Das aktuelle Wetter Bottrop 16°C
Kultur

Ein festivalreifes Recital

22.06.2010 | 17:00 Uhr
Ein festivalreifes Recital
Scheint alles zu können: Herbert Schuchs Interpretationen laufen ebenso virtuos wie natürlich ab.

Bottrop. Der ehemalige Kämmerling-Schüler Herbert Schuch zeigt Demut vor den Werken und den Komponisten. Deshalb leistet er sich keine eigensinnigen Extras, aber: Er macht jedes Programm zu einem besonderen.

Es sind die kleinen Dinge, die er auch bei seinem Recital im ausverkauften Kammermusiksaal anwendet und mit denen er sich vom Durchschnitt oder Mittelmaß weit nach oben hin absetzt. Das sind bei diesem neuen Programm mit den Schwerpunkten Robert Schumann und Franz Schubert: eine kühne Betonung oder ein plötzlicher Stopp, eine intelligente Verzögerung, eine heftige Steigerung oder ein furioser Tempowechsel. Bei Schuch, schon das fünfte Mal beim Klavierfestival Ruhr eingeladen, hat aber alles seinen Sinn, seine Berechtigung, seinen inneren Zusammenhang. Der Applaus wollte daher kaum enden, zumal er noch eine grandiose Zugabe lieferte - Carl Czernys Variationen über den so genannten „Sehnsuchtswalzer“, den auch schon Schumann und Schubert auf ihre Weise zitierten.

Sehnsucht artikulierten diese beiden Großen der europäischen Klaviermusik wie kaum andere Kollegen. Ob in den Walzervariationen mit diesem Titel, ob in Schuberts Valses sentimentales op. 50 D, ob in Schumanns vielschichtigen, erzählerischen Intermezzi op. 4, erst recht aber im bedeutenden Stücke-Kabinett „Carnaval“ op. 9 - kaum eine Hommage an die rheinisch-deftige „fünfte“ Narren-Jahreszeit. Wohl aber ein raffinierter und begnadeter Spiegel des venezianischen Karnevals und der Commedia dell’arte italienischer Maskeraden und Theatergesten. Gerade in dieser Serie von 21 Miniaturen erreicht Schumann einen seiner kompositorischen Höhepunkte - und Schuch, der 31-Jährige, schweift kundig durch die Täler und Gebirge dieser grandios hingeworfenen Klavierlandschaft.

Er scheint alles zu können und lässt technische Herausforderungen gar nicht erst aufkommen. Seine Interpretationen laufen ebenso virtuos wie natürlich ab. Doch das Uhrwerk strebt niemals bewusst nach Schema F. Schuch entdeckt fast in jeder Note dieses dichten Programms das Klang- und Hörabenteuer.

Einzige Abweichung von Schubert/Schumann: Carl Maria von Webers „Aufforderung zum Tanz“, ein Rondo brillant als ein richtig populäres Stück - es passt gut zur tänzerischen Stimmung des Abends. Schuch gerät in keinem Moment auf die Lass-krachen-Bahn, die manch einer seiner Kollegen bei diesem Bravour-Opus eingeschlagen hätte.

Wo Licht ist, ist auch Schatten. Und diffuse Zwischentöne gehören ebenfalls dazu. Und darin ist Herbert Schuch ein imponierender Gestalter.

Das Auditorium dankte ihm für ein festivalreifes Recital. Am Rande: Was macht der Solist eigentlich mit dem prächtigen Blumenstrauß, wo er doch gleich hinterher ins Hotel eilt und morgen schon wieder in einer anderen Stadt, auf einem anderen Podium auftritt?

Hans-Jörg Loskill



Kommentare
Aus dem Ressort
Regierungspräsident weist Linke-Vorwürfe gegen OB zurück
Bürgerentscheid
Weil der Oberbürgermeister von der Linken Änderungen an ihrer Stellungnahme zum Bürgerentscheid Schwarze Heide gefordert hatten, haben die ihm Zensur vorgeworfen und Dienstaufsichtsbeschwerde bei der Bezirksregierung Münster eingereicht. Dort bestätigt man das Handeln des OB.
Plan für Sparkassen-Campus erhält viel Lob
Stadtplanung
Die meisten Parteien im Rat sehen die Bewerbung um die neue Weiterbildungsstätte der 105 Geldhäuserals Chance für die Entwicklung der Innenstadt. Auch ein neues Hotel mit 100 Betten und einen neuen Rathaus-Trakt sieht der Bauherr vor.
Der schiefe Malakoffturm von Prosper-Haniel
Bergbau
Die Ehrengarde bietet regelmäßig Führungen auf dem Zechengelände und im Turminnern an. Rainer Schwegmann erklärt den Besuchern dabei unter anderem, dass der obere Teil des Turms abgeknickt ist, „um ganze 80 cm.
Gefragte Hilfe für Schwerstkranke
Soziales
Ärzte, Krankenschwestern, Apotheker gründeten vor einem Jahr das Palliativnetzwerk in Bottrop, damit todkranke Menschen bis zuletzt zu Hause bleiben können. Die Nachfrage sei überraschend stark, sagt Dr. Rolf Eichner, Gründungsmitglied und Vorsitzender.
Bauministerin weiht Zukunftshaus in Bottrop ein
Innovation City
Am Ostring hat das Wohnungsunternehmen Vivawest ein Mehrfamilienhaus aus den 60er-Jahren zum Plus-Energie-Haus umgebaut. Bundesbauministerin Barbara Hendricks hat sich das Innovation-City-Projekt angeschaut. Ihr Lob: In Bottrop entstünden Modelle für andere Städte.
Umfrage
Wie halten Sie es mit dem Einkaufen?  Ist der örtliche Handel ihre Zieladresse, sind es die Zentren in Randlage oder kaufen Sie im Internet?

Wie halten Sie es mit dem Einkaufen?  Ist der örtliche Handel ihre Zieladresse, sind es die Zentren in Randlage oder kaufen Sie im Internet?

 
Fotos und Videos
BSV Andreas Hofer
Bildgalerie
Vogelschießen
Stenkhoffbad
Bildgalerie
Beachparty
Das Revier bewirbt sich um die Akademie
Bildgalerie
Sparkassen-Akademie