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FC Barcelona - mehr als ein Klub

06.04.2009 | 19:32 Uhr
FC Barcelona - mehr als ein Klub

Barcelona. Vor dem Stadion Camp Nou geht es an diesem sonnigen Montag zu wie in einem Freizeitpark. Dabei ist es eigentlich ein ganz normaler Tag, an dem bloß ein paar Tausende Fußball-Fans aus aller Welt auf die Anlage des FC Barcelona strömen, um sich das Stadion und das Museum anzusehen.

Drinnen, in den ans Stadion angebauten Hallen der Erinnerung, herrscht Gedränge zwischen den Devotionalien, die 111 Jahre Geschichte des katalonischen Vorzeigeklubs wieder aufleben lassen. Draußen, da klicken die Fotoapparate in einer Tour, wenn sich die Gäste vor der Tribüne ablichten lassen, auf der einige gelbe unter den massig blauen Sitzschalen das Barca-Motto „Més que un club” - „Mehr als ein Klub” aufleuchten lassen. Auch ein kleiner deutscher Junge im Lukas-Podolski-Trikot lässt sich hier fotografieren, sein Vater wählt allerdings – gezielt – die falsche Art, um seinem Sohn ein Lächeln zu entlocken. „Hier haben die Bayern versagt”, sagt er vergnügt und erntet dafür einen strengen Blick. Ob jung oder alt, das Camp Nou weckt bei Bayerns-Fans auch fast genau zehn Jahre nach der für sie tragischen 1:2-Niederlage im Champions-League-Finale 1999, als die Münchener den schon sicher geglaubten Pokal durch zwei Gegentore in der Nachspielzeit doch noch an Manchester United verloren, die fürchterlichsten Erinnerungen.

Ort der Tragödie

Franck Ribéry reist mit dem FC Bayern nach Barcelona.

Barcelona ist für den deutschen Rekordmeister ein Ort der Tragödie, selbst wenn er 1996 vor dem Uefa-Cup-Sieg im Halbfinale sogar den FC Barcelona im Camp Nou besiegte. Nun aber, vier Tage nach der Demontage von Wolfsburg, gibt es nicht wenige Zweifler, die sich am Mittwoch (20.45 Uhr/Sat.1) eine ähnliche Ernüchterung wie einst 1999 vorstellen können, wenn der FC Bayern beim Viertelfinal-Hinspiel der Champions League wieder ins Camp Nou muss.

Mit dem FC Barcelona haben die Mannen von Jürgen Klinsmann die aktuell wohl beste Vereinsmannschaft aufs Auge gedrückt bekommen. Das katalonische Künstlerkollektiv um Messi, Henry und Eto'o stellt eine ungleich höhere Hürde dar, als es die Zwölf-Gegentore-Portugiesen aus Lissabon im Achtelfinale vermochten. Ein Ausscheiden unter der Berücksichtigung, dass sich das Team nach der kapitalen Bauchlandung von Wolfsburg gegen Barca achtbar aus der Affäre zieht, wäre daher kein Weltuntergang.

Von dem Spiel hängt für Bayern viel ab

Von den Spielen gegen Barcelona hängt Bayerns Zukunft aber mehr ab, als man glaubt. Nicht umsonst hat Klinsmann mit etwas Abstand nach dem 1:5 gegen den VfL andere Töne als bei den sonst so plattitüdenreichen Standarderklärungen gewählt: „Mir geht es darum, dass jeder begreift, was nun auf dem Spiel steht: das gesamte Jahr 2009, die Zukunft des FC Bayern.”

Nun, da sich aus Bayern-Sicht schlimmstenfalls eine Saison ohne Titel (Aus im DFB-Pokal gegen Leverkusen, nicht die besten Karten in der Bundesliga) abzeichnet, wird das komplette Personal auf den Prüfstand gestellt. Und da klingt es sogar bei Klinsmann fast schon nach einer Portion Furcht um die eigene Arbeitsstelle: „Ich habe zehn Monate den Kopf hingehalten, jetzt sind die Spieler dran. Ich verlange, dass sie sich zusammenreißen.”

Und Klinsmann erhält Rückendeckung von Karl-Heinz Rummenigge: „Es war sehr klug von ihm, den Druck auf die Mannschaft weiterzugeben”, sagte der FCB-Vorsitzende, bevor es heute nach Spanien geht, „die Mannschaft muss wissen, dass Jürgen kein Blitzableiter ist.”

Fehlerhaftes System

Daher ist Kritik am fehlerhaften System angebracht: 36 Gegentore lassen die Defensive harmlos und schlampig erscheinen, dem Mittelfeld fehlt es oft an Kreativität. Wobei: Eigentlich verlassen sich ja sowieso alle beim FC Bayern auf Franck Ribéry. Daraus ist eine Abhängigkeit entstanden, die im Falle eines Rückstands so lähmen kann wie jüngst in Wolfsburg, weil auch der französische Filou zuweilen offensichtlich die Lust am großen Fußball verliert.

Der Neustrukturierung auf Vorstandsebene durch den angekündigten Abschied von Uli Hoeneß als Manager könnte ebenso ein Umbruch in der Mannschaft folgen, in der jetzt schon wieder einige Akteure so erfolgssatt zu sein scheinen, wie es 2007 nach den beiden Meisterschaften und Pokalsiegen unter Felix Magath der Fall war.

Ribéry soll bleiben

Und seinen patentesten Angestellten nicht zu vergraulen, wird es sich der FC Bayern nicht leisten können, ihm ein paar Wünsche zu erfüllen. Gegenüber französischen Medien hat Ribéry schon einen vorzeitigen Abschied aus München angedeutet, sollte sich - mal abgesehen von der Titellese - nicht die sportliche Aussicht bessern, schon bald die Champions League gewinnen zu können. Dafür braucht Bayern, das steht schon jetzt fest, einen weiteren Offensivspieler vom Schlage eines Franck Ribéry, einen neuen Rechtsverteidiger und wohl auch einen anderen Torhüter. Obwohl Jürgen Klinsmann gestern erst wieder einem vorzeitigen Wechsel einen Riegel vorschob, sind die Bayern von anhaltenden Gerüchten, Ribéry ziehe es nach Barcelona, Madrid oder sonstwohin genervt. Sie wird aber es kaum trösten, dass das spanische Fußballblatt Sport eine Rechnung aufgestellt hat, die zumindest, was nackte Zahlen angeht, beim FC Barcelona das mögliche Interesse am Franzosen erlöschen lassen könnte.

Auf den ersten 18 Seiten, die das Blatt in der Montagsausgabe dem Duell gewidmet hat, stellt es unter anderem Messis 30 Saisontore den zehn Treffern gegenüber, die Ribéry bislang erzielt hat - und kommt zu dem Entschluss: „Messi ist soviel wert wie drei Ribérys”. Das kann die Bayern so oder so nicht beruhigen.

Andreas Berten



Kommentare
07.04.2009
08:30
FC Barcelona - mehr als ein Klub
von schalkerbiker | #2

Weil der jetzige FC Barcelona nichts mehr der Mannschaft der letzte Saison zu tun hat.

07.04.2009
04:54
FC Barcelona - mehr als ein Klub
von ueberruhr1 | #1

Letztes Jahr hat der FC Barcelona mal gerade mit Glück auf Schalke mit einem 1:0 gewonnen. Wieso haben die Bauern Angst?

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