FLVW rüttelt an den alten Strukturen
28.07.2010 | 18:53 Uhr 2010-07-28T18:53:00+0200
Kreisgebiet. Die Bestandsaufnahme des Fußball- und Leichtathletikverbandes Westfalen (FLVW) fällt ernüchternd aus: „Der Konsum von Fußball findet nicht mehr im Stadion oder auf dem Fußballplatz statt, sondern auf dem heimischen Sofa; die finanziellen Belastungen für die Vereine mehren sich, während die Einnahmen zurück gehen. Die fehlende breite finanzielle Basis führt zu einem Mangel an Wettbewerbsfähigkeit.“
Die kritische Analyse steht im 36-seitigen Fußballentwicklungsplan, den FLVW-Präsident Hermann Korfmacher beim Verbandstag im Juni in Schwerte vorgestellt hat.
Der von einer siebenköpfigen Arbeitsgruppe unter Leitung von Gundolf Wala-schweski konzipierte Plan belässt es nicht bei einer Beschreibung des Ist-Zustandes, wie: „Wettbewerb und Leistung stehen längst nicht mehr an der Spitze der Beliebtheitsskala bei den Sporttreibenden. Vielmehr geht es den meisten darum, im Sport Spaß zu haben, die Fitness auszubauen, Sport um der Gesundheit willen zu treiben und Sozialkontakte zu pflegen.“
Der Verband sieht gerade in den Bereichen Mädchen-, Hobby und „Jungen mit Migrationshintergrund“ Chancen für die Vereine. Allerdings empfiehlt der Fußballentwicklungsplan den Klubs, ihre „Vereinsphilosophie zu überdenken“, weg von einer reinen Siegermentalität und der „Fixierung auf die ranghöchste Mannschaft“.
Auch für sich selbst sieht der Fußball- und Leichtathletikverband Handlungsbedarf, um „fit für die Zukunft“ zu sein. Dazu gehört das Rütteln an traditionellen Strukturen. Auf der Seite 14 heißt es dazu: „So ist der FLVW mit seinen insgesamt 33 Kreisen noch zu breit aufgestellt, vor allem, wenn man berücksichtigt, dass die Grenzen der Fußballkreise nicht in allen Fällen mit den Grenzen der kommunalen Kreise übereinstimmen .“
Zu den „Kernzielen“ des FLVW gehört es deshalb, die „Anzahl seiner Fußballkreise um bis zu einem Drittel“ zu verringern und dabei die „Kreisgrenzen denen der kommunalen Kreise“ anzupassen. Zum Anforderungskatalog gehört ein „Finanzausgleich zwischen den Kreisen“ und die Einrichtung von „Hauptamtlichkeit in den Kreisen oder kreisübergreifend“.
Auch den Automatismus, dass jeder Meister aufsteigen muss, stellt der Plan in Frage: „Der Anspruch, dass von der Kreisliga an, jeder Meister einer Klasse oder Staffel aufsteigen muss, wird weder dem Leistungsgedanken gerecht noch der Konkurrenzfähigkeit der Mannschaften. Eine Spielklasse höher sind die Ergebnisse dann oft zu besichtigen.“
Umstrukturierung im Schiedsrichterbereich
Die „kurzfristige“ Umsetzung einer Spielklassenreform bleibt eines der „Kernziele“ des FLVW. „Vorstellbar ist eine Westfalenliga-Staffel, dafür 6 Landesligen und 12 Bezirksligen“, mit der Konsequenz einer „stärkeren Regionalisierung“ durch „kürzere Wege und mehr Derbys“. Weiter will sich der Verband für mehr „Entscheidungsspiele und Play-Offs“ einsetzen. Das könnte eine Reduzierung der Mannschaften in den einzelnen Spielklassen“ bedeuten.
Blockiert ist durch den „Widerstand der beiden Nachbarvereine“ das vom FLVW geforderte Aufstiegsrecht von Spielgemeinschaften. Zu den „Kernzielen“ gehört auch die Umstrukturierung im Schiedsrichterbereich. Die Unparteiischen sollen „nicht mehr an den Verein, sondern an den Fußballkreis gebunden“ sein.
08:48
Zum Anforderungskatalog gehört ein „Finanzausgleich zwischen den Kreisen“ und die Einrichtung von „Hauptamtlichkeit in den Kreisen oder kreisübergreifend“.
Hier lauert für die Amateurvereine schon die nächste Erhöhung der Verbandsabgaben. Vor 2 Jahren wurden die Abgaben verdoppelt, weil sich die Herren an der Verbandsspitze mit Ausbau und Unterhaltung der Sportschule Kaiserau verkalkuliert hatten. Nun soll in den Kreisen Hauptamtlichkeit (sprich Vollzeitstellen) eingeführt werden. Bezahlen müssen diese Luftschlösser am Ende wieder die kleinen Vereine. Ich hoffe, die Basis wird langsam wach und gibt Korfmacher & Co. die pasende Antwort.