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Brügmann und Bertram setzen „Duftmarken“ beim VfL Bochum

24.06.2012 | 18:49 Uhr
Brügmann und Bertram setzen „Duftmarken“ beim VfL Bochum
Haben viel vor beim VfL Bochum: Sören Bertram (r.) und Florian Brügmann (Mitte).Foto: WAZ FotoPool

Bochum.  Sie sind jung, sie sind talentiert, sie kommen beide vom Hamburger SV II - und sie wollen beim VfL Bochum den Durchbruch schaffen. Florian Brügmann, 21, Außenverteidiger, und Sören Bertram, 21, offensiver Mittelfeldspieler, haben bereits „erste Duftmarken“ gesetzt.

Sie sind 21 Jahre jung, haben in den letzten vier Jahren drei Spielzeiten gemeinsam absolviert und zwischendurch zusammen Abi gemacht in Hamburg. Die Note, sagen sie lächelnd, „ist nicht der Rede wert“ – fußballerisch aber streben sie nach einer Eins: Beim VfL Bochum wollen sie den Durchbruch schaffen. Wieder: gemeinsam.

Dennoch sei es „eher Zufall“, dass sie beide gleichzeitig „bei diesem großen Traditionsklub“ gelandet sind, sagen Florian Brügmann, der vielseitige Außenverteidiger, und Sören Bertram, der schnelle Mittelfeldspieler, der bevorzugt über die linke Seite kommt. Soll heißen: Miteinander abgesprochen war dieser Karriere-Schritt nicht - sehr wohl aber absehbar, seit Jens Todt beim VfL Bochum für die Transfers zuständig ist.

VfL-Sportvorstand Todt holte Brügmann einst zum HSV

Der Sportvorstand hat Brügmann bereits als A-Jugendlichen zum Hamburger SV geholt, damals als Nachwuchskoordinator des HSV. Bertram war schon seit 2005 beim HSV, beide hatten Todt und VfL-Trainer Andreas Bergmann, in Hamburg zuhause, mehrmals beobachtet in der vergangenen Saison, als sie beim HSV II in der Regionalliga ran mussten. Mit Erfolg, meist als „linker Flügel“ – aber eben nur in der vierten Liga.

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Dabei schien der Weg nach oben, zu den Profis, geebnet, für Bertram vor zwei, für Brügmann noch vor einem guten halben Jahr. Nach wenig glücklichen Trainingstagen unter Armin Veh („Er hat mit uns kein Wort gesprochen“) und dem Intermezzo von Michael Oenning ging es im Frühherbst 2011 bergauf. Rodolfo Cardoso, zuvor und danach HSV-II-Coach und „unser Mentor“, wie die beiden bodenständig daher kommenden jungen Burschen sagen, stieg kurzfristig zum (Interims-)Cheftrainer auf. Brügmann schaffte es mehrmals in den 18er-Kader, zum Einsatz kam er allerdings nicht.

Und im Winter „wurden wir alle wieder runtergeschickt“, erzählt der technisch versierte Verteidiger, der bereits als A-Jugendlicher in der Regionalliga spielte und oft bei den Profis mittrainierte. Thorsten Fink setzte nicht auf sie. Internationales Renommee zählt beim HSV mehr als die eigene Jugend: Das ist der Eindruck, den die 21-Jährigen gewonnen haben. „Die holen doch lieber Leute aus Chelsea“, sagt Sören Bertram, und es klingt Verbitterung durch über die Art der Auslese.

Auch Brügmann war von seiner erneuten Herabstufung wenig entzückt, bereits im Winter wollte er zum VfL wechseln. Bis zum Sommer musste er sich dann doch noch gedulden – und ist nach der ersten Trainingswoche in Willingen mit drei Einheiten täglich guter Dinge. „Gerade für junge Spieler ist Bochum eine gute Adresse, man wird hier ganz anders wahrgenommen“, sagt er - als vollwertiger Profi, der den VfL nach vorne bringen soll.

Brügmann hat gleich „eine erste Duftmarke gesetzt“, sagt Jens Todt nach den ersten Einheiten: „Man merkt sofort, dass er ein bissiger, ehrgeiziger, schlauer Junge ist.“ Und ein beidfüßiger mit Offensivdrang: Beim HSV II, verrät Kollege Bertram, nannte man ihn gerne „unseren Philipp“. Weil „Flo“, so sein Rufname, von Statur (1,73 cm, 70 kg) und Spielart an Lahm erinnert; weil er links, wie in den ersten Testspielen gegen Willingen und eine Sauerlandauswahl, und rechts verteidigen kann, in etwa gleich gut, ohne persönliche Präferenzen. „Ich will so oft spielen wie möglich“, sagt Brügmann nur - wo, „ist mir egal“.

Bertram bestritt 17 Zweitliga-Spiele für den FC Augsburg

Einsatzzeiten bei einem VfL, der „besser abschneiden“ soll als im Vorjahr, darauf zielt auch Bertram ab. Erste Erfahrungen in dieser Klasse hat er ja schon gesammelt. 2010/11, als der FC Augsburg aufstieg und Bochum „nur“ Dritter wurde, hat der Blondschopf 17 Zweitliga-Partien (1 Tor) für das Team von Jos Luhukay bestritten, wobei er oft eingewechselt wurde. Nach der Winterpause kam er kaum noch zum Zug, und nach einem Jahr Ausleihe scheiterte ein Wechsel zu den Aufsteigern „am Veto des HSV“, sagt Bertram – und fand sich in der zweiten Hamburger Reihe wieder.

Zu wenig für einen, der mit 18 sein Profidebüt in der Europa League gab und seine ersten beiden Kurzeinsätze in der 1. Liga hatte; der von der U-18 bis zur U-20 23 Junioren-Länderspiele bestritten hat; den „Schnelligkeit und Geradlinigkeit“ auszeichnen, wie Kollege Brügmann weiß. Der „dynamische“ Mittelfeldspieler, so Trainer Bergmann, soll das Tempo auf der Außenbahn erhöhen. Wenn man bedenkt, dass er nach einer Sprunggelenks-Verletzung am Ende der vergangenen Saison noch nicht bei 100 Prozent sein kann, hat auch Bertram bereits eine kleine Duftmarke gesetzt; nicht nur mit seinen zwei Toren gegen die Sauerland-Elf .

STATIONEN: VON ROSTOCK UND ST. PAULI ZUM HSV

Florian Brügmann, geboren am 23. Januar 1991 in Hamburg, wechselte 2005 vom SSV Güster zum FC Hansa Rostock und 2008 zum Hamburger SV. Er bestritt 61 Spiele für den HSV II, ist aber noch ohne Bundesliga-Einsatz. Brügmann unterschrieb beim VfL einen Vertrag bis 2014.

Sören Bertram, geboren am 5. Juni 1991 im niedersächsischen Uelzen, wechselte 2002 von der heimischen Teutonia zum FC St. Pauli, 2005 zum Hamburger SV. 2009/10 bestritt er zwei Bundesliga-Spiele, unterschrieb einen Profi-Vertrag und wurde für ein Jahr an den FC Augsburg (2. Liga/17 Einsätze) ausgeliehen. In der vergangenen Saison spielte er nur für den HSV II. Bertram unterschrieb beim VfL einen Vetrag bis 2015.

Ralf Ritter



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