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Freudentränen im Goldregen

30.09.2007 | 14:59 Uhr
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FUSSBALL. Deutsches Frauenteam bleibt ohne Gegentor und holt mit 2:0 über starke Brasilianerinnen den zweiten WM-Titel.

SCHANGHAI. Um 22.17 Uhr (Ortszeit) überreichte FIFA-Präsident Sepp Blatter in Schanghai der deutschen Spielführerin Birgit Prinz den WM-Pokal. Die Konfetti-Kanonen schossen Goldregen in die Luft, auf dem Dach des Hongkou-Stadion begann ein gigantisches Feuerwerk. Die meisten der deutschen Frauen hüpften jubelnd auf dem Siegerpodest, einigen kamen Tränen der Rührung. "Es ist ein tolles Gefühl, dieses goldene Ding als erste in die Hände zu kriegen. Es ist ein Wahnsinn, dass wir wieder Weltmeister sind", sagte Birgit Prinz.

Eine Stunde, nachdem sie sich mit ihren Teamkolleginnen bei einer Ehrenrunde vom chinesischen Publikum mit einem Danktransparent für die Unterstützung während der WM verschiedet hatte, kam die 30-Jährige aus der Umkleidekabine. Um ihren Hals baumelte die Goldmedaille, in der rechten Hand hielt sie eine Trinkflasche, die linke umfasste den siebten und letzten Band von Harry Potter. Die englische Ausgabe hatte sie auf der Hinfahrt zum Stadion in aller Seelenruhe gelesen.

"Mit dem Spielbeginn waren wir dann alle heiß und aggressiv. So stark wurden wir im Turnier vorher noch nie gefordert", sagte Birgit Prinz. Mit dem 2:0 (0:0) im Finale gegen Brasilien konnte die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ihr "Projekt Titelverteidigung", das sie nach dem sechsten EM-Titelgewinn vor zwei Jahren begonnen hatte, vollenden.

Nadine Angerer stellt Rekord auf

Vor 31 000 Zuschauern war es der Spielführerin Birgit Prinz vorbehalten, das Führungstor zu erzielen. Es war kein Golden Goal wie im Endspiel vor vier Jahren gegen Schweden in Los Angeles, das damals Nia Künzer in der Nachspielzeit köpfte. Aber der Direktschuss von Birgit Prinz in der 52.Minute nach einem Anspiel ihrer Frankfurter Mannschaftskollegin Sandra Smisek war dennoch Gold wert.

In der 64. Minute entschied die australische Schiedsrichterin Tammy Ogston auf Strafstoß für Brasilien, nachdem die Essenerin Linda Bresonik die früher für Wolfsburg und Potsdam spielenden Cristiane im Strafraum attackiert hatte. Den von Marta ganz schwach geschossenen Foulelfmeter wehrte Angerer ab. "Da wusste ich, dass wir kein Gegentor mehr kriegen", sagte Silvia Neid später. In der 68. Minute wehrte Angerer noch mit einer spektakulären Flugaktion einen Freistoß von Daniela ab.

Als die Brasilianerinnen mit Macht versuchten, ihre erste WM-Niederlage abzuwenden, traf Simone Laudehr zum 2:0. In der 86. Minute war die 21-jährige Duisburgerin mit einem Bilderbuchkopfball nach einem Eckstoß von Renate Lingor zur Stelle.

Nadine Angerer - und mit ihr die ganze deutsche Abwehr - stellte einen speziellen Rekord auf. Weder bei den Männern noch bei den Frauen beendete ein Team jemals eine WM ohne Gegentor. Fünf Siege mit 21:0 Treffern bei einem torlosen Remis in der Vorrunde (gegen England) - das hatten die Spielerinnen, die je 50 000 Euro Prämie vom DFB erhalten, selbst nicht erwartet.

Vor der Abfahrt aus dem Stadion um Mitternacht tobte das Team wie eine Schulklasse bei einer Abschluss-Party vor dem Mannschaftsbus. Es war der Start einer langen Nacht. Heute um 18.35 Uhr wird das Team in Frankfurt landen und danach sofort zum Fan-Empfang auf den Römer fahren. (NRZ)

GREGOR DERICHS

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