Das aktuelle Wetter Balve 28°C
Marienhospital

Die Balver Kirchenvertreter fühlen sich fair behandelt

30.01.2012 | 12:25 Uhr
Die Balver Kirchenvertreter  fühlen sich fair behandelt
Demonstration für den erhalt des Krankenhauses Balve. Foto: Richard Elmerhaus

Balve. Muss das St.-Marien-Hospital als Bauernopfer herhalten, um die Insolvenz der Katholischen Hospitalvereinigung im Märkischen Kreis zu verhindern?

Bei dieser Frage, die am Wochenende immer wieder gestellt wurde, gerät die Katholische Kirchengemeinde St. Blasius Balve in den Fokus, denn sie ist im Verwaltungsrat der Katholischen Hospitalvereinigung im Märkischen Kreis mit Bürgermeister Hubertus Mühling, Siegfried Keil und Pfarrer Andreas Schulte präsent, wobei der Seelsorger nicht stimmberechtigt ist.

Gegenstimmen

„Wir haben natürlich gegen die Schließung des Balver Krankenhauses gestimmt, aber wir sind in der Minderheit. Davon abgesehen, konnten die Vertreter der beiden Kirchengemeinden aus Iserlohn und Menden gar nicht anders stimmen, weil einfach kein Geld vorhanden ist, um in Balve Restrukturierungsmaßnahmen durchzuführen“, sagt Bürgermeister Hubertus Mühling.

Unterstützung erfährt er durch Siegfried Keil, der frühere Banker und heutige Geschäftsführer eines Unternehmens in Thüringen. „Wir haben natürlich über mögliche Alternativen gesprochen, um Balve doch noch zu retten, aber wir haben die Zeit nicht“, lenkt Keil den Blick auf die Banken, die den Druck auf die Katholische Hospitalvereinigung verstärkt haben. Sie hätten von der Geschäftsführung das Gutachten gefordert, heißt es aus dem Umfeld der Hospitalvereinigung.

Der Verwaltungsrat ist nach Meinung von Siegfried Keil am Freitagabend fair mit den Balvern umgegangen. Denn die Hospitalvereinigung will die St.-Blasius-Kirchengemeinde bei der Suche nach einem neuen Träger für ihr Krankenhaus unterstützen. Mühling und Keil sind sich jedoch sicher: Auch wenn das St.-Marien-Hospital dicht sei, bedeutet dies keineswegs, dass die beiden Krankenhäuser in Menden und Iserlohn überleben.

Nicht vorhersehbar

„Die Banken sehen sich die Zahlen genau an, zumal auch 2012 Verluste nicht auszuschließen sind“, sagt Siegfried Keil, der sich mit Blick auf die roten Zahlen des St.-Marien-Hospitals nichts vorzuwerfen hat. Dass die Katholische Hospitalvereingung im vergangenen Jahr einen Minus von 2,4 Millionen Euro einfahren würde, das sei nicht vorhersehbar gewesen.

„Es ist uns von der Geschäftsführung Anfang des Jahres 2011 die Planung vorgestellt worden, und wir sind davon ausgegangen, dass sie passt. Dass sich die Situation so rapide verschlechtern würde, damit konnten wir nicht rechnen. Dass beispielsweise in Balve immer weniger Patienten gekommen sind, hängt auch mit den Ärzten zusammen“, räumt Keil ein.

Handwerkliche Fehler seien bei der Ärzteauswahl jedoch nicht gemacht worden. „Wir haben uns eines Headhunters bedient, der uns zwei Proktologen zur Auswahl stellte. Wir haben uns für Dr. Denkers entschieden. Das Theorie und Praxis sehr unterschiedlich sein können, mussten wir leider zur Kenntnis nehmen“, sagt Siegfried Keil, der ebenso wie Hubertus Mühling auch kritische Fragen an Geschäftsführer Thomas Wülle gerichtet hat.

Trotz der dramatischen finanziellen Situation der Katholischen Hospitalvereinigung im Märkischen Kreis sei im Verwaltungsrat zu keinem Zeitpunkt über die Ablösung des Geschäftsführers gesprochen worden. Wülle besitze das Vertrauen des Verwaltungsrates, sagt Siegfried Keil, der nicht sagen kann, wann das St.-Marien-Hospital geschlossen wird.

Dass der Verwaltungsrat für die Schließung votierte, sei nicht emotions- und spurlos an ihm vorübergegangen. Er sei seit 20 Jahren in diesem Gremium. „Schon immer mussten wir uns Gedanken um die Kostensituation im St.-Marien-Hospital machen. Wenn wir 1999 nicht mit Iserlohn fusioniert hätten, gäbe es das Krankenhaus heute nicht mehr. Diese ehrenamtliche Arbeit war kein Zuckerschlecken. Ich habe dieses Amt übernommen und übe es auch heute trotz Kritik, die auch jetzt an mich herangetragen wird, weiter aus. Dafür gibt es auch einen Grund: Diese ehrenamtliche Arbeit ist für mich, weil ich in Thüringen arbeite, auch ein Stück Heimatverbundenheit“, sagt Siegfried Keil.

Richard Elmerhaus

Facebook
Kommentare
30.01.2012
16:09
Die Balver Kirchenvertreter fühlen sich fair behandelt
von androsp | #1

Ist das schön: Wir Balver Bürger können wirklich ungemein erleichtert sein, dass die Balver Verwaltungsratsmitglieder der Hospitalvereinigung so fair behandelt wurden.
Man kann den Eindruck bekommen, dass die Herren ihr Versagen in der Vergangenheit rechtfertigen wollen.

War man sich eigentlich der Tragweite bewusst, als man der Umstrukturierung des St. Marien Hospitals Balve zur Portalklinik zustimmte? Das einzige was an eine Portalklinik erinnert, ist der monumentale Eingangsbereich. Portalklinik hat aber nichts mit einem tollen Eingang zu tun. Die Herren hätten sich vielleicht vorab einmal sachkundig machen sollen, wie eine Portalklinik genau zu definieren ist.

Es ist gut möglich, dass man bei der Auswahl des Proktologen keine handwerklichen Fehler gemacht hat. Der Fehler wurde bereits in der Verwaltungsratsitzung gemacht, als beschlossen wurde, nach 15 Jahren noch einmal einen Versuch zu starten eine proktologische Abteilung einzurichten.

Hat man dem Geschäftsführer auch die Frage gestellt, warum es ca. 900 nicht abgerechnete Fälle gegeben hat und die Hospitalvereinigung vor einer Liquiditätskatastrophe stand (siehe WP-Bericht v. 20.1.2012)? Gab es keinen Wirtschaftsprüfer, der die Jahresabschlüsse der Hospitalvereinigung überprüfte?

Hat der Verwaltungsrat in der Vergangenheit immer blind der Geschäftsführung vertraut und alles was von dort vorgeschlagen wurde brav abgenickt? War man denn überhaupt in der Lage die vorgestellte Planung zu lesen und zu interpretieren?

Ich glaube gerne, dass die ehrenamtliche Arbeit von Herrn Keil kein Zuckerschlecken gewesen ist. Aber vielleicht wäre es sinnvoller gewesen, wichtige Posten mit so weitreichender Entscheidungsgewalt nicht mit Ehrenamtlichen zu besetzen sondern mit Profis. Vielleicht hätten die eher erkannt, dass die Hospitalvereinigung sich auf schlingerndem Kurs befand und zu einem viel früheren Zeitpunkt gegensteuern können. Ein Krankenhaus ist kein kleiner Verein aus Balve.

Ich bin wütend und traurig. Es ist auch mit Kampfgeist nichts mehr zu ändern. Aber die Hauptsache ist ja doch die faire Behandlung unserer Kirchenvertreter. Im Dezember habe ich eine Email an den Generalvikar geschrieben und ihn um Hilfe gebeten. Aber mein Schreiben war noch nicht einmal eine Antwort wert. Und deshalb ist für mich klar, dieses Bistum braucht auch meine Kirchensteuer nicht mehr und nach 56 Jahren Zugehörigkeit werde ich meinen Austritt aus der katholischen Kirche erklären. Selbstverständlich werde ich weiter christlich leben. Aber das hat nichts mit der katholischen Kirche zu tun.

Fotos und Videos
Türkisch-Islamische Gemeinde
Bildgalerie
Gemeindefest
Auto und mehr
Bildgalerie
Verkaufsoffener Sonntag
Zirkus in der Grundschule
Bildgalerie
Projektwoche mit Zirkus...
Waldinventur mit High-Tech
Bildgalerie
Forstwirtschaft
Aus dem Ressort
Mit 104 Stundenkilometern durch Beckum gerast
Polizeikontrolle
Der Verkehrsdienst Märkischer Kreis hat in Zusammenarbeit mit den umliegenden Kreispolizeibehörden am Sonntag umfangreiche Verkehrskontrollen durchgeführt.
Noch keine Hinweise nach Farb-Attacken in Beckum
Polizei
Die Polizei tappt nach der Farb-Attacke in Volkringhausen und Beckum sprichwörtlich im Dunkeln. „Leider waren die Ermittlungen bislang nicht von Erfolg gekrönt“, berichtet Pressesprecher Dietmar Boronowski.