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Serena Williams beweist beim US-Open-Sieg neue Stärken

10.09.2012 | 17:14 Uhr
Serena Williams beweist beim US-Open-Sieg neue Stärken
Serena Williams feiert ihren Heimsieg.Foto: afp

New York.   Serena Williams hat das Finale von New York gewonnen und sich ihren vierten US-Open-Titel gesichert. Die Olympiasiegerin aus den USA besiegte in einem spannenden und hochklassigen Endspiel die topgesetzte Wiktoria Asarenka aus Weißrussland mit 6:2, 2:6, 7:5.

Die Glückwünsche kamen aus allen Richtungen, unter anderem auch von ziemlich weit oben. Pam Shriver hatte den Ausgang des Finales in einer Maschine der United Airlines dank moderner Technik in gut 10 000 Metern verfolgt, Martina Navratilova war dagegen am Boden in der Nähe geblieben, und beide gratulierten Serena Williams zum Titel und zur bemerkenswerten Leistung. Navratilova schrieb in ihrer Nachricht: „Du bist dabei, mich und Chris einzuholen, und das gefällt mir nicht“. Sie hatte einen Smiley hinzugefügt.

Mit 18 Grand-Slam-Titeln stehen Evert und Navratilova auf Platz vier der Liste der erfolgreichsten Spielerinnen der Geschichte des Tennis, hinter Margaret Court aus Australien (24), Steffi Graf (22) und der US-Amerikanerin Helen Wills Moody (19), und lange Zeit hatte es so ausgesehen, als befänden sich die Fünf da vorn in Sicherheit. Doch nach Titel Nummer 15, den Serena Williams bei den US Open am Tag nach dem ausgefallenen Tornado in Vertretung desselben gegen Wiktoria Asarenka gewann (6:2, 2:6, 7:5) kann man sich immer besser vorstellen, dass sie Navratilovas Prophezeiung eines Tages wahrmachen wird.

Fast noch bemerkenswerter als die Zahl der Titel ist allerdings die Spanne zwischen Nummer eins und Nummer 15. Den ersten gewann Williams 1999, kurz vor ihrem 18. Geburtstag, mit bunten Perlen im Haar. Wer sie damals beim Sieg im Finale gegen Martina Hingis mit voller Kraft voraus siegen sah, ahnte, wie sehr sie die Welt des Frauentennis auf den Kopf stellen würde. Aber vermutlich hätte niemand darauf gewettet, dass sie 13 Jahre später immer noch große Titel gewinnen würde, immer wieder und immer mehr.

Gegen Williams' Naturgewalt ist kein Kraut gewachsen

Jeweils zwölf Jahre lagen zwischen dem ersten und letzten Titel bei Graf, Evert und Navratilova, die hat sie nun überholt, aber die Tatsache an sich macht nur einen Teil der Faszination aus. Beim Sieg gegen Asarenka erwischte Williams auch schwächere Phasen. Später bei der Siegerehrung gestand sie, im dritten Satz in Gedanken schon bei ihrer Rede als Verliererin gewesen zu sein angesichts der extrem gut spielenden Gegnerin, die in dieser Phase fast noch stärker wirkte als beim Sieg zu Beginn des Jahres bei den Australian Open.

Beim Stand von 5:4 im dritten Satz – es war das ersten Frauenfinale, das über die volle Distanz ging seit Grafs Sieg in drei Sätzen gegen Monica Seles anno 1995 – schlug Asarenka zum Matchgewinn auf, aber in diesem Moment meldete sich die echte Serena Williams zurück – unbezähmbar und unwiderstehlich. Gegen diese Naturgewalt ist nach wie vor kein Kraut gewachsen, und so kam es, wie es kommen musste.

Der knifflige Moment

Aber auch Wiktoria Asarenka stand nicht mit leeren Händen da; sie gewann an diesem Tag eine Menge Fans, nicht nur wegen ihres engagierten Auftritts im Spiel. Als die ersten Tränen getrocknet waren, sagte sie, es sei eine Ehre, gemeinsam mit einem Champion wie Williams auf dem Platz zu stehen. Und später fügte sie hinzu: „Jedes Mal, wenn ich gegen Serena spiele, treibt mich das dazu an, besser zu werden und weiter zu arbeiten, und dafür muss ich ihr dankbar sein.“

Vieles spricht dafür, dass Serena Williams noch längere Zeit ganz oben mitspielen und das Spiel bestimmen wird. Indiz dafür ist, dass sie sich im Gegensatz zu den spektakulären Auftritten 2010 und 2011 diesmal auch in einem kniffligen Moment im Griff hatte. Vor einem Jahr hatte sie die Schiedsrichterin im Finale gegen Sam Stosur wegen einer vermeintlichen Fehlentscheidung beschimpft, vor zwei Jahren hatte sie eine Linienrichterin nach einem Fußfehler-Ruf angefaucht und übel bedroht.

An der gleichen Stelle wie damals zeigte auch diesmal ein Linienrichter einen Fußfehler an. Williams verkniff sich eine spontane Reaktion, aber bevor sie zum Seitenwechsel ging, gönnte sie dem Mann an der Linie einen unmissverständlichen Blick. Als Lamm ist sie nicht auf die Welt gekommen, soviel steht fest.

Doris Henkel



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