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Lutherkirche

Zum Abschied fließt so manche Träne

19.06.2012 | 11:54 Uhr
Zum Abschied fließt so manche Träne
Ein bitterer Gang für die Gemeindemitglieder der Lutherkirche: Bibel, Taufkerze und Kreuz bringen sie ins Gemeindehaus an der Wittenbergstraße. Foto: Franken

Langendreer.   Schwerer Tag für die Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde: Nach fast 107 Jahren muss die Lutherkirche schließen. Doch so richtig voll war das Haus selbst zu dieser denkwürdigen Stunde nicht

Manche Träne floss heimlich, manche auf ganz offen. Und manches Naseputzen war lediglich Tarnung für feuchte Augen und tiefe Betroffenheit: Am Sonntag feierte die evangelische Kirchengemeinde Langendreer gemeinsam den letzten Gottesdienst in der auch an diesem Vormittag nicht voll besetzten Lutherkirche.

„Wir werden die Tür abschließen, durch die wir so oft gegangen sind“, sagte Pfarrerin Bärbel Vogtmann zur Begrüßung. Rund 300 Menschen mögen es gewesen sein, die noch einmal in das Gotteshaus kamen, um nach fast 107 Jahren Abschied von dieser vertrauten Stätte zu nehmen. Der Gottesdienst begann in der nun profanierten Kirche und fand seinen Abschluss im Gemeindehaus an der Wittenbergstraße, wo die Gottesdienste in Zukunft gefeiert werden.

Auf ihrem Weg nahmen Menschen aus der Gemeinde die Abendmahlgeräte, Taufschale, Leuchter, Osterkerze, das Altarkreuz und die Bibel mit an den neuen Ort. Die Pfarrer Bärbel und Thomas Vogtmann mussten die Last dieses Tages nicht allein tragen. „Die Kollegen“, so hatte die Pfarrerin schon vorher angekündigt, „tragen mit. Im wahrsten, aber auch im übertragenen Sinn des Wortes.“ Peter Mommer, Jörg-Martin Höner und Wilfried Geldmacher stützten die Kollegin an diesem schweren Tag. Und auch Tim Linder von der benachbarten Freien Evangelischen Gemeinde kam nach seinem eigenen Gottesdienst noch vorbei.

Lob aus berufenem Munde

„Es war eine sehr gute Idee“, lobte Paul Möller, „den Gottesdienst zu teilen. Ihn halb in der Kirche, halb am neuen Ort zu feiern.“ Das Lob kommt aus berufenem Munde, denn der Stadtteilaktivist ist selbst Theologe, hat viele Jahre an der Erich-Kästner-Schule Religion gelehrt. In der Tat wurden die Menschen auf diese Weise zum neuen Zentrum der Gemeinde geleitet und machten dort – unmittelbar nach dem Ende einer Ära – einen Neuanfang.

Dennoch: Versteinerte Blicke und gefasste Mienen wohin man auch schaute. Lediglich der sieben Monate alte Jonah Steppeler weinte laut. Aber auch er wurde auf Mamas Arm getröstet, so wie Pfarrerin Bärbel Vogtmann die Erwachsenen tröstete. Sie wollte einen Abschied mit Würde, der ihr auch gelang. „Ich wünsche mir, dass wir die Vergangenheit als von Dir geschenkte Zeit begreifen“, sagte sie mit dem Blick nach ganz oben. „Und auch die Zukunft als Dein Geschenk entdecken.“

Glaube und Gott können überall wohnen

Damit hatte Vogtmann ihr Tagesthema schon früh berührt: Die Apostelgeschichte 7,48: „Aber der Allerhöchste wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind, wie der Prophet spricht.“ Glaube und Gott können überall wohnen. Überall, wo Menschen in Gottes Namen zusammenkommen. Man müsse die Kirche im Dorf lassen. Dort bleibe sie schließlich auch stehen. Gottesdienste werden weiter gefeiert. Das hänge nicht an der Lutherkirche. Es gebe auch andere schöne Kirchen in der Gemeinde.

„Ein Gebäude darf niemals an erster Stelle stehen. Nur Gott ist heilig“, predigte Pfarrerin Vogtmann. „Und diese Gewissheit gibt mir Trost.“

Eberhard Franken


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