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Andy Murray erreicht bei den US Open sein historisches Ziel

11.09.2012 | 19:37 Uhr
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Andy Murray erreicht bei den US Open sein historisches Ziel
Andy Murray nach seinem Sieg bei den US Open.Foto: Mike Groll / dapd

New York.  Andy Murray gewinnt in einem dramatischen Finale gegen Novak Djokovic die US Open und siegt als erster Brite seit Fred Perry bei einem Grand-Slam-Turnier. Die vier Endspiele zuvor hatte er alle verloren, zuletzt im Juli gegen Roger Federer in Wimbledon.

Hätte er nicht mindestens auch die Plattform des Empire State Buildings verdient gehabt, so wie Novak Djokovic vor einem Jahr? Zum offiziellen Fototermin mit Pokal wurde Andy Murray am Dienstagmorgen bloß in den Central Park gebeten. Aber vermutlich hätte er den Termin auch im hintersten Winkel der Bronx ohne zu murren absolviert; es ging ja schließlich darum, der Welt noch mal zu dokumentieren, was seit seinem Sieg im Finale der US Open gegen Novak Djokovic nun Realität ist. Er bescherte sich den ersten Grand-Slam-Titel seiner Karriere und schenkte den Briten endlich, endlich, endlich einen der großen vier Titel, 76 Jahre nach dem letzten Erfolg des allseits verehrten Fred Perry.

Von dem Moment an, als halbwegs klar war, dass eine Menge Talent in Murray steckt – spätestens 2006 – hatte ihn die Frage verfolgt, ob er die quälend lange Wartezeit beenden würde. Deshalb konnte er sich ein Grinsen nicht verkneifen, als er nach dem Sieg in fünf Sätzen (7:6, 7:5, 2:6, 3:6, 6:2) das Kapitel Perry mit den Worten abschloss: „Jetzt muss ich mir die blöde Frage nicht mehr anhören.“

Ivan Lendl bringt den Kick

Aber er gab zu, wie sehr ihm die Zweifel auch vor diesem Finale auf der Seele gelegen hatten, seinem fünften bei einem Grand-Slam-Turnier. Die vier zuvor hatte er allesamt verloren, zuletzt im Juli gegen Roger Federer in Wimbledon.

Als er in den letzten Minuten vor dem Finale allein in der Kabine saß, schossen ihm die alten Zweifel durch den Kopf, obwohl er doch erst vor ein paar Wochen beim Gewinn der Olympischen Goldmedaille in London bewiesen hatte, dass es keinen Grund mehr dafür gibt. Bist du wirklich gut genug? Kannst du das schaffen?

Aber man kann die Sache auch anders angehen, und der andere Ansatz stammt von jenem Mann, der auf der Tribüne gewöhnlich mit einem einzigen Gesichtsausdruck während eines Spiels auskommt, seinem zu Jahresbeginn verpflichteten Coach Ivan Lendl. Auch der hatte die ersten vier Grand-Slam-Finals seiner Karriere verloren, ehe er sich im legendären Showdown bei den French Open 1984 mit dem Rivalen John McEnroe nach einem 0:2-Satzrückstand befreite.

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Als Lendl nach Murrays Triumph gewohnt bissig über seine Grundsätze sprach, meinte er: „Ich habe mich selbst nie danach beurteilt, ob ich gewinne, sondern immer nur danach, wie viel Mühe ich mir gegeben habe.“ Nach dieser Maxime hätte sich Murray selbst als Verlierer der höchst wechselvollen, ereignisreichen und am Ende hochgradig spannenden fünf Sätze keinen Vorwurf anhören müssen.

Es gab Phasen, in denen er sichtlich schwächelte, es gab Phasen, in denen es so aussah, als habe er Angst; vor allem, als Djokovic nach dem dritten Satz immer stärker wurde, dann auch den vierten gewann und sich die Waage des Spiels auf dessen Seite zu senken schien. Es sah fast so aus, als sollte Andy Murray vor dem Gewinn des historischen Titels noch mal auf Herz und Nieren geprüft werden;  er bestand die Prüfung mit Bravour.

Während der meisten Zeit des Spiels hatten die 23000 Zuschauer ihre Unterstützung hälftig auf beide Spieler verteilt, aber als der letzte Akt des windigen, kühlen Abends begann, da wollten sie den Schotten siegen sehen. Erst recht die prominenten „Glücksbringer“ aus der Heimat – Sean Connery und Alex Ferguson.

Bei der Siegerzeremonie verlor Meistertrainer Lendl die Kontrolle über sich

Murray stand noch aufrecht, als Djokovic zu taumeln begann, gezeichnet von den extremen Anstrengungen des vier Stunden und 54 Minuten dauernden Spiels. Als er bei einer 5:2-Führung zum letzten Mal aufschlug, dachte er kurz  daran, welche Bedeutung die ganze Sache daheim haben würde. Ein paar kuriose Ballwechsel später erreichte er das historische Ziel.

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Ivan Lendl, der zwischendurch sogar beim Klatschen beobachtet worden war, umarmte Murrays Mutter, die wiederum herzte dessen langjährige Freundin. Und bei der Siegerzeremonie verlor der neue Meistertrainer völlig die Kontrolle über sich; das sei ja fast ein Lächeln, meinte Murray bei einem Blick auf die Tribüne.

„Lächeln wird überschätzt“, knurrte Lendl später demonstrativ, aber es war ein freundliches Knurren. Er sei verpflichtet worden, um Murray beim Siegen zu helfen, der habe genau das getan, und damit sei der Job erledigt. Vorerst.

Der so oft beschworene, gute alte Fred Perry zumindest kann jetzt in Frieden ruhen. „Ich bin sicher“, meinte Murray mit versonnenem Blick. „er lächelt von oben herunter und freut sich, dass es endlich ein Brite geschafft hat.“

Doris Henkel

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