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Der Barbier von Linden

25.05.2012 | 17:32 Uhr
Der Barbier von Linden
So mögen die Lindener ihren Barbier: Fritz Jansen verpasst Pastor Eberhard Schwarzkopp (82) den richtigen Schnitt. Foto: Frömgen

Mit ruhiger Hand und dem Herz am rechten Fleck ist Fritz Jansen im ganzen Stadtteil bekannt. Am Sonntag, 27. Mai, feiert er seinen 90. Geburtstag

Wenn man in Linden und Dahlhausen den Namen von Fritz Jansen nennt, dann wissen die älteren Mitbürger sofort, wer gemeint ist. Am morgigen Sonntag feiert Jansen mit seiner Frau Maria und im Kreise von fünf Kindern und sechs Enkeln seinen 90. Geburtstag.

An seine lange Lindener Zeit kann er sich noch genau erinnern. 1923 kam er mit seinen Eltern aus dem Wattenscheider Westenfeld nach Linden. Da zogen schon in den Tagen seiner Kindheit die alten Lindener Barbiermeister – wie man sie früher nannte – seine besondere Aufmerksamkeit auf sich.

Oft saß er im Laden des alten Friseurmeisters Knepper auf der alten Königsstraße, der jetzigen Meile, und durfte zusehen, wie der mit Schere, Bartpinsel und dem scharfen Rasiermesser die besonderen Wünsche fast aller Lindener Geschäftsleute erfüllte.

Für Fritz Jansen stand fest: Den Beruf erlernst du auch! Und das natürlich bei Meister Knepper, wo er nach seiner Lehre viele Jahre tätig war. „In der Lehrzeit lernte ich nicht nur den Umgang mit der Schere und dem Messer, sondern auch, wie man sich auf jeden Kunden einstellt“, erzählt er. „Auch auf Gespräche musste ich mich einstellen. Das war nicht immer ganz einfach, denn man durfte ja die Konzentration nicht verlieren. Auch wenn die Ohren offen waren, musste die Hand ruhig bleiben. Die Sicherheit mit dem Messer in der Hand ging über alles.“

Siegel der Verschwiegenheit

Fritz Jansen hat besonders die Bedeutung der ruhigen Hand in seinem Beruf kennen gelernt: „Denn je nach Temperament ging der Kopf des Kunden auch schon mal in eine Richtung, die man nicht voraus sehen konnte.“ Der Jubilar nennt sich mit Stolz auch heute noch einen „Handwerker der alten Schule“. Denn auch die Haarschneidemaschine wurde erst später elektrisch betrieben. Die ruhige Hand, das wache Auge und das helle Ohr waren für die Umsetzung der besonderen Kundenwünsche unersetzlich.

In den langen Jahren seiner Tätigkeit erfuhr er viele Dinge aus dem Ortsteil: geschäftlich oder familiär. Aber natürlich alles unter dem Siegel der Verschwiegenheit. Viele seiner Kunden hatten im Ortsteil Rang und Namen. Es waren die Einzelhändler, die Rechtsanwälte, die Pastöre und auch die Doktoren. In der Nachkriegszeit, als das Geld immer mehr an Wert verlor, konnte er sich auch hin und wieder auf Naturalien mit seinen Kunden verständigen. Und nach Feierabend war er seiner Frau Maria immer eine große Hilfe. Denn sie hatte sich in der Liebfrauengemeinde besonders der Pflege des alten Pfarrzentrums angenommen.

Bis zu seiner Pensionierung war Fritz Jansen in den alten Salons der Hüttemanns und Michels der gefragte Barbier, der auch später seine alten Kunden zu Hause besuchte. Mit dem „modernen Kram“ , wie er es nennt, konnten sich Jansen nie anfreunden. Einige lassen noch heute das Telefon bei ihm klingeln.

Gisbert Frömgen



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