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2. Handball-Bundesliga

Kein K.-o. gegen die „Weingeister“

02.09.2010 | 23:30 Uhr
Kein K.-o. gegen die „Weingeister“

Die HSG empfängt am Samstag zum ersten Heimspiel der Saison den TV Groß-Umstadt. Der Aufsteiger ist für die Mannschaft ein unbeschriebenes Blatt. Nach der Verletzung von Jan Artmann muss HSG-Trainer Ronny Rogawska auf Linksaußen improvisieren.

„TV Groß-Umstadt?“, fragt Ronny Rogawska mit hochgezogenen Augenbrauen und zuckt ahnungslos mit den Schultern, „ganz ehrlich, noch nie gehört!“

Wie dem Trainer der HSG dürfte es auch vielen Fans des Handball-Zweitligisten gehen, für die der Gegner zum Saison-Heimauftakt am Samstag (18. 15 Uhr, Karl-Hohmann-Straße) ein Buch mit sieben Siegeln ist. Mit reichlich Videomaterial wird  Ronny Rogawska heute versuchen, Licht ins Dunkel zu bringen. „Ein Aufsteiger aus der Regionalliga-Südwest, die kommen aus Hessen“, weiß Daniel Stephan.

Im selben Atemzug ist der Sportdirektor der HSG allerdings bemüht, die Mannschaft vom Rand des Odenwalds nicht in die Kategorie „Kanonenfutter“ zu platzieren. „Wir sind noch lange nicht am Zenit und haben in den ersten beiden Pflichtspielen in Korschenbroich und Rheinhausen gesehen, dass wir uns im Moment alles hart erarbeiten müssen. Das wird auch gegen Groß-Umstadt der Fall sein“, so Stephan.

Einen doppelt bitteren Nachgeschmack hinterließ die Pokal-Partie in Korschenbroich. Die offiziell gezählten 446 Zuschauer bei der 32:35-Pleite in der Waldsporthalle kamen nicht nur Frank Flatten untertrieben vor: „Nach unseren Aufnahmen waren es deutlich mehr Zuschauer“, ärgerte sich der HSG-Präsident über mögliche entgangene Einnahmen, die im Pokalwettbewerb zwischen beiden Vereinen geteilt werden. Was die eigenen Zuschauerzahlen betrifft, hat Flatten konkrete Vorstellungen: „Unser Ziel ist es, in jedem Heimspiel eine vierstellige Kulisse zu erreichen. 1200 bis 1300 Fans sind die Wunschvorstellung.“

Wie Flatten weiß auch Sportdirektor Daniel Stephan, dass es nach dem Abstieg umso schwerer wird, die Massen in die Halle zu locken. Auch, weil die Gegner nicht mehr THW Kiel oder HSV Hamburg heißen sondern weniger klangvolle Namen tragen wie TV Neuhausen, immerhin aktueller Tabellenführer der Süd-Gruppe. Oder TV Groß-Umstadt. „Wenn man wie wir abgestiegen ist, muss man sich die Zuschauer immer erst wieder erarbeiten. Wenn wir erst einmal sportlichen Erfolg haben, wird es leichter sein, die Halle zu füllen“, glaubt Stephan.

Arbeitsteilung muss indes Valdas Novickis betreiben. Seit drei Tagen wirbelt der litauische Spielmacher im Training nicht nur auf der Rückraummitte sondern auch auf der für ihn ungewohnten linken Außenbahn. Denn nach Marcel Wernicke (Entzündung im Fuß) hat es mit Jan Artmann, der wegen einer Wadenzerrung pausiert, auch den zweiten Flügelflitzer erwischt.

„Deshalb müssen wir mit Valdas derzeit etwas improvisieren. Er macht seine Rolle überraschend gut“, bekennt Trainer Ronny Rogawska, der auch schon Kreisläufer Patrick Fölser auf Artmanns Position trainieren ließ. Zu ungewöhnlichen Trainingsmethoden griff man indes bei den Südhessen, die sich auch gerne als „Weininsel des Odenwalds“ bezeichnen. Trainer Ralf Ludwig bat seine Handballer zu einer Übungseinheit im Offenbacher Boxclub in den Ring. „Sie sollen lernen sich durchzuboxen“, schmunzelt Ludwig. Damit künftig auch jeder weiß, wer der TV Groß-Umstadt ist.

Marcus Gülck

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