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Das Ende rückt nun näher

30.01.2012 | 16:24 Uhr
Das Ende rückt nun näher
Fenster auf der Orgelempore, Vierzehnheiligen Weitmar

Weitmar. Nachdem die nach dem Kirchenrecht in der Pfarrei St. Franziskus zuständigen Gremien ihre Zustimmung gegeben haben, wird der Bischof in Kürze im kirchlichen Amtsblatt veröffentlichen, dass er das Profanierungsdekrekt für die Kirche Vierzehnheiligen unterschrieben hat.

Das bedeutet, dass die Kirche als Bauwerk dann einen ganz gebräuchlichen „weltlichen Charakter“ hat und im Laufe des Jahres 2012 wohl mit dem Abriss begonnen wird, um die neue Planung auf dem Grundstück zu realisieren. „Das“, erklärt Pfarrer Norbert Humberg, „wird aber noch einige Zeit dauern, denn die Pläne liegen noch beim Bauordnungsamt der Stadt, denn es sind zwischen der Stadt und den Bauträgern immer noch einige Feinheiten zu besprechen.“

Humberg legt Wert auf die Feststellung, dass es auch keinen Kirchenabriss in einer Nacht- und Nebelaktion geben wird. Man werde den Termin den ehemaligen Gemeindemitgliedern von Vierzehnheiligen rechtzeitig mitteilen. „Wir werden vorher dann auch zu einem Treffen ins Gemeindezentrum St. Franziskus einladen und allen Interessenten die geplante Bebauung und Nutzung vorstellen, damit auch in diesem Punkt Klarheit besteht und keine Missverständnisse auftreten.“ Der Pfarrgemeinderat werde auch den bisher in Vierzehnheiligen tätigen Vereinen räumliche Angebote für ihre weitere Arbeit in der Pfarrei machen.

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Gläserne Erinnerungen

Eine „Freifallende Kunst“ wird es auch in Vierzehnheiligen nicht geben. Das gilt für die liturgische und künstlerische Ausstattung der Kirche. Auch die Fenster gehören dazu. Die kleineren werden im neuen Franz-Sales-Trakt eingebaut, die großen sind von der „Stiftung Forschungsstelle Glasmalerei“ in Mönchengladbach erfasst worden und liegen für alle „Weiteren Kirchen“ in einer Dokumentation dem Bistum vor. „Eine Zerstörung künstlerisch wertvoller Fenster wird es nicht geben“, stellt Dr. Herbert Fendrich fest. Auch die weiteren Teile der liturgischen Ausstattung werden eine sinnvolle Nutzung erfahren.

Laut Fendrich haben sich in Essen inzwischen mehrere Ordner mit Bittstellungen aus dem In- und Ausland - vornehmlich aus Polen - gefüllt, die dringend auf eine Orgel, einen Altar und einen Tabernakel warten.

Weitere Teile und Kunstwerke aus der Kirche sollen nach Gesprächen zwischen Pfarrgemeinderat und Mitgliedern der ehemaligen Gemeinde einen Platz in der Pfarrei finden, wo Orte der Erinnerung geschaffen oder neu inszeniert werden.

Eine Feststellung ist für Pfarrer Norbert Humberg allerdings jetzt schon wichtig: Eucharistie wird man in dem neuen Gebäudekomplex nicht mehr feiern können. Pastoralkonferenz, Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand von St. Franziskus sind nach wie vor bestrebt, die alte Gemeinde Vierzehnheiligen aktiv in das Leben der neuen Pfarrei mit einzubeziehen.

Kein Geringerer als der vom früheren Bischof Dr. Felix Genn für die weiteren Kirchen eingesetzte Beauftragte, Dr. Herbert Fendrich, will den Betroffenen noch einmal vermitteln, dass Kirchenschließungen und auch der Abriss im Falle von Vierzehnheiligen in der bestehenden Situation unvermeidlich sind. „Wir mussten rund 100 Kirchen aufgeben, damit wir 250 Kirchen erhalten können.“ Und bei sinkenden Einnahmen und noch geringer werdenden Gottesdienstbesuchen kann auch diese Zahl noch einmal zur Disposition stehen. „Und dann heißt es wieder: Was wird jetzt aus Sankt …….?“

Dialogprozess beginnt

Der Schrumpfungsprozess ist nicht aufzuhalten. Seit 2005 hat das Bistum weitere 75 000 Katholiken verloren. Spätestens 2020 wird sich die Zahl von 1 490 000 von 1962 halbiert haben. Fendrich: „Die Kinder, die vor 20 Jahren nicht geboren wurden, werden auch in zehn Jahren nicht Eltern.“ Demographie und Austritte lassen keine anderen Schlüsse zu. Wenn zur Zeit durchschnittlich noch 8 Prozent der Gemeindemitglieder sonntags den Gottesdienst in einer Kirche besuchen, die in den 50-er Jahren gebaut wurde, dann kann man selbst auf architektonische Besonderheiten keine Rücksicht nehmen. So formulierte es Herbert Fendrich sinngemäß vor einigen Wochen noch.

Der eingeleitet Dialogprozess „auf Augenhöhe“ soll den Trend stoppen. Zusammenhalt und neue Akzente für die Zukunft sind angesagt. Ehrenamtliche Laien sind bei wachsendem Preistermangel mehr gefragt denn je.

Gisbert Frömgen



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