Das aktuelle Wetter Bochum 13°C
Einsturzgefahr

Bergbau-Ära hinterlässt gefährliche Spuren

20.07.2012 | 09:00 Uhr
Bergbau-Ära hinterlässt gefährliche Spuren
(v.l.) Elektriker Michael Ribnikar, Steiger Peter Brouka, Bergmann Josef Sowa, Maschinentechniker Mustafa Ekici und Bergmann Eugen Schrimpf im freigeräumten Schacht Pfingstblume. Foto: Ingo Schmidt

Stiepel.  Nahe der ehemaligen Zeche Pfingstblume an der Brockhauser Straße muss ein Stollen verfüllt werden, sonst droht Einsturzgefahr. Kein leichter Job für die Arbeiter, die hier auf engstem Raum schuften

Vorsicht vor den alten Schächten! Im Ruhrgebiet werden zurzeit sogenannte „Risikoschächte“ verfüllt. Das sind ehemalige Bergwerksschächte, die schon lange stillgelegt sind und inzwischen als einsturzgefährdet eingestuft sind. Die Landesregierung hat den Etat für diese Arbeiten um zwei auf neun Millionen Euro erhöht. Ein alter Bergwerksstollen wird aktuell in Bochum-Stiepel gegen Bergschäden gesichert. Denn die Baustelle an der Brockhauser Straße hat es im wahrsten Sinne in sich.

Ausgerechnet am Totensonntag des Jahres 2010 machten Spaziergänger auf dem Basar an der Dorfkirche den Vorsitzenden des Stiepeler Vereins für Heimatforschung, Wilhelm Hensing, darauf aufmerksam, dass auf dem Gelände des Vereinsheims an der alten Zeche Pfingstblume Tagesbrüche gefallen seien. Eine nähere Untersuchung ergab, dass drei Löcher, die auf den oberflächennahen Bergbau unter diesem Gebiet zurückzuführen waren, schnell verfüllt werden sollten.

Die Ruhrkohle AG, als Rechtsnachfolgerin der ehemaligen Besitzer der Grube, übernahm die Planung der Absicherung. Da an dem Stollenmundloch Grubenwasser austritt, war es nicht möglich, den Stollen einfach zu verfüllen. Vielmehr musste eine aufwändige Ertüchtigung des Förder- und Erbstollens der Steinkohlenzeche „Vereinigte Pfingstblume“ in Angriff genommen werden.

Mühsame Handarbeit

Seit November letzten Jahres arbeiten die Bergleute des „RAG Service Untertage“ daran, den Stollen leer zu räumen und ihn nach dem Verfahren des Deutschen Türstocks abzusichern. In mühsamer Handarbeit sind eimerweise annähernd 100 Kubikmeter Geröll und Erdmassen aus dem Stollen geschafft worden, bevor mit dem Absichern begonnen werden konnte. Im hinteren Teil des 45 Meter langen Ganges sind 55 Deutsche Türstockausbauten zum Sichern gegen nachbrechendes Gebirge eingebaut worden. Dieser Gang ist so schmal, dass gerade mal ein Mensch in stark gebeugter Haltung hindurch passt.

„Wir haben hier unter besonders erschwerten Bedingungen gearbeitet“, meint Steiger Peter Brouka, der die Aufsicht bei dieser Maßnahme hat. „Wegen der Enge war ein Einsatz von Maschinen nicht möglich. Man konnte sich kaum umdrehen. Dazu kamen noch Nässe und Kälte.“

Stollenmund durch Gittertür versperrt

Die Arbeiten stehen nun kurz vor ihrem Ende. Der Bagger schaufelt den Mutterboden über dem Stollen weg, damit zur weiteren Sicherung des Geländes dort Granulat eingeblasen wird. Darüber kommt dann wieder der Mutterboden, und der Rasen wird eingesät. Danach kann die Baustelle abgebaut werden.

Aufmerksame Beobachter der Arbeiten waren die Mitglieder des Stiepeler Vereins für Heimatforschung, unter ihnen besonders ihr Vorsitzender Wilhelm Hensing, der von den Bergleuten wohl wegen seiner häufigen Anwesenheit scherzhaft „unser Bergwerksdirektor“ genannt wird. Weil der Verein seine Unterkunft im ehemaligen Betriebsgebäude der Zeche „Vereinigte Pfingstblume“ hat, ist er mit der Geschichte der Zeche sehr vertraut.

Der Stollenmund wird auch in Zukunft durch eine Gittertür versperrt, allerdings wird das Innere des langen Ganges zu beleuchten sein. Der Schalter dazu befindet sich im Vereinsheim.

Wilhelm Hensing ist über alles, was auf der Baustelle passiert, bestens informiert: „Das war der beste Anschauungsunterricht über Bergbautechnik, den ich mir vorstellen kann“, meint er.

Dr. Ingo Franke vom Arbeitskreis Umweltschutz sieht in diesem Stollen eine Möglichkeit, dass Fledermäuse dort ihren Unterschlupf finden. Dafür hat er im hinteren Teil des Stollens Heraklit-Platten aufgestellt, die das Ansiedeln erleichtern sollen.

Klaus Thormählen


Kommentare
23.07.2012
09:31
Bergbau-Ära hinterlässt gefährliche Spuren
von coramos | #1

Ob die Fledermäuse sich über einen beleuchteten Unterschlupf freuen werden, mag ich zu bezweifeln ;)

1 Antwort
Bergbau-Ära hinterlässt gefährliche Spuren
von Hugh | #1-1

Solange keiner den Einschaltknopf/Lichtschalter betätigt, gibt es keinen Grund zu zweifeln. ;)

Aus dem Ressort
Studienzeit schweißt sie zusammen
Klassentreffen
Von seiner Dynamik hat Ulrich Przybyla auch mit 70 Jahren nichts verloren. „Er hat immer alle Fäden in der Hand gehalten“, sagen seine alten Studienkollegen noch heute über den drahtigen Wiemelhausener. Vielleicht ist es dieser Schwung, der den Ingenieur endlich ans Ziel gebracht hat: Erstmals...
Doris Erdmann nimmt Abschied vom Bezirk
Politik
Doris Erdmann tritt ab von der politischen Bühne des Bochumer Südwestens. Nach fast 25 Jahren kandidiert die 67-Jährige gelernte Buchhalterin nicht mehr für die Bezirksvertretung und legt damit auch das Amt als Bezirksbürgermeisterin nieder. Im Gespräch mit der WAZ zieht sie eine Bilanz.
Tore schießen für die Schul-Ehre
Grundschulen
16 Teams aus ganz Bochum spielen beim Fußball-Turnier der Matthias-Claudius-Schule um den Titel „Beste Grundschule“. 160 Kinder gehen dabei auf Torejagd; unterstützt von 200 Zuschauern. Am Ende siegt die Maischützenschule aus Harpen, die im Finale die Sonnenschule aus Weitmar knapp besiegt
Kids fiebern dem Bau ihrer neuen Kita entgegen
Kindergarten
Neuer Kindergarten an der Dr.-C.-Otto-Straße in Dahlhausen entsteht dort, wo bis vor kurzem noch das alte Amtshaus stand – direkt neben der Seniorenwohnanlage. Die VBW baut und vermietet das Gebäude. Zwölf weitere U3-Plätze entstehen. Und natürlich ganz viel Platz zum Spielen
Parklawine überrollt Wohnquartier in Bochum-Querenburg
Bezirksvertretung Süd
Das Lennershofquartier im Schatten der Ruhr-Universität leidet unter einer Blechlawine. Die Lennershofstraße und ihre kleinen Nebenstraßen sind tagsüber völlig zugeparkt. Außerdem wird die an sich ruhige Wohnsiedlung vom Schwerlastverkehr malträtiert. Gestern beschloss die Bezirksvertretung Süd auf...
Umfrage
Wie gefällt Ihnen der Internetauftritt der Stadt Bochum ?

Wie gefällt Ihnen der Internetauftritt der Stadt Bochum ?

 
Fotos und Videos
Altenbochumer Vereine feiern
Bildgalerie
Stadtteilfest
Prunksitzung im Pater-Romanus-Stift
Bildgalerie
Fotostrecke
Lkw kippt auf A42 um
Bildgalerie
Unfall
Blindgänger in Essen-Karnap
Bildgalerie
Bombenentschärfung