Sauberkeit steht im Vordergrund
13.06.2011 | 11:54 Uhr 2011-06-13T11:54:00+0200Wesel.Jeder Skipper, der vom Rhein aus in den Yachthafen einfährt, sieht die am ersten Steg hängende blaue Flagge sofort – „und weiß, was wir erwarten“, erzählt Heinz-Albert Weber, der Ehrenvorsitzende der RTG Wesel.
Das im Wind wehende blaue Stück Stoff ist das Umweltsiegel der Deutschen Gesellschaft für Umwelterziehung (DGU), das jährlich an Sportboothäfen und Badestellen vergeben wird. In diesem Jahr deutschlandweit 152 Mal, elf Mal in NRW. Die RTG erhielt die „Blaue Flagge“ am Samstag bereits zum 18. Mal in Serie.
Die Sauberkeit des Hafens steht im Vordergrund. Die Träger der „Blauen Flagge“ verpflichten sich „Umweltsünden zu vermeiden“, wie Weber die Wirkung der Auszeichnung nennt. Dazu werden die 130 Mitglieder der Yachtabteilung der RTG regelmäßig geschult und achten untereinander auf die Einhaltung der Kriterien, „auch auf die Gäste“, sagt Jugendwart Alexander Schulten. „Das Umweltbewusstsein ist bei jedem Mitglied verankert.“
Das hört sich simpel an, birgt allerdings jede Menge Aufwand: Was beim jährlichen Frühjahrsputz im Hafen, Informationsveranstaltungen zum Umweltschutz und Containern zur Mülltrennung erst anfängt, hört bei der Altölentsorgung noch lange nicht auf. Neuerdings betreibt die RTG Wesel für ihre Gastlieger auch eine an die Kanalisation angeschlossene, 10 000 Euro teure Fäkalienabpumpstation.
Lob für Nachhaltigkeit
Annegret Gülker, die für die DGU die „Blaue Flagge“ überreichte, lobte die Nachhaltigkeit der RTG, „dass man sich hier jedes Jahr wieder den Kriterien stellt“. Alle zwölf Monate besucht sie die Bewerber und überprüft Wasserqualität, Umweltmanagement sowie Service und Sicherheit von Hafen oder Badestelle.
„Wir kümmern uns seit Jahrzehnten um den Umweltschutz“, sagt der RTG-Vorsitzende Egbert Neukäter. „Wir bewegen uns schließlich in der Natur.“ Über zu viel Umweltschutz an der falschen Stelle ärgert er sich trotzdem – wie beinahe jedes Vereinsmitglied, das man auf der Preisverleihung danach fragt. Die Baggerlöcher am Niederrhein seien nämlich allesamt gesperrt. Der Umweltschutz sei bei der Auskiesung noch unwichtig gewesen, so Neukäter. Jetzt aber dürfe der Mensch nicht mehr an die von ihm selbst geschützten Seen.
„Weil die Holländer geschäftstüchtig sind“, so der Umweltbeauftragte Bernhard Breymann, „wandern die Skipper alle nach Holland ab.“ 68 Kilometer seien es auf dem Rhein vom Weseler Yachthafen bis in die Niederlande, erklärt Neukäter. „Und im ersten Baggerloch liegt ein Steg.“ Am Niederrhein ist das trotz Dutzender durch die Kiesindustrie entstandener Gewässer nicht möglich.
„Wir wollen nur ein Baggerloch anschließen“, sagt Neukäter. „Damit wäre uns schon sehr geholfen. Das kann ja auch nur für ein paar Monate sein, wie beim Auesee.“ Die RTG kämpft darum seit Jahren – um mehr Möglichkeiten für die Jugendarbeit zu schaffen, aber auch, damit die Segler nicht weiter nach Holland abwandern.
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