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Christoph Kramer will in Gladbach "nicht nur auf der Bank sitzen"

10.07.2013 | 19:03 Uhr
Die drei neuen "spielstarken" Gladbacher: Raffael, Max Kruse und der ehemalige Bochumer Christoph Kramer.Foto: Getty Images

Mönchengladbach.   Spielstark ist Christoph Kramer. Und zweikampfstark. Das hat der 22-jährige Mittelfeldspieler zwei Jahre lang beim VfL Bochum bewiesen. Im Interview spricht Borussia Mönchengladbachs Neuzugang über Benfica Lissabon, seine Ziele mit der Borussia und sein besonderes Verhältnis zum VfL Bochum.

Auf dem Papier liest sich Christoph Kramer als Neuzugang der Borussia aus Mönchengladbach wenig spektakulär, stehen dort auch der Brasilianer Raffael und der deutsche Nationalspieler Max Kruse. Auf dem Platz kann der ehemalige Spieler des VfL Bochum, der eigentlich Bayer Leverkusen gehört, den namhaften Spielern durchaus das Wasser reichen.

Kramer war Dreh- und Angelpunkt im Mittelfeld des VfL und will am Niederrhein nun den nächsten Schritt machen. Das unterstrich der 22 Jahre alte Solinger auch beim schweißtreibenden Pendellauf am Dienstag. Danach sprach WAZ-Redakteur David Nienhaus mit dem Defensivspieler.

Herr Kramer, konditionell stecken Sie Ihre neuen Mitspieler in die Tasche, oder?

Christoph Kramer: Ich war auf jeden Fall der letzte, der noch gelaufen ist (lacht).

Sie liefen wie der berühmte Hase aus der Batterie-Werbung. Ihr neuer Coach hat Sie mit Argusaugen beobachtet. Haben Sie deshalb noch fünf Extra-Einheiten gemacht?

Kramer: Nein, der Yoyo-Test war noch nicht zu Ende. Außerdem war ich noch nicht müde. Ich hätte auch noch länger laufen können.

Ausdauer mussten Sie auch bei Ihrem Wechsel zur Borussia beweisen . Der zog sich etwas hin, weil nicht von Beginn an feststand, wohin Ihr Weg geht. Sie liebäugelten auch mit dem Ausland.

Kramer: Bis zuletzt war Benfica Lissabon mit in der Verlosung. Das wäre auch eine tolle Herausforderung gewesen, aber ich habe einen Vertrag bei Bayer Leverkusen. Bayer wollte mich nach meiner Zeit in Bochum noch ein weiteres Mal ausleihen, damit ich weiter Spielpraxis sammeln kann – verkaufen wollten sie mich aber nicht. Benfica war nur an einem Kaufgeschäft interessiert.

Es klingt ein bisschen Wehmut in Ihrer Stimme. Die Bundesliga boomt und Sie spielen mit dem Gedanken, Deutschland zu verlassen.

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Ausruhen gibt es zur Zeit nicht bei der Borussia aus Mönchengladbach. Fußballlehrer Lucien Favre bereitet mit seinem Trainerstab die Mannschaft auf die neue Saison vor. Und wenn Favre nicht das Kommando hat, übernimmt die Deutsche Fußballliga. Eine Bilderstory.

Kramer: Wehmut nicht, aber Lissabon hätte mich schon gereizt. Es ist der größte Klub der Welt, darüber muss man sich im Klaren sein. Von der Mitgliederzahl gibt es keinen Größeren weltweit. Ich habe mir vor Ort alles angeguckt und es hat mich fasziniert. Aber so ein Schritt ist für einen jungen Spieler auch mit einem hohen Risiko verbunden. Letztlich musste ich bei meinem Wechsel aber nicht lange überlegen.

Denn statt Benfica heißt es jetzt Borussia für Sie.

Kramer: Borussia Mönchengladbach schaltete sich spät in die Bemühungen um mich ein. Dann aber richtig. Wenn so ein Verein wie Gladbach anfragt, fällt einem die Entscheidung nicht schwer. So wie es jetzt ist, mit den zwei Jahren hier und dem Anschlussvertrag in Leverkusen, ist es die beste Lösung.

Warum wollten Sami Hyypiä und Rudi Völler Sie denn nicht sofort in der BayArena sehen?

Kramer: Bayer verleiht immer unheimlich gerne (lacht). Sie sind in der Breite bei der Doppelbelastung Bundesliga und Champions League nicht so gut aufgestellt. Aber auf meiner Position haben sie auch in der Breite die Qualität. Für mich hätte es keinen Sinn gemacht, nur jedes zweite DFB-Pokalspiel zum Einsatz zu kommen.

Sie waren zwei Jahre an den VfL Bochum ausgeliehen. Dort waren Sie unangefochtener Stammspieler.

Durch sein Zweikampfverhalten und seine kämpferische Einstellung wurde Christoph Kramer beim VfL Bochum schnell zu einem Publikumsliebling.Foto: imago

Kramer: Bochum war ganz, ganz wichtig für mich. Ich habe 61 Zweitligaspiele gemacht für den VfL und das ist ein richtig gesundes Fundament, auf das man aufbauen kann. Ich konnte mich in Bochum wunderbar entwickeln und bin dem Verein sehr dankbar für die Zeit.

Inwiefern?

Kramer: Ich war am Wochenende bei der Saisoneröffnung an der Castroper Straße und wie ich dort empfangen wurde, ist gar nicht in Worte zu fassen. Das ist etwas ganz besonderes und gibt mir unheimlich viel Kraft. Wenn ich bei der Borussia mal eine schlechte Phase habe, fahre ich nach Bochum, da feiern die Fans mich wie den Helden und ich hole mir wieder Mut für die Aufgabe in Gladbach. Ich glaube, dass es außergewöhnlich ist, wenn ein Spieler, der den Verein verlässt, so umjubelt wird. Das bedeutet mir viel.

Mike Hanke geht es unter anderen Umständen ähnlich wie Ihnen. Er musste Gladbach in Richtung Freiburg verlassen. Sie haben sich sogar eine Dauerkarte für den VfL Bochum gekauft.

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Kramer: Das mit Mike Hanke und mir ist gut vergleichbar. Ich habe eine Dauerkarte für den VfL, weiß aber nicht, wie viele Spiele ich sehen kann. Wie Mike hier in Gladbach, habe ich viele Freunde in Bochum gewonnen.

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Kommentare
11.07.2013
16:26
Christoph Kramer will in Gladbach
von haruo | #1

Anders als jener Jungspund, der seinen Vertrag um vier Jahre verlängerte ("Ich habe dem Verein viel zu verdanken"), um sich dann nach einem Jahr mit einer Klage gegen den eigenen Verein zu verabschieden, war der Charakter von Kramer stets tadellos und vorbildlich. In Gladbach wünsche ich ihm Gesundheit, einen Stammplatz und sonst auch viel Erfolg!

Und wer weiß, vielleicht sehen wir ihn ja hier in Bochum wieder. Wenn nicht als Spieler, dann vielleicht als Zuschauer?

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