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BVB soll Nazis als Ordner beschäftigen

12.12.2012 | 20:01 Uhr
BVB soll Nazis als Ordner beschäftigen

Dortmund.   Borussia Dortmund wird vorgeworfen, dass unter den Stadion-Ordnern auch Rechtsradikale seien. Ein Ordner soll beim jüngsten Revierderby einen Schalke-Fan zusammengeschlagen und danach sogar noch angezeigt haben. Der BVB erklärt, davon nichts zu wissen. Der Ordner bestreitet die Vorwürfe.

Borussia Dortmund wird mit dem Vorwurf konfrontiert, dass unter den 780 Ordnern im Stadion auch Rechtsradikale und Hooligans seien, die ihre Stellung ausnutzten, um gegnerische Fans straflos zu misshandeln. Der BVB erklärt, davon nichts zu wissen. Sollten sich die Vorwürfe aber als wahr herausstellen, würden die Ordner sofort „aus der BVB-Familie“ verbannt.

Konkret warf "Spiegel-Online" dem Deutschen Meister vor, ein Mitglied der als gewalttätig und rechtsradikal bekannten Gruppierung „Northside“ als Ordner zu beschäftigen. Dieser soll beim jüngsten Revierderby einem ebenfalls einer gewaltbereiten Szene zuzuordnenden Schalke-Fan grundlos zusammengeschlagen und danach sogar noch angezeigt haben. Der Ordner selbst bestreitet die Vorwürfe gegenüber dem Verein vehement.

Nicht der erste Vorwurf

Allerdings ist es nicht das erste Mal, dass im Zusammenhang mit BVB-Ordnern der Name „Northside“ fällt. 2010 berichtete die Neue Zürcher Zeitung, dass die Hooligan-Gruppe von einem Kampfsportler trainiert werde, der auch als Ordner im Stadion arbeite. Bei Massenschlägereien, bei denen die Northside-Schläger die Oberhand behalten, brüllen sie anschließend „Sieg Heil“ und zeigen den Hitlergruß.

Kommentar
Mehr als nur einen Blick

Fußball schweißt zusammen. Dennoch darf sich keiner mit Nazis gleich machen. Fans sind hier gefragt, die Verantwortung des Vereins ist jedoch größer. Gut, dass BVB-Boss Hans Joachim Watzke da jetzt genauer hinschauen will. Ein Kommentar.

Der BVB will die Vorwürfe klären und verweist auf die Unschuldsvermutung, da derzeit die Aussage des verprügelten Schalkers gegen die des fraglichen Ordners stünden. Allerdings veröffentlichte „Spiegel Online“ Bilder von der inzwischen gesperrten Facebook-Seite des Ordners. Auf dieser Seite des Netzwerks hatte er als Arbeitgeber „Borussia“ angegeben und „Northside“ als Ausbildung. Zudem wurde auf einem Foto einem Dortmunder Spieler der Name „Hitler“ aufs Trikot montiert – vor ihm steht ein Schiedsrichter mit gerecktem Arm, um einen Freistoß anzuzeigen.

Der BVB hat nach eigener Darstellung sofort nach der Anfrage von Spiegel Online am 6. Dezember darum gebeten, die fraglichen Abbildungen vom Facebook-Profil des Ordners sowie alle weiteren Erkenntnisse zu erhalten, habe diese aber erst gestern mit der Veröffentlichung zu Gesicht bekommen. Der Verein verweist darauf, dass es ihm unmöglich sei, die Facebook-Profile all seiner 780 Ordner ständig auf deren Inhalt hin zu überprüfen.

Northside und Desperados

Der BVB ist seit einiger Zeit wegen rechtsradikaler Unterwanderung der Fanszene im Gespräch. Vor allem die Northside und die mit ihnen verbandelte Ultra-Gruppe „Desperados“ stehen im Fokus. Für eine breitere Öffentlichkeit wurde dies offensichtlich, als Sympathie-Plakate für den verbotenen Nationalen Widerstand Dortmund im Stadion hochgehalten wurden. Dank modernster Videotechnik wurden die Männer, die das Plakat ins Stadion mitbrachten, identifiziert, angezeigt und mit Stadionverbot belegt.

Polizei weiß von einzelnen Nazis

Nach Informationen der WR ist im Kreis der Ordner aber nicht unbekannt, dass es vereinzelte unter ihnen gibt, die mit dem rechten Rand sympathisieren. Allerdings, auch dies ist zu hören, wüssten die Offiziellen nicht davon. Vor die Blocks mit den Gäste-Fans, wo es besonders zur Sache geht, werde eine sogenannte „SEK-Combo“ gestellt – besonders robuste Kaliber. Zu dieser soll der Ordner gehören, gegen den die Vorwürfe laut wurden.

Ein szenekundiger Polizist sagte der WR, dass es Nazis im Ordnungsdienst genauso gebe wie auch auf der Südtribüne. Beim BVB sei die Lage jedoch nicht schlimmer als bei anderen Vereinen, auch würde der Hintergrund einiger Ordner von der Polizei durchleuchtet.

Im jüngsten Bericht der Stadt Dortmund über rechtsextreme Ströme in der Stadt steht der BVB gut da. Die Zahl der Neonazis sei im Verhältnis zu allen Stadionbesuchern gering. Rolf-Arnd Marewski vom Fanprojekt Dortmund schätzt, dass sich 60 Rechte unter die 25 000 Besucher der Südtribüne mischen – das wäre ca. ein Viertel Prozent.

Watzke will prüfen lassen

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke will jedoch trotzdem schnell auf die Vorwürfe reagieren. Am Mittwoch sagte er: „Ich habe für den kommenden Montag eine Sitzung einberufen, in der wir die erhobenen Vorwürfe akribisch besprechen werden. Schon jetzt darf ich Ihnen versichern: Borussia Dortmund wird seine Ordner einer noch intensiveren Überprüfung hinsichtlich möglicher extremistischer Verfehlungen sowie anderer Straftaten unterziehen.“

Christoph Bauer, Nils Hotze und Thorsten Schabelon



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