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Kohlschreiber fliegt aus dem Davis-Cup-Team gegen Australien

04.09.2012 | 14:20 Uhr
Philipp Kohlschreiber ist aus dem deutschen Davis-Cup-Team vor dem Spiel gegen Australien herausgeflogen. Kohlschreiber hat Zoff mit Teamchef Patrik Kühnen.Foto: afp

Hamburg  Mächtig Zoff im deutschen Davis-Cup-Team vor dem Spiel gegen Australien. Teamchef Patrik Kühnen hat den derzeit besten deutschen Tennisprofi Philipp Kohlschreiber herausgeworfen. Kohlschreiber habe sich bei den US Open geweigert mit Kühnen zu reden.

Diese Weigerung hat auch Patrik Kühnen noch nie erlebt. Normalerweise ist es der Teamchef der deutschen Davis-Cup-Mannschaft gewohnt, dass sich die Profis gerne mit ihm unterhalten. Doch Philipp Kohlschreiber, zurzeit Deutschlands bester Tennisspieler, wollte vergangene Woche bei den US Open nicht mit ihm sprechen und teilte dem verblüfften Kühnen stattdessen mit, dass er sich doch bitteschön mit seinem Manager in Verbindung setzen sollte. Kühnen reagierte prompt und nominierte den gebürtigen Augsburger nun nicht für das Relegationsspiel im Davis-Cup gegen Australien um den ehemaligen Weltranglistenersten Lleyton Hewitt in Hamburg (14. bis 16. September).

"Das geht überhaupt nicht", sagte Kühnen am Dienstag in der Hansestadt: "Wenn ich das Gespräch suche, muss ein Spieler zur Verfügung stehen. Aus Philipps Sicht bestehen offenbar noch Differenzen, daher habe ich ihn für dieses Match nicht berücksichtigt." Nachdem auch noch Tommy Haas aus persönlichen Gründen seine Teilnahme abgesagt hat, sollen nun Florian Mayer, Cedrik-Marcel Stebe, Philipp Petzschner und Benjamin Becker den Abstieg aus der Weltgruppe der besten 16 Mannschaften verhindern.

Zoff zwischen Kohlschreiber und Kühnen gärt schon langer

Dieses konsequente Durchgreifen Kühnens hatten sich einige aus der Tennisszene im Fall des renitenten Kohlschreibers schon länger gewünscht. Der Weltranglisten-20. hatte in New York bei den US Open, wo er am Dienstag im Achtelfinale auf den Serben Janko Tipsarevic traf , Kühnen und die Mannschaft verbal heftig attackiert. Aus Kalkül? "Wir sind kein Team, das durch Freundschaft glänzt. Wir sind unterschiedliche Charaktere, die sich wie Magnetpole voneinander wegbewegen", sagte Kohlschreiber und sprach damit Haas an. Der weitere Vorwurf, es habe ihm "gestunken, dass ich in diesem Jahr keine Rückendeckung bekommen habe", war dagegen an Kühnen adressiert.

Video
Bamberg, 08.02.12: Tommy Haas ist wieder da – erstmals seit der Halbfinalniederlage 2007 gegen Russland gehört der 33-Jährige wieder zum deutschen Davis-Cup-Team. Ob er in den Einzeln direkt zum Einsatz kommt, entscheidet sich erst am Donnerstag.

Nach dieser öffentlichen Schelte konnte der Teamchef nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Dabei dachte er, dass die Dissonanzen nach der 1:4-Niederlage in Bamberg gegen Argentinien, als Haas sich laut darüber beklagte, dass der damals kranke Kohlschreiber sich nicht zumindest per Kurzmitteilung gemeldet habe , aus der Welt seien. Kühnen und Kohlschreiber hatten sich in New York darüber in Ruhe unterhalten.

Davis-Cup-Spieler hat keine zehn Minuten Zeit für seinen Teamchef

Zum zweiten Gespräch ist es dann nicht mehr gekommen. "Die Grenze war für mich erreicht, als er in den Medien die alten Sachen hervorgeholt hat und mir dann auch noch das Gespräch verwehrte", sagte Kühnen. "Ich habe kein Verständnis dafür, dass mir ein Davis-Cup-Spieler an einem spielfreien Tag nicht fünf bis zehn Minuten seiner Zeit gewährt."

Kohlschreiber bleibt nach den US Open nun genügend Zeit zum Nachdenken, über sich und seine Zukunft in der Nationalmannschaft. Die Tür sei nicht verschlossen, sagte Kühnen: "Ich war und bin gesprächsbereit." (dapd)



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