Zwischen Wimbledon und Verzweiflung
10.07.2011 | 18:50 Uhr 2011-07-10T18:50:00+0200
Düsseldorf. Es gibt Tennis-Bundesliga-Sonntage im Rochusclub, da weiß man vorher, dass es heiß wird. Am gestrigen Sonntag lag das nicht nur an der Sonne, die phasenweise für 28 Grad Celsius sorgte. Nein, das Treffen mit dem amtierenden Deutschen Meister Grün-Weiß Mannheim war eine Wundertüte auf Weltklasseniveau. 4200 Zuschauer wurden bestens unterhalten. Dass nach sechs Stunden Kampf und einem 3:3 (1:3) sich die Gastgeber wie die Sieger fühlten, lag am völlig unvorhersehbaren Spielverlauf.
Rochusclub-Teamchef Detlev Irmler war hörbar mit den Nerven runter: „Erst sind wir am Rande der Verzweiflung, dann strahlen alle wie die Wimbledon-Sieger.“ Genau einer war schließlich auch auf der Asche zu finden. Doch der aktuelle Mixed-Triumphator Jürgen Melzer (mit der Tschechin Iveta Benesova) war mit dem Doppel-Halbfinalisten der All England Championships, Alexander Peya, nicht in der Lage, das Rochusclub-Duo mit Guillermo Garcia-Lopez und Pablo Andujar zu schlagen. Iberia putzte Austria im Matchtiebreak mit 10:8. Nur Sekunden später machte sich bezahlt, dass Teamchef Irmler seinen am Vorsonntag in Krefeld trotz Vertrages fehlenden Doppel-Spezialisten Martin Emmrich begnadigt hatte. Der 26-jährige Solinger war Kernfaktor beim Erfolg mit dem im Einzel enttäuschenden Teymuraz Gabashvili.
Ärger mit vielen Stopps
So überraschend die Doppel-Siege kamen, umso unbefriedigender war die Einzel-Ausbeute. Ok, Albert Montanes lieferte sich mit Mannheims Dauerbrenner Björn Phau (seit 2004 im Team) ein Spitzenmatch. Der Deutsch-Indonesier aus Darmstadt ärgerte die Nummer 40 der Weltrangliste im ersten Satz variabel, vor allem aber mit Stopps.
„Das war eine ganz harte Sache. Björn ist ein kompletter Spieler, gegen den ich mich immer schwer tue“, gab Montanes zu. Der hatte im zweiten Satz auch Glück, dass Phau beim Breakball des Iberers zum 4:3 ein Doppelfehler unterlief. Weil eine Saite des Rackets gekracht war. Im Matchtiebreak lieferten die Kontrahenten dann bis zur Becker-Rolle alles, was Tennis spritzig macht. Mit dem besseren Ende für den sichtbar konditionsstärkeren Montanes.
Guillermo Garcia-Lopez wollte es gegen den Weltranglistenzwölften Jürgen Melzer im Anschluss ähnlich spektakulär machen. Schaffte den Satzausgleich, hatte aber im Tiebreak bei 7:8 nicht das nötige Millimeterglück.
Teamchef Irmler saß das schon wie ein Häufchen Elend hinter der Spielerbank des prächtig gefüllten Center Courts. Seine Punktegaranten Pablo Andujar und Teymuraz Gabashvili hatten zuvor versagt. „Das war eigentlich ATP- gegen Challenger-Tennis. Beide haben sich gegen schwächere Gegner in die Hose gemacht“, nahm Irmler kein Blatt vor den Mund. Und grübelte zweifelnd im Trübsinn.
Der gebürtige Georgier Gabashvili verkorkste nervös wie das Kaninchen vor der Schlange den Matchtiebreak gegen Alexander Peya (ATP 386!) mit 2:10. Und auch Andujar machte die Nervensäge, lag im Matchtiebreak 0:7 hinten, führte 8:7, um noch mit 10:12 gegen den in der Weltrangliste ebenfalls klar schwächter platzierten Juan Pablo Brzezicki zu verreißen.
„War nicht mein Tag heute“, knurrte Andujar auf dem Weg zur Kabine. Noch nicht wissend, dass drei Stunden später dieses Urteil wieder Makulatur sein würde.
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