Das Talent, das solide werden will
29.06.2010 | 20:30 Uhr 2010-06-29T20:30:00+0200Düsseldorf. Fortunas Neuzugang hat schon eine durchaus bewegte Karriere hinter sich und will sich beweisen.
Zehn erstklassige Fußball-Cheftrainer hat er genossen. Drei Springpferde seiner Verlobten stehen im Stall. Im 30-Meter-Lauf hätte er gegen Sprintweltrekordler Usain Bolt aus Jamaika eine Chance. Bei Alemannia Aachen wurde er mal wegen „mangelhafter Leistung“ suspendiert. Sascha Dums Treiben im Profifußball (und auch privat) ist bewegt.
Dem ist sich der am Samstag 24-jährige neue Fortuna-Kicker bewusst. Und redet bei kritischen Fragen nicht um den heißen Brei: „Warum auch, wenn das meiste stimmt?“ Beispielsweise die Sache mit dem Talent, das irgendwann solide und erwachsen werden soll. Fortuna-Trainer Norbert Meier erinnerte jüngst nett, aber bestimmt daran, dass Dum an die eine oder andere kleine Eskapade nicht einmal denken und lieber hart für seine Zukunft arbeiten sollte.
Pommes gibts nicht mehr
Pommes und Currywurst kommen in der Fragebogensparte „Lieblingsspeise“ nicht mehr vor. Auch wenn Dum zugibt: „Der innere Schweinhund schwankt manchmal.“ Das schließt die gemeine Körperertüchtigung neben dem regulären Training mit ein. „Ich habe mir schließlich extrem viel vorgenommen für die neue Saison“, bekräftigt der Linksfuß, der als Junior eher in der Abwehr, später dann im Mittelfeld sein Glück suchte.
Der Linksfuß mag Eins-gegen-eins-Situationen, Offensivdrang, Flanken. Ist sauschnell. „Sascha zündet wie eine Rakete“, hat Marcel Gaus festgestellt. Und der Fortuna-Angreifer ist nicht gerade der langsamste im roten Hemd.
Im vergangenen Jahr in Cottbus wurde die Sprintfähigkeit der Energie-Kicker gemessen. „Auf den ersten dreißig Metern war ich nur vier Tausendstelsekunden langsamer als Usain Bolt bei seinem Weltrekordlauf in Berlin auf der gleichlangen Anfangsdistanz“, so Dum. Als Junior schaffte der Kicker die 100 Meter in 11,2 Sekunden. Wäre sicher interessant zu testen, ob er nun gar unter der Elfer-Marke bleiben würde.
Schnell ging auch alles in Leverkusen. Vielleicht zu schnell. Fünf Bundesliga-Einsätze mit 18 Jahren nach starken Juniorenspielzeiten. Bei den B-Jugendlichen unter dem jetzigen Fortuna-Trainer Norbert Meier, im ältesten Jahrgang dann zwei Saisons bei Abwehrhaudegen Thomas Hörster, der die Bayer-Talente knallhart auf den Bundesliga-Alltag vorbereitet hat.
„Ich habe oft geflucht, muss aber nun zugeben, dass ich bei Thomas Hörster am meisten gelernt habe“, sagt Dum. Ein großes Lob. Listet man die übrigen Trainer seiner Karriere in Leverkusen, Aachen und Cottbus auf: Bruno Labbadia, Michael Skibbe, Rudi Völler, Klaus Augenthaler, Dieter Hecking, Michael Frontzeck, Claus-Dieter Wollitz und Jupp Heynckes.
Bei Bayer blieb das nicht immer zielgerichtet lebende Talent nach Ausrufezeichen etwas stecken, blühte dann in Aachen wieder auf. Nach dem Bundesliga-Sprung mit der Alemannia folgte der umgehende Abstieg. Dum handelte sich 2007, gemeinsam mit dem zu Bayern München wechselnden Jan Schlaudraff, eine Suspendierung ein. „Wegen mangelhafter Leistung“, wie es schwammig hieß.
Sündenbock wurde gesucht
"Das war in der Endphase der Saison, als man Sündenböcke für den drohenden Abstieg gesucht hat“, sagt Dum mit dem Abstand von drei Jahren. Verhehlt aber nicht, dass der Denkzettel einen Hallo-wach-Effekt beinhaltet hatte.
Das Intermezzo in Cottbus zuletzt will er nicht verteufeln. O.k., sportlich lief es nicht besonders. Trotzdem: In der Lausitz war Dum zum ersten Mal gemeinsam mit seiner Verlobten auf sich allein gestellt war. Eine ungewohnte Situation in allen Lebenslagen. „Die hat mich aber weitergebracht.“ Ein wenig so wie der Prophet, der im eigenen Haus nicht viel wert ist.
Die (erhoffte) Rückkehr ins Rheinland freut die Eltern. Papa Manfred Dum, ein ehemaliger Zweitliga-Profi (198 Spiele für Saarbrücken, Freiburg und Solingen), hat sich eine Fortuna-Dauerkarte gekauft. Die meisten Auftritte des Juniors sieht der ehemalige SC-West-Trainer im Fernsehen. Schickt dann Sascha per SMS eine Note. Die beste war eine „1,5“.
Der erste Bundesliga-Liveauftritt mit Papa auf der Tribüne ging in die Hose. Beim Leverkusener Heimspiel gegen Hertha BSC machte Gegenspieler Marcelinho zwei Treffer. Dum blieb zur Pause in der Umkleide. Und der Papa regte sich so sehr über die dürftige Leistung auf, dass er die BayArena danach mied.
Älteren Fernsehfußballern ist Manfred Dum als Schlitzohr im Gedächtnis geblieben. Im Februar 1984, genau 28 Monate vor Saschas Geburt, erzielte der Papa das ARD-Tor-des-Monats. Beim 4:2 über Blau-Weiß 90 Berlin spitzelte Dum im Dress des 1. FC Saarbrücken dem damaligen Keeper Holger Gehrke beim Abschlag die Kugel aus der Hand. Und vollstreckte zum 1:2. Was heute kein Referee mehr so durchgehen lassen würde.
Der Kaugummi-Kicker
Vor dem Tor ist der Junior nicht so gefährlich wie der Senior. Ein Kunststück zeigte Sascha Dum auf dem Rasen aber auch schon. Als er im schwarz-gelben Aachener Dress nach einem Match seinen Kaugummi ausspuckte, mit dem Stiefelabsatz wieder hochkickte, um den klebrigen Nervenberuhiger mit dem Mund wieder aufzufangen.
DAS IST SASCHA DUM
Geburtstag: 3. Juli 1986 in Leverkusen.
Größe: 1,87 Meter.
Gewicht: 85 Kilogramm.
Familienstand: verlobt.
Spielposition: linkes Mittelfeld.
Rückennummer: 8.
Bisherige Stationen: HSV Langenfeld (1993-1996: Junioren), Bayer 04 Leverkusen (1996-2004: Junioren; 2004-2005: Regionalliga und Bundesliga/5 Einsätze; 2005-2006: Regionalliga und Bundesliga/1 Einsatz; 2007-2009: Oberliga, Regionalliga und Bundesliga/37 Einsätze), Alemannia Aachen (2006-2007: 2. Bundesliga/6 Einsätze und Bundesliga/22 Einsätze, 2 Tore), FC Energie Cottbus (2009-2010: 2. Bundesliga/21 Einsätze).
Bisherige Erfolge: fünf U-21-Länderspiele; Aufstieg mit Alemannia Aachen 2006 in die Bundesliga.
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