freitag und Samstag ab 18 Uhr. Die Schnäpse auf der Karte heißen „Holla“ und „Waldi“. Sie kosten 1,20 Euro und helfen beim Erinnern an die guten Zeiten.

Das Grab von Stan Libuda auf dem Ostfriedhof von Gelsenkirchen Wanne. Foto: Kai kitschenberg/WAZFotoPool

Der Friedhof

Es regnet, und der Friedhofsgärtner hilft weiter. „Was suchen Sie? Das Grab von Stan Libuda?“ Er öffnet die Beifahrertür seines Lieferwagens. „Steigen Sie ein, ich fahre Sie eben hin.“ Es ist nicht weit vom Eingang, aber in der Dämmerung wäre das Grab des Dribbelkönigs und WM-Teilnehmers von 1970 nur schwer zu finden. Kein Prunk, kein Pomp, ein Reihengrab. Statt eines Fußballs hat der Steinmetz die Betenden Hände von Dürer in den Grabstein montiert.

Reinhard Libuda, dem sie nach dem englischen Stürmerstar Stanley Matthews den Spitznamen „Stan“ verpasst hatten, war schon zu Lebzeiten nicht zuletzt durch seinen Zusammenhang mit Gott bekannt geworden. Auf einem Werbeplakat stand in den 70er Jahren zu lesen: „An Gott kommt niemand vorbei.“ Fans hatten das Plakat ergänzt: „Außer Stan Libuda“.

Ralf Birkhan

Kommentare
16.01.2013
20:45
Wo 1909 der BVB gegründet wurde, gibt es heute Hähnchen
von KeesJaratz | #7

Das freut die Autoren von "111 Fussballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss", dass Ralf Birkhan unser Buch als Ausflugsratgeber genutzt....
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Wo 1909 der BVB gegründet wurde, gibt es heute Hähnchen
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http://www.derwesten.de/nrz/staedte/dortmund/der-affenkaefig-und-der-bvb-georg-id7482322.html
2013-01-14 18:07
Dortmund