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Innenminister Friedrich will Hooligans Fußfesseln anlegen

30.05.2012 | 08:21 Uhr
Die Deutsche Polizeigewerkschaft verschärft nach den Fan-Ausschreitungen in Fußball-Stadien den Ton gegenüber Politik und Vereinen.Foto: imago

Osnabrück/Essen.  Stehplatz-Verbot in Stadien, höhere Zäune, saftige Geldstrafen - die Forderungen der Deutschen Polizeigewerkschaft nach strengeren Regeln bei Fußballspielen werden immer umfassender. Fans, die sich einer gründlichen "Leibesvisitation" verweigern, sollen "vor dem Stadion bleiben müssen". Innenminister Friedrich geht noch einen Schritt weiter.

Mit Blick auf Ausschreitungen bei Fußballspielen mit Pyrotechnik fordert die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) die Innenminister dazu auf, empfindliche Strafen gegen Vereine und Fußball-Ligen durchzusetzen. "Die Stehplätze gehören abgeschafft, die Zäune erhöht und bei jeder Ausschreitung sollten für den Verein 100.000 Euro fällig werden", sagte der DPolG-Vorsitzende Rainer Wendt der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Wem zudem strenge Leibesvisitationen nicht passen, der soll vor dem Stadion bleiben müssen." Die Sicherheit in Fußballstadien ist auch Thema der Innenministerkonferenz am heutigen Mittwoch in Göhren/Lebbin in Mecklenburg-Vorpommern.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich hat sich im Vorfeld bereits für eine elektronische Fußfesseln für notorische Hooligans ausgesprochen. Der CSU-Politiker sagte am Mittwoch im ZDF-"Morgenmagazin", wenn eine Einigung mit der Justizministerin über die entsprechende Gesetzesänderung möglich wäre, sei er durchaus für eine solche Maßnahme. Generalbundesanwalt Harald Range hatte zuvor für Fußfesseln plädiert. Diese würden die Möglichkeiten der Polizei zur Kontrolle bekannter gewaltbereiter Fans verbessern, sagte Range. Bislang könnten die Beamten nur Platzverweise aussprechen.

Weitere Gespräche von Politikern mit DFB und DFL lehnte Wendt ab. "Am Runden Tisch drehen sich die Teilnehmer meist nur im Kreis", sagte er. "Die Innenminister müssen sich endlich gegen die Borniertheit der Vereine und Ligen durchsetzen: Ein Fußballspiel mit Zigtausenden Zuschauern ist nicht mit dem Hausrecht bei einer privaten Grillparty gleichzusetzen." Bei der Inneren Sicherheit sei es am Staat und nicht an DFB und DFL, die "Spielregeln für empfindliche Geldbußen" festzulegen.

Rauball: "Stehplätze gehören zur Fußball-Kultur."

Reinhard Rauball, Präsident von Borussia Dortmund und des Ligaverbandes, warnte vor Aktionismus: „Stehplätze gehören in die Stadien. Sie sind ein Stück Fußball-Kultur.“ Der Funktionär stellte vor einigen Tagen im Gespräch mit der WAZ-Mediengruppe klar: „Ich werde bis zum Schluss dafür kämpfen, dass es nicht zu einer Abschaffung kommt. Das wäre der falsche Weg.“

Der Fan-Abteilungsleiter vom BVB, Marco Blumberg, stellte gegenüber der WAZ-Mediengruppe kürzlich fest: „Wenn es einen Zusammenhang zwischen Stehplätzen und Gewalt geben würde, dann müsste Dortmund mit seinen über 25.000 Stehplätzen die Gewalthochburg schlechthin sein.“ Ganz im Gegenteil, sei gerade die Südtribüne aber weltweit für ihre Stimmung bekannt und mit ein Grund, warum die "Times" das Dortmunder Stadion zum schönsten der Welt kürte.

In England wurden die Stehplätze nach der Hillsborough-Katastrophe von 1989 gesetzlich nach und nach abgeschafft. In Deutschland wollen Bundesliga und DFB auf die bedenklichen Entwicklungen von einem kleinen, aber aktiven Teil der Fans reagieren. Die Vereine sollen stärker in die Pflicht genommen werden. Mit konsequenterem Umsetzen von Stadionverboten, besserer Kameraüberwachung, verstärkten Einlasskontrollen. (we/dapd)

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Kommentare
31.05.2012
21:11
Innenminister Friedrich will Hooligans Fußfesseln anlegen
von mirap | #32

ich bin für einen maulkorb für den innenminister....

dann kommen wenigstens nicht solche schwachsinnigen vorschläge aus seinem mund....

31.05.2012
07:30
Innenminister Friedrich will Hooligans Fußfesseln anlegen
von Funakoshi | #31

Fußfesseln??? Warum nicht gleich Maßnahmen wie einstmals bei "Roots" wahrnehmen!!! PS. Wer die Ironie findet, darf sie auch behalten;-).

30.05.2012
23:36
Innenminister Friedrich will Hooligans Fußfesseln anlegen
von casimir1 | #30

Diese Forderung vom Minister Friedrich ist Populismus pur, er weiß selbstverständlich, dass dies nach heutigen Gesetzen gar nicht möglich ist. Was kommt als nächstes? Vielleicht die Forderung nach Blauhelm-Soldaten für den Einsatz in den Stadien?

30.05.2012
19:16
Heute Fußfesseln für Hooligans
von meigustu | #29

morgen für jeden.

30.05.2012
17:19
Innenminister Friedrich will Hooligans Fußfesseln anlegen
von rolli0707 | #28

Was mir bisher noch kein Politiker und Polizeigewerkschafter erklären konnte ist.

Beim öffentlichen Karneval wird gesoffen, geprügelt und oft auch jemand tot gefahren. warum schafft man da nicht Stehplätze ab und verhängt Strafen an die Vereine?
Bei Stadtfesten und Kirmes gibt es auch oft Krawall. Welche Strafe müssen denn die Städte zahlen, weil sie nicht für Sicherheit sorgen können?
In den öffentlichen Verkehrsbetrieben - vor allem der Nahverkehr - werden oft Menschen misshandelt, geprügelt und überfallen. ... paar wurden sogar tot getreten. Warum schafft man die billigen Plätze nicht ab und bestraft die Bahn???
Warum gilt eine stellvertreter Haftung nur für Bundesligavereine???


1 Antwort
Innenminister Friedrich will Hooligans Fußfesseln anlegen
von JollyGreenGiant | #28-1

Dabei ist die Antwort doch ganz einfach. Fußballspiele finden gemeinhin in Stadien statt, für das der jeweilige Verein Hausrecht besitzt. All die anderen genannten Veranstaltungen finden im öffentlichen Raum statt und sind Sondernutzung desselben. Ganz davon abgesehen, das die Frequenz der genannten Veranstaltungen nicht ansatzweise so hoch ist, wie beim Fußball. Das allgemeine Lebensrisiko mit den aktuellen Auswüchsen im Zusammenhang mit Fußball zu vergleichen dürfte kaum zielführend sein.

30.05.2012
15:37
Innenminister Friedrich will Hooligans Fußfesseln anlegen
von JollyGreenGiant | #27

Ach je DerKewle, du kannst gar nicht ansatzweise beurteilen was für ein Mensch ich bin. Komischerweise mußte ich noch nie von einer Bande randalierender Grüner davonlaufen. Vielleicht hängt dies damit zusammen, daß ich mich vernünftig verhalte, normal eben, ohne im luftleeren Raum zu leben.. Interessanterweise kenne ich auch niemanden, der von der Polizei einfach mal beleidigt wurde. Nach meinen Erfahrungen wird die Polizei im Stadioninneren auch nur tätig, wenn der Ordnungsdienst überfordert ist und dann brennt schon ordentlich der Baum. Ist denn diese Ansammlung von Halbgescheiten in D-dorf nicht der Aufhänger der Story und letzter Akt in einem fortwährenden Trauerspiel? Zudem bin ich ausdrücklich für Stehplätze, aber auch für konsequente Sanktionierung der verantwortlichen Personen und Vereine und das so zeitnah, wie möglich.

30.05.2012
14:53
Innenminister Friedrich will Hooligans Fußfesseln anlegen
von DerKewle | #26

#JollyGreenGiant

Ich zeige auf niemanden. Jedoch ist dieses ganze Thema etwas komplexer als viele wahrhaben wollen. Ich habe auch keinen Bezug auf die Geschichte in Ddorf gezogen, den hast du hergestellt.
Ich habe dazu nie behauptet, dass die Polizei immer falsch gegen Randalierer vorgeht. Vielleicht solltest du nochmal zu meinem letzten Post gehen und versuchen diesen zu verstehen anstatt mir hier Dinge in den Mund zu legen, die ich nie gesagt oder gemeint habe.

Ich geh auch gerne ins Stadion und mache keinen Stunk. Trotzdem musste ich mich schon öfter von vermummten Polizisten auf übelste beleidigen lassen. Auch musste ich schonmal vor einer randalierenden Bande Grüner weglaufen. Aber da soll ich einfach kuschen, weil ist halt so?
Problemfälle gibt es auf beiden Seiten, gehetzt wird jedoch immer nur gegen die eine Seite und Menschen wie du springen voll drauf an.

30.05.2012
14:52
Innenminister Friedrich will Hooligans Fußfesseln anlegen
von Der.Luedenscheider | #25

Und zu der Qulität der Aussage nur mal so zur Erinnerung: Die Hillsborough Katastrophe konnte stattfinden, gerade weil es so hohe Zäune gegeben hat. Und weil gerade die Polizei und Ordnungskräfte die Lage falsch eingeschätzt hatten und die Tore in den Eingangsbereichen geöffnet hatten, obwohl die Tribüne voll war. Mit dem Verbot der Stehplätze wurden die Fehler der Ordnungskräfte kaschiert.

Dann lieber Fans, die ab und an mal auf den Platz laufen als so etwas.

Pyro ist ein ganz anderes Thema/Problem und nicht mit Stehplätzen oder Zäunen verbunden. Schlimm das mit der Katastrophe von damals in Verbindung zu bringen.

Youll never walk alone!

30.05.2012
14:27
Innenminister Friedrich will Hooligans Fußfesseln anlegen
von H.Siepker | #24

man muss differenzieren, sowohl bei den Meinungsäußerungen, als auch aufm Platz:
- eine Polizeigewerkschaft ist nicht die Polizei; Herr Wendt gibt hier nur seine persönliche Meinung wieder. Warum die Presse immer wieder darauf anspringt verstehe ich auch nicht.
- Das 11Freunde-Magazin hat unlängst einen Artickel veröffentlicht, indem der Zusammenhang zwischen einem zu unserer WM durchgeführten Strategiewechsel der Polizei und dem Anstieg von Delikten rund um den Fußball aufgezeigt wird. Aus eigener Erfahrung weiß ich jedenfalls, dass der vermehrte Einsatz von Pfefferspray zu einer Erhöhten Anzahl von Verletzten geführt hat.
- Gewalt wollen die allermeisten nicht; die Revierkämpfe der jungen wilden einzugrenzen kann man mit verstärktem Einsatz von szenekundigen Beamten, die Respekt bei ihren Pappenheimern genießen. Ist alles schon so praktiziert worden und hat dazu geführt, den Hooligans die Akzeptanz abzugraben. Das muss immer wieder neu gemacht werden, die nächsten Wilden warten ..

30.05.2012
14:02
Innenminister Friedrich will Hooligans Fußfesseln anlegen
von dungeonkeeper2 | #23

Selbstverständlich muss sich schnell und zeitnah etwas ändern. In welcher Art und Weise ist vollkommen egal, aber diese Menschen (falls die Bezeichnung überhaupt zutrifft) müssen aus den Stadien dieser Welt verbannt werden. Es muss etwas geschehen damit Eltern mit ihren Kindern wieder Gefahrenlos Stadien besuchen können. Auf dem Spielfeld spricht man von Sportlern mit Vorbildcharakter und auf den Zuschauerplätzen werden sich entweder die Köpfe eingeschlagen oder mit höchstgefährlichen Brandbeschleunigern gehändelt. Wo ist da ein Einklang und die Verhältnismäßigkeit ?
Ich kann auch gar nicht verstehen das es Menschen geben kann die sich für pro Pyrotechnik einsetzen. Wenn es dann einmal passiert und ein Mensch zu Schaden kommt oder sogar mehr, dann rennen sie alle Feige weg und heulen sich die Augen wund. Ich kann nur davor warnen eine Panik in einem Stadion herauf zu beschwören. Wir haben vor vielen Jahren schon das Drama Heysel Stadion hinter uns gelassen, nicht wahr ?

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