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Innenministerium trieb Rugby-Verband fast in die Insolvenz

20.08.2012 | 13:29 Uhr
Der Deutsche Rugby-Verband hätte beinahe Insolvenz beantragen müssen. Foto: Getty

Essen.  Der ehemalige Vorsitzende des deutschen Rugby-Verbandes, Claus-Peter Bach, kritisiert die Arbeit der deutschen Sportförderung. Seiner Meinung nach, hätte das Innenministerium mit strittigen Entscheidungen den Rugby-Verband beinahe in die Insolvenz getrieben. Manche in seinem Verband finden, er sei schuld.

Bach ist längst nicht mehr Rugby -Präsident. Einerseits fürchtet er, seine offenen Worte könnten dem Nachfolger schaden. Andererseits will er Klartext reden über ein System, in dem immer die Kleinen leiden: Die Verbände nämlich, die keine Chance haben, in absehbarer Zeit eine olympische Medaille für Deutschland zu gewinnen . Es ist ein System, gegen das sich die Beteiligten nicht wehren können, weil Kritiker so lange abgestraft werden, bis sie wieder in Reih und Glied marschieren.

Bach ist im Hauptberuf Journalist. Daneben hat er mehr als 30 Jahre ehrenamtlich als Funktionär gearbeitet, erst in Baden-Württemberg, dann für den DRV und für den europäischen Dachverband. In dieser Zeit hat er “ein freundschaftliches, vertrauensvolles Verhältnis zu allen gepflegt, mit denen ich zu tun hatte – Stadtverwaltungen, Sportverbände, das Kultusministerium in Baden-Württemberg - alle haben uns unterstützt”. Im Bundesinnenministerium erlebt er jetzt das Gegenteil. ”Mich empört, wie die Sportler ihrer Chancen beraubt wurden.”

Beinahe-Insolve statt glücklicher Zukunft

Der 9. Oktober 2009 sollte der Start in eine glückliche Zukunft werden: Das IOC wählte Rugby für die Spiele in Rio 2016 zur olympischen Sportart. Eigentlich hätte der DRV jetzt professionell aufrüsten können, damit sich Rugby für die Spiele in Rio 2016 qualifiziert. Stattdessen steht der Verband seit 2010 immer wieder kurz vor der Insolvenz.

Golf und Rugby dabei

Dokumente, die uns vorliegen, legen nahe: Das Innenministerium hätte diese Krise verhindern können. Rugby ist also olympisch. Für 2010 hofft der Verband auf mehr Fördermittel. Der DOSB stärkt diese Hoffnung. Am Morgen des 25. Januar trifft sich Bach mit seinem Sportdirektor und drei Mitarbeitern des DOSB in Frankfurt. Der DOSB geht davon aus, das BMI werde einen Trainer für das 7er-Rugby bezahlen, denn nur diese Spielart ist ab 2016 olympisch.

Der DOSB hätte gar keine Finanzierung zusagen können

Außerdem würden mehr Trainingsmaßnahmen bezahlt, mit bis zu 60.000 Euro extra könne der Verband rechnen. Bis 2012 würden die Fördermittel von bislang 126.400 auf rund 300.000 Euro angehoben. All das notieren Bach und sein Sportdirektor unabhängig voneinander.

Der DOSB behauptet, Bachs Gesprächsnotiz sei erst viele Monate später entstanden und habe in keiner Weise dem Inhalt des Gespräches entsprochen. Bach beharrt, er habe seine Notiz noch am Abend verfasst und mit der Mitschrift des Sportdirektors verglichen. Dann schickte er sie per E-Mail an sein Präsidium. Ein Sprecher des DOSB sagt, der DOSB hätte gar keine Finanzierung zusagen können - erstens weil die Mittel bis Olympia in London 2012 bereits fest gebunden waren,  und zweitens, weil kein Vertreter des Innenministeriums anwesend war.

Das zumindest muss sich Bach vorwerfen lassen: Dass er zu sehr auf den Einfluss des DOSB und dessen rosige Ankündigungen vertraute. Das zeigt aber auch, wie der Deutsche Olympische Sportbund sich gegenüber Fachverbänden verhält: Er simuliert Macht, die eigentlich beim Ministerium liegt. Für unerfahrene Verbandspräsidenten eine schwierige Situation.



Kommentare
20.08.2012
17:59
Innenministerium trieb Rugby-Verband fast in die Insolvenz
von Pucky2 | #2

Im deutschen Sport muss man selber und die ganze Familie erst den Gesinnungstest bestehen.... und Rugby ist zu kämpferisch

20.08.2012
15:08
Innenministerium trieb Rugby-Verband fast in die Insolvenz
von trickflyer | #1

warum wundert mich das nicht?hat der vespa wieder zugeschlagen

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