Das aktuelle Wetter Bochum 13°C
Opel-Krise

Mehr als 2000 Opelaner legen Produktion zeitweise still

14.12.2012 | 19:26 Uhr
Mehr als 2000 Opelaner legen Produktion zeitweise still
Hunderte Opelaner legten am Freitag kurzzeitig die Arbeit nieder, um Neues von BR-Chef Einenkel zu hören.Foto:INGO OTTO

Bochum.   Mehr als 2000 Opelaner aus mehreren Schichten legten am Freitag am Tor 4 jeweils kurzzeitig die Arbeit nieder, um sich bei Betriebsratschef Rainer Einenkel über den Stand der Verhandlungen zu informieren. „Ihr kriegt uns nicht aus diesem Werk!“, rief er an die Adresse der GM-Manager.

„Ihr kriegt uns nicht weg aus diesem Werk!“, rief Opel-Betriebsrat Rainer Einenkel am Freitag den GM-Managern am Werkstor 4 zu. Diese waren zwar gar nicht da, dafür aber viele hundert Opelaner, die die Produktion während der Arbeitszeit verlassen hatten, um sich über den Stand der Verhandlungen zu informieren.

Geschätzt 1700 Opelaner der Früh- und Normalschicht kamen gegen 10.30 Uhr in die Halle an der Wittener Straße, um Einenkel zuzuhören. Mit Bussen fuhren sie aus den Werken 2 und 3 zum Werk 1, darunter auch die Kollegen aus der Getriebefertigung, des Logistikzentrums und auch Auszubildende. Weitere viele hundert Opelaner erschienen auch zu Beginn der Mittagsschicht um 14 Uhr am Tor 4. In dicke Jacken gehüllt, einige aber auch nur mit ihrem Arbeitsoverall bekleidet standen sie bei kaltem Wind und vereinzelt mit einer IG Metall-Fahne in der Hand um einen Kleinlaster herum, auf dessen Ladefläche Einenkel eine scharfe Rede führte.

„Wir haben Zeit gewonnen!“

„Ihr habt das Recht hierherzukommen“, rief er ins Mikrofon. Er teilte mit, man habe am Mittwoch in der Einigungsstelle in Rüsselsheim erreicht, dass die Gespräche über die Ende 2013 beabsichtigte Schließung der Getriebeproduktion im Werk 2 jetzt „unverzüglich ruhend gestellt“ werden. Der BR-Chef weiß, dass damit noch nichts gewonnen ist im Streiten um das Werk 2. Aber ihm ist jetzt erst einmal wichtig: „Wir haben uns durchgesetzt. Wir haben Zeit gewonnen!“ Applaus brandete auf. Am 8. Januar stehen die nächsten Verhandlungen mit der Unternehmensleitung an.

Mangels weiterer großer Neuigkeiten in der Sache gestaltete Eineinkel seine Rede als massive Demonstration von Entschlossenheit. „Wir werden keine faulen Kompromisse machen“, versprach er. Etwa nach dem Motto: „Viel Komponentenproduktion – und den Rest geben wir ab.“ Er stellte klar: „In diesem Werk müssen Fahrzeuge gebaut werden über 2016 hinaus!“ GM betreibe „eine Katastrophen- und Harakiri-Politik“ für tausende Arbeitsplätze. „Der Zafira gehört zu uns in Bochum, nicht in ein anderes Werk!“

„Wer uns weh tut, dem müssen wir weh tun“

Weitere Redner aus der Opel-Belegschaft kündigten ebenfalls zähen Widerstand gegen die Schließungspläne an. Einer sagte: „Wer uns weh tut, dem müssen wir weh tun.“ Außerdem: „Ich wünsche euch geile Weihnachten. Und feiert Silvester, wie Ihr noch nie gefeiert habt!“ Ein weiterer Redner: „Wir sind das Ruhrgebiet. Und wir wissen, wie wir kämpfen müssen.“

Am Abend zu Beginn der Spätschicht sollte die Informationsveranstaltung zum dritten Mal an diesem Tag am Tor 4 stattfinden.

Bernd Kiesewetter



Kommentare
Aus dem Ressort
Fußgänger in Bochum von Auto erfasst - Krankenhaus
Unfall
Ein 49-jähriger Fußgänger ist im Bochumer Stadtteil Weitmar von einem Auto erfasst und zu Boden geschleudert worden. Der Mann wurde dabei schwer verletzt und kam mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus. Der 49-Jährige war vor dem Unfall an wartenden Autos vorbei gelaufen.
Bochumer Künstler Zarko Radic zu Gast in Berlin
Kunst
Kofferpacken ist für den Maler Zarko Radic angesagt. Aber es gehen nicht nur Jackett, Hosen & Schuhe auf die Reise, sondern – das vor allem – seine Bilder. Denn am Samstag 4. Oktober steht bereits die Ausstellungseröffnung an: in der Berliner „Galerie Kunst am Gendarmenmarkt“.
Bochumer Motorradfahrer bei Unfall auf A 40 schwer verletzt
Stauende
Ein 64-jähriger Bochumer hat auf seinem Motorrad auf der A 40 in Höhe Dortmund ein Stauende zu spät gesehen. Beim Bremsversuch stürzte er, rutschte rund 100 Meter über die Fahrbahn, prallte in einen BMW und wurde über die Böschung geschleudert. Das Kennzeichen an seiner Maschine war gefälscht.
Aufklärungsquote bei Taschendiebstahl verschwindend gering
Aktionswoche
Die Fallzahlen für Taschendiebstähle liegen in Bochum wie im Land NRW auf einem hohen Niveau. Etwa 1000 Taten gibt es jährlich in der Stadt. Umso geringer ist seit Jahren die Aufklärungsquote. Die Polizei reagiert mit einer Aktionswoche: „Augen auf und Tasche zu! Langfinger sind immer unterwegs.“
Richter dreht in Bochum „Grabowski - alles für die Familie“
Crowdfunding
Bochum wird Haupt-Drehort für „Grabowski - alles für die Familie“, das neue Leinwand-Projekt von Ruhrpott-Ikone Ralf Richter. Der Film steht in der Tradition des Kult-Klassikers „Bang Boom Bang“. Richter verspricht den Fans einen „Knaller“. Finanziert werden soll das Projekt auch über Crowdfunding.
Umfrage
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) begrüßt grundsätzlich den Radschnellweg, der ab 2020 von Essen aus durch Bochum nach Dortmund führen soll, kritisiert aber die Streckenführung. Was halten Sie davon?

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) begrüßt grundsätzlich den Radschnellweg, der ab 2020 von Essen aus durch Bochum nach Dortmund führen soll, kritisiert aber die Streckenführung. Was halten Sie davon?

 
Fotos und Videos