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Alle meine Entchen

02.08.2012 | 18:06 Uhr
Alle meine Entchen
Sandra Räbber (l.) und Tamara Kohlrausch mit ihren kleinen Gästen in der Kindertagesstätte „Ententeich“.Foto: Karl Gatzmanga

Langendreer.   Floristin Sandra Räbber schulte um – und ist nun Tagesmutter im „Ententeich“

Ursprünglich ist Sandra Räbber (41) gelernte Floristin. Doch vor vier Jahren beschloss sie, fortan selbstständig und von zu Hause aus zu arbeiten – als Tagesmutter.

Räbber erklärt, wie es zu diesem beruflichen Umbruch in ihrem Leben kam. „Ich habe selbst ein Kind. Und bin allein erziehend. Als ich mich entschied umzuschulen, war meinte Tochter acht Jahre alt und in der Grundschule. Sie war es bereits gewohnt, dass sich auch mal Nachbarn oder die Oma um sie kümmern mussten, wenn ich noch im Blumengeschäft war.“ Doch dann, so erzählt Räbber, sei sie immer öfter für die Schichten am Nachmittag und frühen Abend eingeteilt worden, trotz Kind. „Ich habe meine Tochter kaum noch gesehen. Da ist mir der Kragen geplatzt.“

Sandra Räbber legte die Tagesmütterprüfung ab. Und betreute fortan bis zu fünf Kinder bei sich zu Hause, inklusive der eigenen Tochter. „Mit der Zeit entstand aber der Wunsch, Arbeit und Privatleben wieder zu trennen“, resümiert die Bochumerin. Und so wurde die Alleinerziehende zur toughen Unternehmerin. Im Januar 2012 entdeckte sie an der Alten Bahnhof­straße 121 leer stehende Räumlichkeiten. Bis Ende 2011 war hier auf rund 90 Quadratmetern ein Bastelgeschäft untergebracht gewesen. „Nach dieser für mich aufregenden Entdeckung habe ich schnell entschieden und gehandelt“, berichtet die unternehmerische Bochumerin nicht ohne Stolz. „Nur einen Tag nach Entdeckung des Leerstands habe ich den Mietvertrag unterschrieben.“

Und dann ging es schnell los mit der Umgestaltung der Räume. In Eigenleistung entstanden ein Wickelbereich, ein Bad, ein Schlafraum, eine pinke Küchenzeile. Der lichtdurchflutete Hauptraum (Fensterfronten von zwei Seiten) dient als Bewegungs- und Spielbereich. Außerdem wird hier gegessen. Durch originelle, verspielte Tapeten wirkt die Einrichtung gemütlich.

Die neun Plätze waren schnell vergeben

Am 1. Mai 2012 öffnete die Kindertagespflege-Einrichtung „Ententeich“ ihre Pforten. „Unsere neun Plätze waren ruckizucki vergeben“, ist Initiatorin Räbber sichtlich zufrieden. „Da gleich nebenan ein Logopäde und eine Kinderarzt untergebracht sind, sind schnell Eltern auf uns aufmerksam geworden“, meint Räbber. Sie teilt sich die Räume zusammen mit Tagesmutter Tamara Kohlrausch (36). Die gelernte Tischlerin und Zahnarzthelferin hat nach einer Phase als Zeitungsbotin („Mein Kind hat geschrien wie am Spieß, wenn ich nachts unterwegs war, das ging nicht mehr“) derzeit vier Kids in Betreuung. Gemeinsam mit den von Sandra Räbber betreuten Kindern sind das neun „Ententeich“-Kinder. „Momentan ist diese Anzahl unser Maximum, da ein Baby mit dabei ist“, so Sandra Räbber.

„Wir machen mit den KIndern täglich Ausflüge“

Auch Kohlrausch, seit drei Jahren Tagesmutter, wollte „raus von zu Hause mit den Kids“, und war froh „gegen kleine Miete“ bei Kollegin Räbber mit einsteigen zu können. Die beiden hatten sich beim „Tagesmüttertreff Langendreer“ kennen gelernt. Inzwischen sind sie ein eingespieltes Team: „Wir unterstützen uns gegenseitig. Und für das fehlende Außengelände haben wir auch eine Lösung gefunden. Wir machen mit den Kindern täglich Ausflüge in den Volkspark oder auf den Spielplatz am Einwohnermeldeamt.“

Die beiden „Ententeich“-Mütter (so die Selbstbezeichnung) sehen ihre berufliche Verlagerung von der Privatwohnung in externe Räume als durchweg positiv an: „Jetzt gehen wir wieder morgens aus dem Haus zur Arbeit, wie alle anderen auch. Und die Eltern sind pünktlicher geworden beim Bringen und Abholen. Vorher gab es oft Verspätungen, nach dem Motto: Ach, die sind ja eh zu Hause. Durch die Einrichtung hat unsere Arbeit irgendwie mehr offiziellen Charakter bekommen.“

Stefanie Peters



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