Letzte Ausfahrt Altendorf
15.01.2010 | 19:54 Uhr 2010-01-15T19:54:00+0100Nicht immer entscheidet die Spielklasse über die Attraktivität eines Sportvereins. Der SV Altendorf ist momentan die heißeste Braut der vereisten Dorstener Fußballszene. Auf Sturmtief Daisy folgte eine erdrückende Telefonlawine mit „Anträgen” am laufenden Band.
„Wir können uns vor Anfragen kaum retten”, sagt Michael Winkel. Der Geschäftsführer des SV Altendorf konnte in den meisten Fällen grünes Licht geben. Selbst sportlichen Konkurrenten. Denn SuS Hervest trainiert bereits einmal wöchentlich auf dem Kunstrasen, um sich für den Aufstiegskampf in der B-Liga zu rüsten. „Im Moment überlegen wir, wie wir auch noch den BVH Dorsten unterkriegen”, berichtet Winkel und ist optimistisch, dem Bezirksligisten Trainingszeiten einzuräumen. Der SV Hardt macht sich ebenfalls dank Altendorfer Unterstützung von Wetterkapriolen unabhängig. Denn wenn am 30. Januar die A-Jugendlichen des FC Schalke anrollen, kann der Anstoß beim SV Altendorf erfolgen, sollte der Platz an der Storchsbaumstraße durch die Stadt gesperrt werden. Alles kostenlos.
Die Altendorfer verfügen erst seit wenigen Monaten über den Kunstrasenplatz und waren in der Vergangenheit viel mehr als andere Dorstener Vereine von den Wetterbedingungen abhängig. Oft genügte schon ein herbstlicher Schauer, um jeden Trainings- und Spielbetrieb am Gildenweg unmöglich zu machen. Der einzige Rasenplatz, den sich zwei Senioren-, fünf Jugendmannschaften und eine Alt-Herren-Truppe teilen mussten, war deutlich anfälliger als die Tennenplätze der Nachbarn. Von November bis März gesperrt, weitere sechs Wochen im Sommer. „Das ist in Summe fast ein halbes Jahr”, sagt Winkel und ist froh, dass nun alles anders ist. In der Vergangenheit musste der SV Altendorf nicht selten das Heimrecht tauschen, Trainingseinheiten absagen, oder auf den Ascheplatz an der Bismarckstraße in Hervest ausweichen. „Wir haben in dieser Zeit auch viel Hilfe von Nachbarvereinen erhalten. Dafür sind wir nach wie vor dankbar”, erklärt Altendorfs Vorsitzender Rolf Fehlinger die Bereitschaft, auszuhelfen. Für die kommenden fünf Wochen ist der Platz vollkommen ausgebucht, dabei hat die eigene erste Mannschaft die Vorbereitung noch nicht einmal aufgenommen.
Dennoch sind sich auch die Altendorfer ganz sicher, dass sie ebenfalls zu den großen Nutznießern des Kunstrasenplatzes gehören werden. Ein Indiz dafür liefern momentan die Alt-Herren des Vereins. Denn die trainieren nicht wie andere Altersgenossen in der Halle, sondern durchgehend auf dem Kunstrasen. „Dabei sind das ja nicht gerade die Wetterfestesten”, sagt Michael Winkel und ist davon überzeugt, dass nicht nur die Ältesten im Verein den Platz zu schätzen wissen. Einen Aufschwung soll in den kommenden Jahren auch die Jugendabteilung erleben. Jürgen Rinschede, Trainer der Senioren, hatte schon vor der Winterpause den Luxus, sich seine Testspielgegner regelrecht auszusuchen. Mehr als 20 Vereine baten um einen Testspieltermin gegen Altendorf. Der erste Interessent war der FC Marbeck im November. „Da war der Platz noch gar nicht fertig”, erklärt Michael Winkel.
Auch heute wird am Gildenweg Fußball gespielt. NRW-Ligist Westfalia Herne kommt und spielt gegen den SC Hassel, Spielbeginn: 14.30 Uhr.
Stimmen:
Christian Gabmaier, Trainer des BVH Dorsten: Das zeigt dann doch, dass die Rivalität nicht immer das Verhältnis unter den Vereinen bestimmt. Der SV Altendorf bricht damit im wahrsten Sinne das Eis.
Fritz Mariß, Ehrenvorsitzender des SV Hardt: Das ist kollegial und solidarisch. Ein Verhalten, das dem SV Altendorf hoch anzurechnen ist. Ich bin begeistert von dieser Art gelebter Nachbarschaftshilfe
Helmut Winkler, Vorsitzender des Stadtsportverbandes: Der SV Altendorf wird von klugen Köpfen geführt. Das zeigen auch diese vorbildlichen Gesten. Der große Gewinner ist der Dorstener Sport.
Frank Schulz, Trainer von Westfalia Herne: Da kann ich nur ganz herzlich danke sagen. Wir haben Gelegenheit gegen den SC Hassel Spielpraxis zu sammeln. Das haben nicht viele Fußball-Clubs.
Thomas Lange, Trainer von SuS Hervest: Wir wollen aufsteigen und deshalb ist das Training in Altendorf für uns sehr wichtig. Das wird positive Auswirkungen auf unseren Start haben. Danke an den SVA.
- Kommentar: Ein Herz für Nachbarn
- Vereinshomepage: SV Altendorf
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