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"Wurde ja auch mal Zeit"

18.10.2007 | 22:53 Uhr
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FUSSBALL. Wie Ioannis Amanatidis das "historische" 1:0 der Griechen in der Türkei würdigte. Rehhagel hat die Wende geschafft.

ISTANBUL. In den großen Momenten dieses Lebens kann ein bisschen Übertreibung nicht schaden. Das dachte sich wohl auch das Kamerateam des ZDF, als es am Mittwochabend um Viertel nach zehn Ortszeit Jagd auf Ioannis Amanatidis machte. Der griechische Nationalstürmer in Diensten von Eintracht Frankfurt hatte seinen Landsleuten mit dem 1:0-Siegtreffer im EM-Qualifikationsspiel in der Türkei schließlich solch einen besonderen Augenblick beschert: Der Heber des 25-Jährigen, elf Minuten vor Ultimo und aus dezenter Abseitsposition heraus ausgeführt, erhob Griechenland zum Teilnehmer an der EM-Endrunde im nächsten Jahr. Noch schöner: Gekrönt haben sie sich auf dem Terrain des ungeliebten Nachbarn, und da muss schon einmal die vor Begeisterung gekreischte Frage sein: "Herr Amanatidis, der erste Sieg einer griechischen Mannschaft in der Türkei - was sagen Sie dazu?"

Tja, was sagt man dazu? "Wurde ja auch Zeit", fiel dem Frankfurter gerade noch ein, ehe er durch einen Tunnel aus Sicherheitskräften in Innere des Ali-Sami-Yen-Stadions von Istanbul flüchtete.

Der erste Erfolg auf dem Boden der einstigen Besatzungsmacht war es dann aber doch nicht ganz. 1952, stellten griechische Fußball-Statistiker inzwischen klar, habe eine Hellenen-Auswahl zuletzt in der Türkei gewonnen. Doch auch eine nach 55 Jahren beendete Dürre kann sehr wohltuend sein. Vor allem wenn man sich, wie die Elf von Otto Rehhagel, gegen den Nachbarn vor sieben Monaten eine heftige 1:4-Heimpleite erlaubt hat.

Für den Nationaltrainer aus Deutschland waren jener 24. März 2007 und die Tage danach die schwierigsten in seinen bislang sechs Jahren als Griechen-Coach. Medien, ja selbst der ein oder andere Politiker aus der konservativen Ecke, prügelten verbal auf den gebürtigen Essener ein. Er habe, so die zentrale Kritik, zu lange an seinen in die Jahre gekommenen Europameistern von 2004 festgehalten.

Und siehe da: Der starrköpfige Rehhagel reagierte. Der 69-Jährige machte sich an den notwendigen Frühjahrsputz, baute nach und nach etwas jüngere Spieler wie Amanatidis, dessen Angriffskollegen Theofanis Gekas (27), Außenverteidiger Vassilis Torosidis (22) oder Sturmtalent Georgios Samaras (22) ein. Das Desaster im März gilt in Griechenland längst als der glückliche Wendepunkt hin zur Entwicklung des aktuellen Teams. (NRZ)

ANDREAS MORBACH

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