Das aktuelle Wetter Bochum 18°C
Aktiv im Alter

Gemeinsam statt einsam

01.08.2012 | 18:00 Uhr
Gemeinsam statt einsam
Zwischenlösung: Die Gesprächsrunde „Menschen über 50“ hat sich vor dem Altar der Lutherkirche niedergelassen.Foto: Eberhard Franken

Zweimal pro Woche treffen sich „Menschen über 50“ in der Lutherkirche

Die Bänke im Kirchenschiff sind zusammengeschoben, damit Tische dazwischen passen – und vor dem Altar sitzt eine Gesprächsrunde: In der Lutherkirche herrscht, zumindest zweimal in der Woche, reges Treiben. „Willkommen bei Menschen über 50“, steht draußen auf einem großen Laken, das am Bauzaun hängt. Und viele kommen in die Kirche, die ja seit dem 17. Juni keine mehr ist, um höchst christlichen Ideen nachzugehen: Älteren Menschen helfen und die Gemeinschaft stärken.

Erich Matzmohr (Info:  62 34 37 82) und Berthold Ebbing sowie weitere vier „Jungsenioren“ sind dienstags und donnerstags jeweils von 10 bis 12 und 15 bis 18 Uhr in der Kirche anzutreffen, die der Aktion von der Gemeinde zunächst befristet zur Verfügung gestellt wurde. „Seit dem 17. Juli“, so Matzmohr, „sind wir mit unserem Angebot hier. Wir wollen Menschen zusammenbringen, Freundschaften und kleine Netzwerke aufbauen.“

Freiwilligkeit und Selbstbestimmtheit sind für die Aktivisten ebenso wichtig wie Kostenfreiheit. „Hier sollen viele Angebote gemacht werden“, so Ebbing, „aber keiner soll daran etwas verdienen.“ Im Prospekt liest sich das so: „Gemeinsam statt einsam, aktiv für uns und andere, unser Leben im Alter selbstbestimmt und in Würde gestalten und leben.“

Mit Senioren für Senioren

Unter dem Motto „Mit Senioren für Senioren – gemeinsam aktiv“ hatte das Team des städtischen Seniorenbeirates und des Fachdienstes Alten- und Behindertenhilfe mit Vertretern des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) die Aktion „Aktiv im Stadtteil“ gestartet: Gemeinsame Aktionen und Hilfeleistungen sollen von Bürgern für Bürger möglichst kostenneutral geboten und gestaltet werden können.

Barrierefreiheit ist wichtig

Nach den ersten Treffen Ende April (beim DRK) und am 10. Mai im Amtshaus Langendreer war für Matzmohr und Ebbing schon klar: Der nächste Treffpunkt muss barrierefrei sein, denn „wir haben einige Senioren traurig mit Rollatoren vor der Treppe stehen sehen.“ An dieser Stelle punktet das ehrwürdige Gemäuer an der Ecke Alte Bahnhofstraße/Lünsender Straße: Der Eingang hat eine Rampe.

Kasan Kani Yilmaz vom DRK zählt zu den Ansprechpartnern beim Projektträger. Er sitzt mit Haydar Dönmez auf einer der Bänke und diskutiert über einen Tagesausflug zur Alevitischen Gemeinde. Dönmez gehört dazu und möchte gern dazu beitragen, „Berührungsängste und Vorurteile abzubauen.“

Bereits acht Gruppen ins Leben gerufen

Interessierte dürften sich genug finden, denn die „Menschen über 50“ haben mit insgesamt 31 Aktiven bereits acht Gruppen ins Leben gerufen, die sich etwa mit Computern, mit Ausflügen und Kultur, mit Malen und Zeichnen, Wandern, Spielen und aktiver Musik befassen. „Jeder kann etwas“, so Matzmohr, „von dem Mitmenschen profitieren können. Wir ermitteln den Bedarf und ermuntern zum Mitmachen.“

KIrche steht bis Oktober zur Verfügung

Es muss auch noch herausgearbeitet werden, sagt Ebbing, „wie der Raum beschaffen sein muss, den wir letztlich brauchen, und wie wir uns finanzieren.“ Die Kirche steht dem Projekt vorerst bis Ende Oktober zur Verfügung. Dass im Übrigen alles kostenneutral bleibt, bezweifelt selbst Hasan Kani Yilmaz. „Wir müssen realistisch sein.“

Dass die Sache aber ein Erfolg werden wird, daran zweifelt aktuell wohl niemand. „Die Menschen werden älter“, sagt der Altersmediziner Dr. Olaf Hagen, Chefarzt am Augusta in Bochum-Linden, „und die Zahl derer, die Zuhause vereinsamen, wächst. Wir müssen unbedingt etwas dagegen tun.“ Mit der Aktivierung werde auch Erkrankungen vorgebeugt. Insofern befinden sich die Langendreerer auf einem sehr guten Weg.

Eberhard Franken



Kommentare
Aus dem Ressort
In der Schornau: eine Zechensiedlung im Zeitenwandel
Ortsteil
Das Leben des Langendreerers Hans Dahr ist eng mit der Kolonie „In der Schornau“ verknüpft. Heute leben dort Ex-Püttrologen neben Professoren. „Bergmannskühe“ findet man heute dort aber nicht mehr.
Gesucht: Bochums schönste Aussichtspunkte
Stadtpanorama
Halden und Hügel, Hochsitze und Kirchtürme – unsere Stadt hat auch von oben viel zu bieten. Von wo aus lassen Sie am liebsten Ihren Blick schweifen? Wir suchen Ihre Geheimtipps.
Mit dem Rucksack nach Rio
Unterwegs
Romina Felderhoff reiste mit einer Freundin sieben Wochen durch Brasilien. Im Regenwald fing sie Piranhas, an der Copacabana bejubelte sie den deutschen WM-Titel. „Das Leben dort hat eine enorme Leichtigkeit“, sagt die Rucksack-Touristin.
Der Weg für die neue Aldi-Filiale in Bochum-Werne ist frei
Einzelhandel
Die Stadt Bochum stellt nach einem langen Rechtsstreit eine neue Baugenehmigung für den Standort Werner Hellweg in Aussicht. Seit das Unternehmen Ende 2012 Privathäuser abgerissen hatte, wuchert das Gelände zu – zum Ärger mancher Anwohner.
Classics haben sich im Langendreer Fußballkalender etabliert
Hobbykicker
Die Langendreer Classics sind im Bochumer Osten ein Höhepunkt des Fußball-Jahres. Das Turnier gab es schon vor Generationen und wurde 2006 wiederbelebt. „Ich war noch ein Kind“, erinnert sich etwa Langendreer 04-Urgestein Rolf „Butze“ Schlingmann, „da sprachen die Älteren vom Bochumer-Osten-Pokal.“
Umfrage
Die Bochumer Narren müssen in der kommenden Session wohl auf das 2010 etablierte Dreigestirn verzichten. Es gibt keine Kandidaten für das Markenzeichen des Karnevals in der Stadt. Was halten Sie davon?

Die Bochumer Narren müssen in der kommenden Session wohl auf das 2010 etablierte Dreigestirn verzichten. Es gibt keine Kandidaten für das Markenzeichen des Karnevals in der Stadt. Was halten Sie davon?

 
Fotos und Videos
Minikicker-Turnier
Bildgalerie
SV Langendreer04
Bauarbeiten im Zeitplan
Bildgalerie
Langendreer
WAZ-Mobil vor Ort
Bildgalerie
Langendreer