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Andy Murray - oder wenn Lendl fast lächelt

11.09.2012 | 19:09 Uhr
Andy Murray - oder wenn Lendl fast lächelt
Andy Murrays Trainer Ivan Lendl.Foto: imago

Essen.  Er drohte schon zur tragischen Figur der Tennis-Szene zu werden. Aber Andy Murray befreite sich in Flushing Meadow von einer histórischen Last - auch dank der Hilfe von Trainer Ivan Lendl. Ein Kommentar.

Wer das Glück und die Zeit hatte, das fast fünf Stunden dauernde Finale der US Open zu sehen, erlebte nicht nur zwei über ihre Grenzen gehende Tennisspieler. Fast so interessant war es, zwei Zuschauer zu beobachten, deren Sympathien dem späteren Sieger Andy Murray galten. Der eine, schon etwas ältere Herr, verfolgte die Ballwechsel mit fast kindlicher Freude. Der andere, ein drahtiger Fünfziger, versteckte sein Gesicht zumeist hinter einer Sonnenbrille und fiel auch sonst eher durch die undurchschaubare Mimik eines Buddhas auf.

Murray hatte Sean Connery zu seinem Glücksbringer erkoren

Die beiden Männer waren die Schauspieler-Legende Sean Connery und der früheren Tennisstar Ivan Lendl. Murray hatte seinen schottischen Landmann und ehemaligen Bond-Darsteller Connery kurzerhand zu seinem Glücksbringer erkoren, nachdem dieser schon beim Halbfinale dabei war. Sein wahrer Glücksbringer jedoch ist Lendl.

Tennis
Andy Murray erreicht bei den US Open sein historisches Ziel

Andy Murray gewinnt in einem dramatischen Finale gegen Novak Djokovic die US Open und siegt als erster Brite seit Fred Perry bei einem Grand-Slam-Turnier. Die vier Endspiele zuvor hatte er alle verloren, zuletzt im Juli gegen Roger Federer in Wimbledon.

Murray war bereits im Begriff, zur tragischen Figur zu werden, als er sich Anfang 2012 – für die Szene völlig überraschend – die Trainer-Dienste des nach seiner aktiven Laufbahn komplett abgetauchten gebürtigen Ostrauers sicherte. Er habe, so glaubten die ehemaligen Tennis-Größen John McEnroe und Boris Becker, keine entscheidende Waffe, um ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen. Und tatsächlich schien für den 25-Jährigen im Quartett der besten Spieler hinter Federer, Nadel und Djokovic (in wechselnder Reihenfolge) der vierte Platz zementiert zu sein. Das Wort vom Grand-Slam-Fluch des Schotten machte die Runde.

Daran schien zunächst auch der neue Coach nichts ändern zu können. Die Wende brachte ausgerechnet der Rasen von Wimbledon, der Lendl, den Sieger von Melbourne, Paris und Flushing Meadow zu einem „Unvollendeten“ gemacht hatte. Der Olympiasieg an dieser traditionsreichen Stätte, an der die Briten seit einer gefühlten Ewigkeit auf einen Heimsieg warten, löste offenbar die Barriere in Murrays Kopf.

Das späte Glück des Andy Murray

Der Triumph von New York steht jedoch für mehr als bloß das späte Glück des Andy Murray. Es bestätigte die neue Blüte des Männer-Tennis, das in diesem Jahr mit vier verschiedenen Siegern in den vier Grand-Slam-Turnieren so aufregend war wie lange nicht mehr. Dass diese Entwicklung in Deutschland kaum wahrgenommen wird, ist nicht zuletzt der Ignoranz der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender geschuldet. Immerhin hat dieser Sport mit Sean Connery weltweit jetzt einen neuen Fürsprecher gefunden.

Dass Ivan Lendl auch angesichts des historischen Siegs seines Schützlings nach Auffassung aller Beobachter keine Miene verzog, sah Murray übrigens anders. Er wollte „fast ein Lächeln“ bei seinem Coach beobachtet haben. Die beiden scheinen sich wirklich zu verstehen.

Reinhard Schüssler



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