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Werner Brücker – der Mann mit der sonoren Stimme

22.06.2012 | 17:50 Uhr
Werner Brücker – der Mann mit der sonoren Stimme
Werner Brücker nutzt eine der wenigen Pausen zwischen zwei Prüfungen zur Entspannung. (Foto: Heinz Kunkel)

Wesel. Seine sonore Stimme ist wie ein Leuchtturm. Wenn wir ihn hören, erzählen sie sich im Reitsport, dann wissen wir, dass wir richtig sind. Werner Brücker sagt die Reiter an. Seit 62 Jahren, überall im Westen der Republik. Die Wochenenden im Sommer verbringt er größtenteils in Sprecherkabinen. „Ich bin dafür jeden Morgen sehr dankbar“, sagt der 86-Jährige.

Brücker ist ein gern gesehener Gast bei den Reitturnieren der Region. Er komme eigentlich mit allen Leuten gut aus, meint der gebürtige Weseler, der in all den Jahrzehnten unzählige Kontakte knüpfte. „Und diese Menschen rufen noch heute bei mir an und fragen, ob ich wieder ansagen könnte. Das erfüllt mich mit Stolz.“ Also studiert Brücker die Zeiteinteilung und setzt sich hinter das Mikrofon. Seine Fachkommentare veredelt der langjährige Kreisverbandsvorsitzende mit dieser unverwechselbaren, tiefen Stimme. „Die habe ich vom lieben Gott geschenkt bekommen“, sagt er und wechselt das Thema.

Brücker spricht lieber von dem „großen Verständnis“, das seine Frau Hedwig ihm immer entgegengebracht hat. „Ihr verdanke ich viel.“ Der Hansestädter sagte schon internationale Turniere an, noch heute ist er 28 bis 31 Wochenenden im Jahr für den Reitsport unterwegs, manchmal dauert sein Arbeitstag elf Stunden. „Er ist eine Ausnahmeerscheinung“, meint Manfred Jansen, der Vorsitzende des ZRuFV Diana Diersfordt.

Architekt des Wiederaufbaus

Diese Einschätzung trifft nicht nur auf Brückers Verdienste um den hiesigen Reitsport zu. Er ist zudem einer der Architekten des Weseler Wiederaufbaus. 1947 aus französischer Kriegsgefangenschaft entlassen, kam er am Bahnhof an und konnte bis zum Rhein blicken: Seine „geliebte Heimatstadt“ war völlig zerstört. Der damals 21-Jährige begann eine Lehre beim Bauamt der Stadt Wesel und erhielt später in Gießen einen Studienplatz. Nach sechs Semestern und dem Examen mit Note 2 zog es ihn zurück an den Niederrhein und zum Bauverein. Die Menschen in Wesel hausten in den Kellern ihrer zerbombten Häuser. „Es war grausam“, erinnert sich Brücker, der unter anderem Wohnraum an der Lomberstraße und Böhlstraße, Ecke Neustraße plante. „Es ging damals nicht um architektonische Meisterwerke. Es ging um Wohnraumbeschaffung.“

In den Jahren, als Brücker noch Lehrling war, radelte er jeden Morgen von Brünen nach Wesel. Mit seiner Mutter, deren Haus in der Wylackstraße zerstört worden war, wohnte er bei Verwandten auf einem Bauernhof in Brünen. Daher rührt seine Liebe zu dem Dorf, das er mit umgestaltete: Die Sport-, Tennis-, Schieß- und Reitanlage entstanden nach seinen Zeichnungen. „Mir hat immer gut gefallen, dass die Brüner sehr zusammenhalten. Das ist noch heute so“, sagt Brücker und denkt an die Pflasterung auf der Reitanlage. Der Architekt, der weiterhin Gutachten erstellt, stand 16 Jahre den Jagdfalken vor, nun ist Sohn Ralf Vereinschef. „Mein Herz schlägt für die Jugend und das Ländliche“, meint der Träger des Bundesverdienstkreuzes. Kaum verwunderlich also, dass Brücker sein erstes Turnier in Dingden ansagte. 1950 war das, als ihm plötzlich eine Flüstertüte in die Hand gedrückt wurde.

Werner Brücker blickt aus dem Panoramafenster in den grünen Garten, die zweite Tasse Kaffee ist ausgetrunken. Er ist jetzt auf keiner Reitanlage, sondern sitzt im gediegen eingerichteten Wohnzimmer seines selbstgeplanten Hauses. Hier wird seine Stimme nicht verstärkt und doch vermag der 86-Jährige das Gefühl zu wecken, hier richtig zu sein.

Niklas Preuten



Kommentare
23.06.2012
23:05
Werner Brücker – der Mann mit der sonoren Stimme
von Knebel | #1

Das ist wahr. Auch ich fing die Suche nach dem Gesicht zur Stimme an, die wirklich "eingeht". Sehr gute Erinnerungen aus meiner Kinderzeit, habe ich an die gesamte Familie.

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