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Lang lebe der Birkemeyer

18.07.2012 | 18:30 Uhr
Lang lebe der Birkemeyer
Schön war die Jugendzeit: (v.l.) Die Brüder Gerhard, Helmut und Herbert Nötzel mit dem Birkemeyer, der jetzt im Amtshaus seinen Platz gefunden hat. Foto: Wicho Herrmann

Langendreer ist nicht unbedingt als Hochburg der Maischützen bekannt. Und doch erinnern sich ältere Bürger gern an ihre Märsche nach Harpen und zurück.

Die Tradition der Bochumer Maischützen und die ihres Maiabendfestes ist in Langendreer normalerweise kaum ein Thema. Vor 60 Jahren war das mal anders: Daran erinnern sich die Brüder Gerhard, Helmut und Herbert Nötzel nur allzu gern. Das Beweisstück dafür, ein Birkemeyer mit Inschrift, übergaben sie jetzt an Heinz Richard Gräfe, der die Heimatstube im Amtshaus betreut.

Jahrzehntelang stand der etwa 50 Zentimeter hohe, aus Birkenholz geschnitzte Pokal im Haus Oelken. Dort tagten die damaligen Langendreerer Maischützen zuletzt. Als das Traditionshaus im vergangenen Jahr für immer seine Türen schloss, holte Gerhard Nötzel das gute Stück ab. In der Heimatstube fand der Zwei-Liter-Pokal nun ein neues Zuhause.

„Mit den Maischützen fing das hier im Stadtteil 1951 an“, erinnerte sich Herbert Nötzel bei der Übergabe. Impulsgeber und Förderer waren Horst Gellisch und seine Söhne Horst und Manfred, so der 78-Jährige. Sie begeisterten etwa 25 weitere junge Männer aus dem Dorf für die Sache. Zum Treffpunkt der Gruppe mit Namen „Doppelkorn“ wurde die Gaststätte „Zur Kanone“ gegenüber der ehemaligen Müser-Brauerei erklärt.

Schwer in Mode

Birkemeyer waren damals bei den Maischützen schwer in Mode. Für den Auszug der Gruppe, die sich der Hofsteder Kompanie der Bochumer Maiabendgesellschaft anschloss, mußte deshalb auch ein solches Trinkgefäß her. „Horst Gellisch, Otto Kieselmann und Friedhelm Topp ließen ihn 1952 machen,“ erklärte Helmut Nötzel, mit 84 Jahren der älteste der Brüder. Die Messingplatte am Pokal weist ebenfalls darauf hin.

An jedem 30. April im Jahr, so das damalige Datum des Bochumer Maiabendfestes, zogen die Junggesellen mit den Maischützen los. Dafür mussten sie schon zuvor eine ordentliche Strecke zurücklegen. „Wir sind jedes Jahr die neun Kilometer in die Stadt mit unserem umgebauten Kinderwagen bis zum Startpunkt am Rathaus gelaufen“, so die älteren Herrn. Auf dem Wagen befand sich immer ein 50-Liter-Fass, das die Müser-Brauerei gegen eine Werbeaufschrift stellte.

Die Gruppe zog dann ab dem Rathaus mit nach Harpen, holte den Baum ein und brachte ihn mit zurück. „Wir haben ihn immer wieder mitgetragen“, erinnerte sich Herbert Nötzel. Die Eiche erhielt dann ihren Platz am Bismarkturm im Stadtpark.

Tanz in den Mai bei Ölen

Wer nun meint, die Jungmänner seien danach müde gewesen, irrt. „Wir haben dann immer noch bei Ölken das Tanzbein zum Tanz in den Mai geschwungen“, lachte Helmut Nötzel. Nur Gerhard nicht, weil er zu jung war. „Ich war gerade 16 Jahre alt, als ich 1954 mitzog“, so der heute 74-Jährige. Gleichwohl kann er sich gut erinnern: „Als Jüngster war ich ständig der Bierholer.“ Dabei wurde der Birkemeyer in den Kneipen, an denen die Gruppe vorbeizog, ständig nachgefüllt.

Nach 1956 flaute die Maischützenbegeisterung ab. Der Grund: die Junggesellen heirateten und gründeten Familien. 1958 zog vermutlich das letzte Mal eine Gruppe junger Burschen aus dem Stadtteil als eigene Gruppe mit. Der Birkemeyer erhielt seinen langjährigen Stammplatz bei „Oelken“.

Heute steht er in der Heimatstube im Amtshaus neben einer blau-weißen Schirmmütze der Maischützen.

Neue Schätze sind in der Heimatstube zu entdecken

Der Birkemeyer ist nicht der einzige Neuzugang in der Heimatstube. Es gibt auch einen alten Wäschestampfer, ein Joch für Pferde oder eine alte Mundharmonika. Besichtigungen:  0234 28 37 79.

Wicho Herrmann



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