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Rafati will mit seiner Kritik Missstände im Fußball aufdecken

22.03.2013 | 15:30 Uhr
Rafati will mit seiner Kritik Missstände im Fußball aufdecken
Babak Rafati sprach in der ARD-Sendung "Beckmann" über seine Angriffe gegen Schiedsrichter-Chef Fandel.Foto: dpa

Hamburg/Hannover.  Babak Rafati sieht sich nach seinem Suizidversuch auf einem guten Weg. Der an Depression erkrankte Ex-Schiedsrichter berichtete im Fernsehen über seine Krankheit. Mit harten Worten kritisierte er seine früheren Chefs. Es sollten aber keine Vorwürfe sein. Rafati gehe es darum, "die Missstände in diesem Bereich, in dem ich tätig war, aufzudecken."

Heftige Mobbing-Anschuldigungen gegen die Schiedsrichter-Chefs Herbert Fandel und Hellmut Krug und Selbstvorwürfe - der erste TV-Auftritt von Babak Rafati nach seinem Suizidversuch hat einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Der frühere Bundesliga-Referee, bei dem eine schwere Depression festgestellt wurde, wiederholte in der ARD-Sendung "Beckmann" seine Angriffe gegen die früheren Kollegen. "Die Führung hat mir übelst mitgespielt", sagte Rafati in der am Donnerstagabend ausgestrahlten Sendung.

Ähnlich wie zuvor in einem "Stern"-Interview schilderte der 42-Jährige aus Hannover, der ruhig und fast regungslos auf einem Stuhl im TV-Studio saß, sehr detailliert seine Depressions-Erkrankung und den Druck im Schiedsrichter-Wesen. Rafati bekräftigte, dass er sich über längere Zeit von Fandel "menschenunwürdig, sehr kalt und persönlich verletzend" behandelt gefühlt habe - "man hat mich systematisch gemobbt". Die Ereignisse rund um den 19. November 2011, als er sich in einem Kölner Hotel das Leben nehmen wollte, hat der frühere FIFA-Unparteiische in einem Buch festgehalten.

Fandel wies die Vorwürfe zurück

Fandel hatte als Vorsitzender der DFB-Schiedsrichterkommission bereits am vergangenen Dienstag betroffen auf die Vorwürfe reagiert und sie zurückgewiesen. Am Freitag erhielt er Rückendeckung eines namhaften Schiedsrichter-Quartetts aus der Bundesliga. Wolfgang Stark, Knut Kircher, Peter Gagelmann und Deniz Aytekin reagierten auf der Homepage des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mit Unverständnis auf die schweren Vorwürfe gegen ihren Chef.

Schiedsrichter
"Systematisch gemobbt" - Rafati verteidigt seine Angriffe

In der ARD-Sendung "Beckmann" hat der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter Babak Rafati seine Angriff gegen Schidsrichter-Chef Herbert Fandel verteidigt. Es gehe ihm darum Misststände aufzudecken. Rafati hatte am 19. November 2011 versucht, sich das Leben zu nehmen.

"Die Kommission um Herbert Fandel pflegt einen offenen und respektvollen Umgang mit uns Schiedsrichtern", erklärte Aytekin. "Ich persönlich habe nie verletzende Äußerungen durch ein Mitglied der Schiedsrichter-Kommission erfahren oder mitbekommen." Auch Kircher kann die Kritik nicht nachvollziehen: "Ich persönlich kann sagen, dass gerade die Kritik, die jeder Unparteiische im Verlauf seiner Karriere ab und an bekommt, stets sehr sachlich und fundiert, vor allem aber kollegial und in einem persönlichen Gespräch übermittelt wird."

Rafati will "Missstände in diesem Bereich aufdecken"

Rafati hatte am Donnerstagabend auf den Einwand des Fernsehmoderators Reinhold Beckmann, mit seinen Schilderungen würde er Fandel an den Pranger stellen, ausweichend geantwortet: "Ich kann mir vorstellen, dass es für alle Beteiligten nicht gut ist."

Zugleich betonte der Bankkaufmann, dass er niemandem die Schuld an seinem Suizidversuch vor 16 Monaten gebe. "Das sind keine Vorwürfe. Ich habe niemanden verantwortlich gemacht", sagte Rafati. "Ich sehe niemanden als Täter und mich selbst als Opfer. Darum geht es mir gar nicht. Mir geht es einfach darum, diese Missstände in diesem Bereich, in dem ich tätig war, aufzudecken."

Kommentar
Harte Bandagen von Rafati zur falschen Zeit

Der frühere Bundesliga-Schiedsrichter Babak Rafati erhebt schwere Vorwürfe gegen seinen ehemaligen Chef Herbert Fandel - ausgerechnet, bevor seine "Autobiographie" auf den Markt kommt. Viel billiger kann man eine ernste Sache nicht verramschen. Ein Kommentar.

Während seiner Schiedsrichter-Zeit stand der erste DFB-Referee mit Migrationshintergrund häufiger in der Kritik. "Ich musste mir viele böse Dinge anhören, das hat mich verletzt", berichtete Rafati. Die Pfeife legte er aber nicht aus der Hand. "Es war mein Fehler, dass ich nicht ausgestiegen bin. Ich wollte kein Feigling sein. Als starker Mann hat man keine Chance, Gefühle zu zeigen", räumte er ein.

Rafati weiterhin in Behandlung

Seine Krankheit wurde erst nach dem Suizidversuch festgestellt. Bei der anschließenden Therapie, zunächst in einer geschlossenen Anstalt, später im Klinikum Wahrendorff bei Hannover, unterstützte ihn seine Frau. "Sie gibt mir Halt. Die Therapie war eine unwahrscheinliche Hilfe", sagte der frühere Schiedsrichter.

Rafati befindet sich weiterhin in Behandlung. Sein Beruf bei der Bank ruht, er nimmt sich Zeit. "Ich bin auf einem gute Weg", stellte er fest. Im Stadion ist er seit November 2011 nicht mehr gewesen, das kann sich in Zukunft aber ändern. "Fußball bleibt ein Teil meines Lebens", versicherte Rafati. (dpa)



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