Fortuna: Berliner Luft mit Nachtschicht
29.08.2010 | 19:13 Uhr 2010-08-29T19:13:00+0200
Düsseldorf. Für den Erfolg legt Fortuna-Cheftrainer Norbert Meier auch schon mal eine Nachtschicht ein. Die Herthaner studierte der Coach kürzlich morgens um 3.30 Uhr: Berliner Fußball-Luft im Viersener Fernsehsessel. Nach der späten Rückkehr vom 0:2 in Cottbus am Sonntag vor einer Woche. Erkenntnisse? „Der Kader ist in der Spitze und in der Breite ein Erstliga-Team, das den ,Betriebsunfall Abstieg’ reparieren will. Wir allerdings spielen auch Fußball!“ Und zwar ab 20.15 Uhr in der Arena gegen den Zweitliga-Topfavoriten.
Für zwei Fortunen besitzt das Treffen mit Hertha BSC eine besondere Note. Angreifer Ranisav Jovanovic ist gebürtiger Berliner. Der Kongolese Assani Lukimya-Mulongoti war im Alter von nur acht Jahren mit seinem Vater, einem Berufsmusiker, aus dem ehemaligen Zaire in Zentralafrika in die bundesdeutsche Hauptstadt ausgewandert.
Spandau und Wedding
Die beiden Fortuna-Kicker liefen sich in der Drei-Millionen-Menschen-Metropole nicht über den Weg. Jovanovic spielte zwölf Jahre lang für den einstigen Zweitligisten Spandauer SV im Westteil der Stadt. Nach zwei Saisons für den SV Tasmania 73 wechselte „Rani“ im Jahr 2000 zu Tennis Borussia ins Mommsenstadion an der Messe – unweit des Olympiastadions. Die „Veilchen“ waren da nach dem Lizenzverlust aus finanziellen Gründen nur noch drittklassig. Über Dresden, Ahlen und Mainz ging es zur Fortuna.
Lukimya-Mulongoti wuchs in Wedding auf. In Berlin-Mitte. Einem Ortsteil mit sozialem Wohnungsbau in mehrgeschossiger Form, einem Ausländeranteil von über 30 Prozent und einem afrikanischen Viertel. Der kräftig gebaute „Lucki“ suchte früh sein Glück auf dem Sportplatz, kickte in der Jugend des Landesligisten SV Norden-Nordwest an der Behmstraße. Vier Jahre nach Jovanovic stand auch der Kongolese im Aufgebot des SV Tasmania 73 aus Gropiusstadt.
Dann rief Hertha. Lukimya wechselte zum erfolgreichsten Berliner Klub, kam aber über Einsätze in der zweiten Mannschaft nicht hinaus. Es wäre allerdings übertrieben zu behaupten, der Abwehrrecke möchte es heute seinem Ex-Klub einmal so richtig zeigen. Schließlich war für Lukimya das Kapitel Berlin schon im Jahr 2007 beendet.
Den Innenverteidiger und den Angreifer eint heute die (leichte) Furcht vor der Bank. Jovanovic ging in Koblenz und in Cottbus leer aus, Lukimya war an zweien der drei Pflichtspiel-Gegentreffer beteiligt.
Chefcoach Meier stärkte beiden Kickern im Vorfeld des Hertha-Duells allerdings den Rücken. „Assani hat in Duellen am Mann gut ausgesehen“, betonte Meier beispielsweise. Dazu würden sieben Chancen in Cottbus eigentlich Mut machen. „Rani und auch Sandor Torghelle müssen bei ihren Chancen nur die nötige Ruhe bewahren. Aber es gibt Tage, da trifft man eben auch den Möbelwagen nicht.“
Die (brasilianische) Konkurrenz hofft auf ihre Chance. Wobei ein Start von Ex-MSV-Verteidiger Tiago wahrscheinlicher ist als jener von Hoffenheim-Leihgabe Wellington im Fortuna-Angriff.
Übrigens: Mittelfeld-Regisseur Marco Christ musste beim gestrigen Abendtraining passen. Vorsichtshalber. Der Franke war am Samstag im Training beim Fußballtennis mit dem Fußgelenk umgeschlagen. Christs Einsatz heute Abend beim ersten Saisonheimspiel ist zumindest leicht gefährdet.
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