Lieber gegen Menschen als Computer
27.01.2010 | 17:08 Uhr 2010-01-27T17:08:00+0100
Wesel. Als Jugend- und Seniorenstadtmeister der Hansestadt im Schach erhielt der 18 Jahre junge Mirko Kupinski vom SV Wesel nun auch noch den Sportpreis des Monats Januar.
Für das Foto-Shooting wird eine Blitz-Partie von fünf Minuten gegen Jugendwart Michael Schleich organisiert. Als die Uhr noch 4:18 Minuten anbietet, ist der Fotograf noch nicht fertig, Mirko Kupinski schon. Eine beeindruckende Demonstration des Youngsters im Weseler Schach-Verein, der nach Marcus Dehn vor 25 Jahren jüngst das Kunststück vollbrachte, Weseler Stadtmeister bei der Jugend und den Senioren zu werden.
Dafür wurde der 18-Jährige nun mit dem von der Volksbank Rhein-Lippe und RoPa-Sport finanzierten sowie der Stadt Wesel, dem Stadtsportverband und der NRZ präsentierten Sportpreis des Monats ausgezeichnet.
Was er sich mit einem Warengutschein für ein Sportgeschäft über satte 500 Euro kauft, weiß Mirko Kupinski noch nicht und auch bei der Laudatio muss sich der Preisträger anhören, dass das ein oder andere Mitglied aus der Jury Schach nicht wirklich als Sport ansehen würde. Nach den Erläuterungen Schleichs bezüglich des Energiebedarfs bei einer sechsstündigen Schachpartie auf hohem Niveau wäre dieses Thema jedoch schnell geklärt.
„Ich spiele Schach seit - eigentlich schon immer”, weiß der Friedrichsfelder gar nicht genau, wann er mit dem Spiel der Könige begonnen hat. Vater Krzysztof, ebenfalls Mitglied im SVW, hatte ihm früh die Figuren vor die Nase gesetzt, die ihn nicht mehr losgelassen haben.
Nach dem Start im Verein vor sieben Jahren in Xanten ging es über den Umweg Spellen vor drei Jahren nach Wesel. Von der eigenen Fußball-Karriere ist immerhin die Dauerkarte für den MSV Duisburg übrig geblieben, wo er hofft, schon bald wieder Erstliga-Partien zu sehen.
Bei der Stadtmeisterschaft hatte Mirko bei sechs Siegen einmal remisiert - gegen die Nummer eins des Vereins Martin Valkyser. „Wenn mir so ein Spieler das Remis anbietet, sollte ich das auch annehmen”, erklärt er. „In einer Partie kann ich so etwas erreichen, aber auf längere Sicht ist er der klar Bessere und die Nummer eins im Verein. Mir fehlt es noch an Konstanz.”
Seine Analyse unterstreichen seine durchwachsenen Leistungen in der Jugend-NRW-Liga, wo er an der Top-Position der abstiegsbedrohten Hansestädter einen Sieg bei drei Niederlagen aufweist - häufig allerdings auch gegen „eingekaufte” Aushängeschilder der anderen Clubs antreten muss. „Trotzdem bin ich damit sehr unzufrieden, die letzte Saison war besser!”
Zweimal pro Woche geht's für den 13.-Klässler des Gymnasium Voerde auch so kurz vor dem Abitur zum Training in die SVW-Clubräume in der Zitadelle, zusätzlich stehen Bücher sowie der Computer auf dem Hobby-Lehrplan. Von Online-Schachpartien hält der 18-Jährige generationsuntypisch aber ebensowenig wie von Duellen gegen den Rechner. „Den Computer benutze ich eigentlich nur zur Analyse. Gegen Menschen, die mir gegenüber sitzen, kann ich mich viel besser motivieren.”
Bezwingen könne man die großen Rechner auf Dauer sowieso nicht mehr. Aber einer, der es mit Deep Blue, Hydra und Co. irgendwann zumindest in Richtung Remis aufnehmen wird, ist nach Mirko Kupinskis Einschätzung Magnus Carlsen. „Den finde ich richtig gut”, so das Talent über den 19-Jährigen Großmeister.
Ob der Norweger seinen Vereins-Jugendwart auch in 42 Sekunden besiegt, ist nicht bekannt.
Boom in der Breite, Sorgen in der Spitze
Schach erfreut sich beim Nachwuchs großer Popularität und auch der Schachverein Wesel kann sich über seinen Zulauf bei Kindern und Jugendlichen nicht beschweren. Kein Wunder: Die lockere Atmosphäre in den Räumen der Zitadelle mit einem Kicker im Vorraum erinnern schon fast an ein Jugendzentrum. Im Top-Bereich plagen den SVW momentan allerdings Sorgen, denn die NRW-Liga-Jugend der Hansestädter schwebt nach der jüngsten 3,5:4:5-Niederlage in Lieme in akuter Abstiegsgefahr. Maria Logwinenko und Erwin Rudi erkämpften jeweils ein Remis, Andre Algermißen und Moritz Adler gewannen. Beim Stande von 3:3 spielten Eda Orhan und Philipp Neuhaus in remisträchtigen Partien, doch am Ende stand erneut eine Niederlage.
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