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Basketball-Bundesliga

Von Alaska, der NBA und Real Madrid

16.03.2010 | 19:15 Uhr

Düsseldorf. Der neue Giants-Trainer Hansi Gnad hat bereits eine bewegte Spieler-Karriere hinter sich.

Seit knapp fünf Tagen ist Hansi Gnad nun Cheftrainer der Giants. Nach der Beurlaubung von Achim Kuczmann übernahm der 46-Jährige das Amt  beim Basketball-Bundesligisten. Mit Blick auf Gnads Vita  nur ein weiterer markanter Schritt in einer erstaunlichen Karriere. Denn eigentlich ist der gebürtige Darmstädter ein Spätberufener. Einer, der über Umwege zum Basketball fand. Und das auch erst mit 17. Talente, so meint man, werden gemeinhin früher entdeckt.

Was bei Gnad nicht zutraf. „Ich war Leistungsschwimmer, habe sechs Stunden am Tag im Wasser rumgetobt“, erinnert er sich. Bei der SG Darmstadt gehörte Gnad zur Bundesliga-Staffel. „Aber ich war nicht so gut“, bekennt er. Was typisch ist. Gnad macht klare, forsche Ansagen.

Hansi Gnad als Spieler sowie als Trainer der Giants. Fotos: Siekmann / Schaffmeister / WAZ/FotoPool

Sein Mathematik-Lehrer lotste den 2,08-Meter-Riesen zu den Regionalliga-Korbjägern des BC Darmstadt. „Da habe ich in der B-Jugend gespielt, aber in der C- und D-Jugend mittrainiert. Ich konnte ja nichts“, sagt der Ex-Center. Gnad lernte rasch. 1983 vermittelte ihn Paul Hallgrimson, der Trainer des 20 Kilometer entfernten Zweitligisten Langen, ins College.

„Da habe ich aufgeräumt“

In Anchorage/Alaska im kältesten US-Bundesstaat lief er für die „Seawolves“ auf, wurde zum Rohdiamanten. „Da habe ich etwas aufgeräumt“, so Gnad. 13 Rekorde hält er, seine Trikotnummer 33 wird nicht mehr vergeben. Auch persönlich eine prägende Zeit: „Es gab einen Haufen Schnee. Die Natur in Alaska ist etwas ganz besonderes.“

Die Leistungen hievten ihn ins Nationalteam und ins Visier der NBA. 1987 wurde Gnad an Position 56 von den Philadelphia 76ers in der Talentvergabe gezogen. Das Engagement scheiterte trotz Vertrags am unfähigen Berater. Der versäumte es, eine Arbeitserlaubnis zu besorgen.

Gnad musste die USA verlassen und landete in Köln. „Ich war zu naiv, hatte keine Ahnung“, beichtet er. Nach dem Meistertitel 1988 mit den Domstädtern klopfte NBA-Klub Miami Heat an. Diesmal hatte Gnad alle Papiere. Doch vor dem ersten Spiel zwickte die Achillessehne. „Der Klub hat mir ein Flugticket gekauft und mich zum Auskurieren nach Hause geschickt. Am nächsten Tag stand in der Zeitung, dass ich suspendiert bin, weil ich mich unerlaubt vom Team entfernt hätte“, sagt Gnad. „Das  ärgert mich heute noch. Ich wusste nicht, dass es eine Spielergewerkschaft in der NBA gibt.“ Die hätte seine Interessen durchgesetzt.

Über Bayreuth ging es 1990 zum italienischen Zweitligisten Desio: „Die haben mir viermal so viel gezahlt. Aber es war auch so eine tolle Zeit.“ Gnad war in Topform, was 1993 im Europameistertitel mit dem Nationalteam mündete.

Es folgten Gastspiele in Berlin, zweimal in Hagen und Leverkusen, wo er 1996 erneut Meister wurde. Zwischendurch avancierte Verona zur zweiten Heimat für ihn und Ehefrau Silke. Was der Korac-Cup-Sieg 1998 versüßte. Nach missglücktem Engagement bei Real Madrid beendete ein Achillessehnenanriss 2003 in Hagen die Karriere.

Gnad wurde Co-Trainer von Brad Dean, ging aber noch im selben Jahr nach Leverkusen, wo er 2005 Assistent von Kucz­mann wurde. Der war in taktischen Dingen ein Lehrmeister. „Ich kenne keinen, der in diesem Bereich so viel Wissen mitbringt“, sagt Gnad.  Trainer-Größen wie Svetislav Pesic hin oder der spanische Nationalcoach Sergio Scariolo her. Kuczmanns Erbe will Gnad nun retten.

Oliver Schaal

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