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Arrivederci

01.08.2007 | 21:43 Uhr

Wie seit 44 Jahren kehrt Antonio Gei bald in seine italienische Heimat zurück. Doch diesmal ist es für immer:Seine Eisdiele am Biesenkamp hat der 73-Jährige verkauft. Tochter Alessandra begleitet ihren Vater

Ursprünglich wollte er "nur vier, fünf Jahre" bleiben. Es wurden fast 45. Nun nimmt Antonio Gei Abschied. In dieser Woche hat er seine Eisdiele verkauft; im Herbst kehrt er in seine italienische Heimat zurück. Diesmal für immer.

Gei: Das Eiscafé mit Außenterrasse am Biesenkamp gehört zum Inventar der Altstadt. Ebenso sein Inhaber, der Generationen von Leckermäulern mit Vanille, Mokka oder Zitrone verwöhnt hat.

Wie viele seiner Landsleute kommt Antonio Gei in den Goldenen 50ern ins Wirtschaftswunderland Deutschland, um in der Eisbranche sein Glück zu finden. Zunächst in Peine, danach in Essen ist er als Angestellter tätig. 1963 macht er sich in Castrop selbstständig und übernimmt die Eisdiele "de Lorenzo".

Fortan führt Antonio Gei ein "Doppelleben". Wenn's im Oktober kühl wird, zieht es ihn in seinen 4 000-Seelen-Heimatort Pieve di Cadore in den Dolomiten; die Eisdiele wird geschlossen. Im März, wenn die ersten Sonnenstrahlen unsere Breitengrade erwärmen, geht's retour. "In Italien lebt meine Familie, in Castrop habe ich meinen Laden und viele Freunde. Der Wechsel gehört zu unserem Leben", sagt Antonio Gei. Hier wie dort an seiner Seite: Tochter Alessandra. Seit 22 Jahren unterstützt die Eiskonditorin ihren Vater.

In ihrer Wohnung direkt neben der Eisdiele sitzen Vater und Tochter auf gepackten Koffern und Kisten. Das Gei-Eis ("Alles aus eigener Herstellung!") ist nach exakt 44 Jahren und sechs Monaten Geschichte. "Schon im vergangenen Jahr habe ich gemerkt: Ich schaffe es nicht mehr. Und bevor ich krank werde, höre ich lieber auf", sagt der 73-Jährige und wirkt dabei kühl wie seine Hausmacher-Leckereien, die er bis zuletzt mit großem Appetit täglich selbst auf der Zunge zergehen ließ. Doch im Innern brodelt's. "Es war eine gute Zeit in Deutschland, vor allem in den 60ern und 70ern. Aber die Bürokratie hat zugenommen. Und: Alles wurde teurer." Antonio Gei stellt eine verblüffende Rechnung auf: "Als ich anfing, kostete eine Kugel 10 Pfennig. Heute sind es 60 Cent. Aber glauben Sie mir: An den 10 Pfennig hab' ich damals mehr verdient . . ."

Der Verkauf seiner Eisdiele (der neue Inhaber will am 6. August eröffnen) soll Antonio Gei einen sorglosen Ruhestand garantieren. In Pieve di Cadora will er sich nun das ganze Jahre über um seine Verwandten kümmern. Alessandra begleitet ihren Vater. Berufliche Pläne hat sie noch nicht. Zunächst einmal ist sie "froh, endlich sesshaft zu werden. Noch ein, zwei Monate, dann geht's nach Hause, erstmals ohne Rückkehr im Frühjahr".

Castrop sagt Arrivederci.

Von Jürgen Stahl



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